Ein weites Feld. Der Roman von Günther Grass im Licht der Kontroversen über DDR Literatur

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GRIN Verlag, 2007 - German literature - 18 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2, Technische Universitat Dresden (Germanistik), Sprache: Deutsch, Abstract: Als im Jahr 1989 die Massen nicht mehr "Wir sind das Volk " riefen, sondern "Wir sind ein Volk " war das nicht nur ein Grund fur die fuhrende Politikerriege sich in der Einheit Deutschlands zu profilieren, sondern auch ein Grund um nachdenklich zu werden und diese Gedanken in Form von Literatur auf Papier zu bringen. Nicht nur dass viele DDR- Intellektuelle und Teile der damaligen Opposition sich gegen eine Einheit Deutschlands aussprachen, es gab diese Stimmen auch im Westen. Allerdings gingen diese im Getose des Einheitsjubels unter oder sie wurden sogar als Vaterlandsverrater gestempelt. Viel allerdings scheint an ihren Bedenken wahr zu sein; die Korruption in der in Eile hervorgestampften Treuhand, die Schwarme westdeutscher Politiker, Beamter oder Geschaftsleute im Osten, der auch bald die neuen Lander, Neufunfland und anders gerufen wurde. Es wurden bluhende Landschaften und gesunder Wohlstand versprochen, die dann doch etwas auf sich warten lieen. Naturlich war der politische Wille damals dann doch die Einheit Deutschlands, nicht zuletzt unter den sich abzeichnenden politischen Unruhen in der damaligen Sowjetunion. Schien doch Gorbatschow als machtigster Mann und Erfinder von Perestroika die Garantie fur diese Einheit zu sein, mehr noch als der Wille der anderen Siegermachte, so eben Washington neben London und Paris. Deshalb und naturlich politisches Kalkul der CDU, welcher die Wende gerade zur rechten Zeit kam, lie man sich nicht auf eine Verzogerung der Verhandlungen ein. Die D-Mark musste her und damit auch die politische Einheit Deutschlands. Gunther Grass ist mit dem Anspruch angetreten, einen Wenderoman zu schreiben, aber auch einen Roman uber sich und uber seine Neigung zu Fontanes Texten, vielleicht aber auch "Literatur uber Literatur," wie sich Herbert Glossner im Sonntagsbla
 

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Page 1 - ... ans Manuskript zu binden. Mein Ehrgeiz spitzte sich auf die Absicht zu, den chronologisch geordneten Zeitverlauf aufzuheben und die Vergangenheit gegenwärtig zu machen. Gewitzt durch die scharfsinnigen Einsichten des Schriftstellers Theodor Fontäne, hatte ich mir vorgenommen, die Geschichte und die Geschichten der deutschen Einheit, die des Jahres 1871, die des Jahres 1990, in aller Breite verwoben und bis in Nebensächlichkeiten hinein zu erzählen; dabei ging mir der Faden nicht aus. Als...
Page 3 - Brüder (sie) werdenden Menschen und den Ort sanft weilenden Friedens auf seine Weise: .Jadoch, freut Euch, ihr Wessis! - wir packen, wir umklammern euch! - Klammeraffen, ha, richtige Klammeraffen sind wir. Wen wir umschlingen, der wird uns nicht los. Nie mehr werdet ihr uns los. - Von wegen Millionen! - Milliarden kostet euch das. - Wolltet ihr doch um jeden Preis. - Einheit! Freude! - Freut euch bloß nicht zu früh. - Wird euch schon noch vergehen. Wird keine reine Freude. - Lief zwar alles nach...
Page 7 - So viel Mühe landauf landab. Lauter Querelen und engstirnige Funktionäre, die nichts, aber alles besser wußten. Verbotsschilder vor jeder Ortschaft. Und doch überwogen freundliche Erinnerungen.
Page 6 - Manchmal verwechselte er sie. Und weil er ihnen so viele Gemeinsamkeiten zuschrieb glichen sie einander wie Zwillinge aus Neigung. Nun täuschten sie ihre Söhne, sobald diese als Besuch am Tisch saßen."26 Diese Stelle zeigt auch, dass Grass sich des Problems, welches Fischer in seinem Essay „Der Literat als Historiker...
Page 11 - Kabinen 75 gereiht ist und unablässig, das heißt über die Wendepunkte im Keller- und Dachgeschoß hinweg, auf und ab fährt, ohne Halt, leicht klappernd, nicht ohne verhaltenes Gestöhne und Seufzen, aber doch zuverlässig, sagen wir ruhig »gebetsmühlenhaft«; weshalb man diesen altmodischen, inzwischen - trotz aller wohlmeinenden Proteste - fast überall ausgemusterten Personenaufzug »Paternoster
Page 6 - Das Biedermeierliche und das Metternichsche: die DDR erscheint dem Erzähler in der historischen Vogelperspektive als , gedoppelter Vormärz, wiederholte Karlsbader Beschlüsse, anhaltende Abhängigkeiten.
Page 4 - Die behördliche Liebe zu Alpenveilchen und Becherprimel ist gesamtdeutsch. Was uns Deutsche verbindet, ist das immerfort blühende Fleißige Lieschen. Was weg muss, muss weg, doch hüten wir uns davor, Topfpflanzen, die immerhin Mauer und Stacheldraht überlebt haben, brutal abzuwickeln."16 3.2 Zum Text Fast einhellig wurde Grass...
Page 3 - Ort des Geschehens, der Reichstag und die Tribüne vor seiner Fassade, auf der die Festredener schon begannen, die historische Mitternachtsstunde mit dick oder subtil aufgetragenen Sätzen zu vergolden, konnte nur erahnt werden.

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