Eine Autobiographie des Schreibens - Thomas Manns Schreiben am und im "Doktor Faustus"

Front Cover
GRIN Verlag, 2007 - 144 pages
0 Reviews
Lizentiatsarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: sehr gut, Universitat Zurich (Germanistik), 97 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Die Note 6 ist in der Schweiz die Hochstnote., Abstract: Die grosse Prasenz dargestellten Schaffens legt den Gedanken nahe, dass der Prozess der Entstehung grundlegend ist fur diesen Roman. Thomas Mann reflektiert zeit seines Lebens sein eigenes Sein und Arbeiten, halt in seinem Tagebuch sauberlich seine Fortschritte und Beschwerlichkeiten beim Schreiben fest. Trotzdem ist die Intensitat, wie dies hier im Doktor Faustus geschieht, herausragend. Thomas Mann schaltet in seinen Roman einen Erzahler ein, welcher sein eigenes Schreiben immer wieder thematisiert. Dieser Erzahler hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkuhn" zu uberliefern, dies in seiner Position als dessen Freund. Neben dessen Leben erzahlt er auch viel von dessen Schaffen. Der Leser gewinnt Einblick in die Entstehung der Werke des genialen Kunstlers. Zu dieser romanimmanenten Haufung von Darstellungen von Schaffensprozessen schreibt Thomas Mann einen Roman uber seinen eigenen Schreibprozess am Doktor Faustus. Ziel dieser Arbeit ist es, Thomas Manns Schreibprozess zu analysieren und ihn in der Folge den Schreib- und Schaffensprozessen Zeitbloms und Leverkuhns gegenuber zu stellen. Finden sich dabei Parallelen und wenn ja, was sagen diese aus? Thomas Manns Schreibprozess wird hauptsachlich anhand des Teufelsgesprachs nachgezeichnet, welches in diesem Werk eine tragende Rolle einnimmt, da es alles enthalt, was den Roman auszeichnet. Es wird deshalb weiter zu sehen sein, inwieweit es auch in Bezug auf Thomas Manns Schreiben aussagekraftig ist."
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Contents

Ästhetisierung des Schreibprozesses
89
Das Teufelsgespräch Eine Allegorie des Schreibprozesses
114
Bibliographie
129
Copyright

Other editions - View all

Common terms and phrases

Popular passages

Page 37 - Was mich betrifft, muß ich mich zu den Musikern unter den Dichtern rechnen. Der Roman war mir immer eine Symphonie, ein Werk der Kontrapunktik, ein Themengewebe, worin die Ideen die Rolle musikalischer Motive spielen.
Page 91 - Hier breche ich ab, mit dem beschämenden Gefühl artistischer Verfehlung und Unbeherrschtheit. Adrian selbst hätte wohl kaum, nehmen wir an: in einer Symphonie, ein solches Thema so vorzeitig auftreten - hätte es höchstens auf eine fein versteckte und kaum schon greifbare Art von ferne sich anmelden lassen.
Page 30 - Panoramen», die man in meiner Kindheit zeigte, das handgreiflich Reale ins perspektivisch Gemalte und Illusionäre schwer unterscheidbar übergeht.
Page 64 - Hat jemand, Ende des neunzehnten Jahrhunderts, einen deutlichen Begriff davon, was Dichter starker Zeitalter Inspiration nannten?
Page 6 - Wo der Hochmut des Intellektes sich mit seelischer Altertümlichkeit und Gebundenheit gattet, da ist der Teufel. Und der Teufel, Luthers Teufel, Faustens Teufel, will mir als eine sehr deutsche Figur erscheinen, das Bündnis mit ihm, die Teufelsverschreibung, um unter Drangabe des Seelenheils für eine Frist alle Schätze und Macht der Welt zu gewinnen, als etwas dem deutschen Wesen eigentümlich Naheliegendes.
Page 40 - Das Motiv, das Selbstzitat, die autoritative Formel, die wörtliche und gewichtige Rückbeziehung über weite Strecken hin, das Zusammentreten von höchster Deutlichkeit und höchster Bedeutsamkeit, das Metaphysische, die symbolische Gehobenheit des Moments — alle meine Novellen haben den symbolischen Zug — : Diese wagnerischen und eminent nordischen Wirkungsmittel (man findet die meisten davon ja auch bei Ibsen) sind schon völlig Instinkt bei mir geworden.
Page 15 - Satz ist >wichtig< und welcher nicht? Weiß man es denn zuvor, ob ein Satz, ein Satzteil nicht vielleicht berufen ist, wiederzukehren, als Motiv, Klammer, Symbol, Zitat, Beziehung zu dienen? Und ein Satz, der zweimal gehört werden soll, muß danach sein. Er muß ich rede nicht von >Schönheit< - eine gewisse Höhe und symbolische Stimmung besitzen, die ihn würdig macht, in irgendeiner epischen Zukunft wiederzuerklingen.
Page 100 - Das Dämonische durch ein exemplarisch undämonisches Mittel gehen zu lassen, eine humanistisch fromme und schlichte, liebend verschreckte Seele mit seiner Darstellung zu beauftragen, war an sich eine komische Idee, entlastend gewissermaßen, denn es erlaubte mir, die Erregung durch alles Direkte, Persönliche, Bekenntnishafte, das der unheimlichen Konzeption zugrunde lag, ins Indirekte zu schieben und sie in der Verwirrung, dem Händezittern jener bangen Seele travestierend sich malen zu lassen.
Page 62 - Ein Schlag trifft Werk, Zeit und Schein. Die Kritik am extensiven Schema verschränkt sich mit der inhaltlichen an Phrase und Ideologie.

Bibliographic information