Erzählende Schriften, Volume 7

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Page 127 - Mein Herz, mein Herz ist traurig, Doch lustig leuchtet der Mai; Ich stehe, gelehnt an der Linde, Hoch auf der alten Bastei. Da drunten fließt der blaue Stadtgraben in stiller Ruh; Ein Knabe fährt im Kahne, Und angelt und pfeift dazu. Jenseits erheben sich freundlich, In winziger, bunter Gestalt, Lusthäuser, und Gärten, und Menschen, Und Ochsen, und Wiesen, und Wald. Die Mägde bleichen Wäsche, Und springen im Gras herum: Das Mühlrad stäubt Diamanten, Ich höre sein fernes Gesumm.
Page 182 - Zu ängstlich, möcht ich nicht undankbar scheinen. Und wie der Mensch nur sagen kann: Hie bin ich! Daß Freunde seiner schonend sich erfreuen, So kann ich auch nur sagen: Nimm es hin! (Er übergibt den Band) ALFONS: Du überraschest mich mit deiner Gabe Und machst mir diesen schönen Tag zum Fest. So halt ich's endlich denn in meinen Händen Und nenn es in gewissem Sinne mein!
Page 288 - ... die von mir konstruiert worden sind, und daß, wenn ich in die mächtige Halle einfahre, alles Eisen, das man sieht, von dem riesigen Dache bis zu den nicht minder stattlichen Fenstern, sowie den unterirdischen Gepäckaufzügen einmal, sozusagen, durch meinen Kopf gegangen ist, und daß in dem ganzen Gewirr von Stangen, Platten und Sprossen und dergleichen kein Teilchen ist, dem nicht einst von mir der Platz angewiesen worden wäre. So ist denn jede solche Fahrt für mich eine Erinnerung an meinen...
Page 177 - ... anhafteten. Er haßte die Sperlinge, war überhaupt kein Tierfreund. Höchst merkwürdig war das ökonomische System, nach dem er seine Einnahmen und Ausgaben regelte. Er hatte einen Kasten mit vielen Fächern, die alle mit Überschriften versehen waren, wie zum Beispiel Miete, Kleider, Stiefel, Zigarren, - kurz alle möglichen Lebensbedürfnisse hatten jedes sein besonderes Fach. Im Laufe der Jahre hatte er sich nun vortreffliche Verhältniszahlen ausgebildet, in denen alle diese Bedürfnisse...
Page 180 - Später, als ich im Jahre 1872 auf das Neubau-Bureau der Berlin-Anhalter Bahn übersiedelte, begünstigte mich das Glück noch mehr, und ich erhielt eine Aufgabe, die in dieser Ausdehnung auf dem ganzen Kontinente noch nicht vorgekommen war, nämlich die Konstruktion des eisernen Daches der mächtigen Ankunftshalle, das eine Spannweite von 02^2 Meter besitzt. Wem die Straße „Unter den Linden...
Page 16 - Kls ich nun mit meinen Eltern an einem Wassergraben entlang zu irgend einem Festplatze ging, kam ein echter Vertreter dieser Gattung, die Hände in den Hosentaschen und die Mütze im Nacken tragend, an uns vorüber. Da ich nahe an der Kante des Grabens ging, sagte er, im Vorbeigehen zu mir mit einem wohlwollen, das ich diesem gehärteten Geschlecht von jugendlichen Heroen niemals zugetraut hätte : „Du, fall man nich in 'n Graben.
Page 128 - Menschen Und Ochsen und Wiesen und Wald. Die Mägde bleichen Wäsche Und springen im Gras herum : Das Mühlrad stäubt Diamanten, Ich höre sein fernes Gesumm'. Am alten grauen Turme Ein Schilderhäuschen steht; Ein rotgeröckter Bursche Dort auf und nieder geht. Er spielt mit seiner Flinte, Die funkelt im Sonnenrot, Er präsentiert und schultert — Ich wollt', er schösse mich tot.
Page 146 - Herrn Kahler war mein Onkel bekannt und hatte mich dort untergebracht. Ich wohnte ganz in der Nähe, in einem kleinen Gasthofe, wo ich eine nicht heizbare, geweißte Kammer innehatte, die außer dem Bette nur die allernotwendigsten Möbel enthielt. Wollte ich mich an Winterabenden eines warmen Zimmers erfreuen...
Page 54 - Acht war, kam ich doch durch diese Klasse in der regelrechten Zeit und wurde, fünfzehn und dreiviertel Jahre alt, nach Tertia versetzt, wo dann das alte Elend wieder von vorne anfing. Es gab allerdings Fächer, in denen ich etwas leistete- wie Deutsch, Mathematik, Geographie und alles, was mit Naturwissenschaften in Zusammenhang stand, allein das hatte damals gar nichts zu bedeuten und kam gegen die alten sprachen überhaupt nicht in Vetracht. wer sein lateinisches Exerzitium ohne Fehler machte,...
Page 177 - Die Schuldscheine mußten bei neu fließenden Einnahmen wieder eingelöst werden. Er beklagte es oft, daß die Sitten der heutigen Zeit es dem Manne verbieten, farbige Stoffe zu tragen. Er selbst ließ es sich denn auch nicht nehmen, sein farbenfreudiges Auge wenigstens an bunten Westen von Seide, Sammet oder anderen Stoffen zu ergötzen und besaß davon eine große Sammlung. Hatte einer seiner jüngeren Freunde sich...

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