F.M. Klingers "Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt" und die Philosophie der (Spät-)Aufklärung

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GRIN Verlag, 2007 - 56 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,3, Universitat Passau, 6 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Fausts Leben, Taten und Hollenfahrt" (1791) ist der erste Text aus dem Zyklus Friedrich Maximilian Klingers philosophischer Romane, deren zehn ursprunglich geplant waren. Tatsachlich erschienen nur neun Texte, davon einer, Das zu fruhe Erwachen des Genius der Menschheit" (1803), als Fragment. Diese Romane sind nicht nur als primar literarische Texte interessant, sondern auch als philosophische, die sich mit zentralen Themen der Aufklarung befassen. Hierbei tauchen immer wieder die gleichen thematischen Komplexe rekurrent uber die Texte hinweg auf, so dass aus dem Gesamt der Romane Klingers philosophische Standpunkte deduziert werden konnen. Diese Arbeit konzentriert sich auf den Faustroman und versucht dessen philosophische Themen und die diesbezuglichen Stellungnahmen des Textes herauszuarbeiten, wobei der Faust dort, wo es notig ist, im Gesamtkontext des Zyklus verortet wird.
 

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Contents

Vorbemerkung
2
Erkennbares vs nicht Erkennbares
3
Die drei Phasen des Erkenntnisprozesses und das Problem der Theodizee
5
Fausts moralisches Verhalten
13
Naturzustand und Natur des Menschen
18
Herz und Vernunft
19
Zusammenfassung
21
Copyright

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Common terms and phrases

Popular passages

Page 6 - Teufel: Ich will dir anschaulich machen, wovon deine Philosophen schwatzen, und die Wolken vor deinen Augen wegblasen, die Stolz, Eitelkeit und Selbstliebe zusammengetrieben und so schön gefärbt haben. Faust: Wie das? Teufel: Ich will dich auf die Bühne der Welt führen und dir die Menschen nackend zeigen. Laß uns reisen, zu Wasser, zu Land, zu Fuß, zu Pferde, auf dem schnellen Winde, und das Menschengeschlecht mustern. Vielleicht, daß wir die Prinzessin entzaubern, um welche schon so viele...
Page 3 - LANGE hatte sich Faust mit den Seifenblasen der Metaphysik, den Irrwischen der Moral und den Schatten der Theologie herumgeschlagen, ohne eine feste, haltbare Gestalt für seinen Sinn herauszukämpfen. Ergrimmt warf er sich in die dunklen Gefilde der Magie und hoffte nun der Natur gewaltsam abzuzwingen, was sie uns so eigensinnig verbirgt.
Page 7 - Fuß, zu Pferde, auf dem schnellen Winde, und das Menschengeschlecht mustern. Vielleicht daß wir die Prinzessin entzaubern, um welche schon so viele tausend Abenteurer die Hälse gebrochen haben. FAUST. Topp! Ziehen wir durch die Welt; ich muß mich durch Genuß und Veränderung betäuben, und lange hab' ich mir einen weitern Kreis zum Bemerken gewünscht als mein eignes tolles Herz.
Page 4 - Menschen untertänig zu machen. Bis jetzt konnte er sich noch nicht, aus Vorliebe zu seiner unsterblichen Seele, für die jeder Christ wacht, ohne sie weiter zu kennen, zu diesem gefährlichen Schritt entschließen.
Page 5 - Reden sollst du, und die dunkle Decke wegreißen, die mir die Geisterwelt verbirgt. (...) Ich will des Menschen Bestimmung erfahren, die Ursach des moralischen Übels in der Welt. Ich will wissen, warum der Gerechte leidet, und der Lasterhafte glücklich ist. Ich will wissen, warum wir einen augenblicklichen Genuß durch Jahre voll Schmerz und Leiden erkaufen müssen. Du sollst mir den Grund der Dinge, die geheime Springfeder der Erscheinungen der physischen und moralischen Welt eröffnen.
Page 5 - Ich will des Menschen Bestimmung erfahren, die Ursach des moralischen Übels in der Welt. Ich will wissen, warum der Gerechte leidet und der Lasterhafte glücklich ist. Ich will wissen, warum wir einen augenblicklichen Genuß durch Jahre voll Schmerzen und Leiden erkaufen müssen. Du sollst mir den Grund der Dinge, die geheime Springfeder der Erscheinungen der physischen und moralischen Welt eröffnen.
Page 9 - Warum gab man mir, der zum Leiden geboren ist, den Drang nach Glück? Warum dem zur Finsternis Geborenen den Wunsch nach Licht? Warum dem Sklaven den Durst nach Freiheit?
Page 6 - TEUFEL. Ich will dir zeigen, was daran ist. FAUST. Ich denke wohl, daß du es kannst. Kann es doch jeder von uns, der seine Schlechtigkeit zum allgemeinen Maßstab der Menschen macht und Tugenden verdächtig macht, die er nie in seiner Brust gefühlt hat. Wir haben Philosophen gehabt, die hierinnen...

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