F. M. Klingers sämmtliche werke ...

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J. G. Cotta, 1842
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Page 347 - Die wahre Poesie kündet sich dadurch an, daß sie, als ein weltliches Evangelium, durch innere Heiterkeit, durch äußeres Behagen, uns von den irdischen Lasten zu befreien weiß, die auf uns drücken. Wie ein Luftballon hebt sie uns mit dem Ballast, der uns anhängt, in höhere Regionen, und läßt die verwirrten Irrgänge der Erde in Vogelperspektive vor uns entwickelt daliegen.
Page 144 - Alter entgegen trat; viele Geschäfte sind mir aufgetragen worden, die mich mit allen Ständen in Verkehr setzten - aber nach ihrer täglichen Beendigung verbrachte ich die mir gewonnene Zeit in der tiefsten Einsamkeit, der möglichsten Beschränktheit.
Page 360 - Niemand hat das materielle Kostüm mehr verachtet als er; er kennt recht gut das innere Menschenkostüm, und hier gleichen sich alle. Man sagt, er habe die Römer vortrefflich dargestellt; ich finde es nicht; es sind lauter eingefleischte Engländer, aber freilich Menschen sind es, Menschen von Grund aus, und denen paßt wohl auch die römische Toga.
Page 342 - Ich wagte in den folgenden Bänden, was so viel mir bekannt ist, kein Schriftsteller vor mir gewagt hat, ich faßte den wenigstens kühnen Entschluß auf einmal den Plan zu zehen ganz verschiednen Werken zu entwerfen, und zwar so, daß jedes derselben ein für sich bestehendes Ganze ausmachte, und sich am Ende doch alle zu einem Hauptzweck vereinigten.
Page 348 - Ich kann heute so gut darüber lachen als einer; aber so viel ist wahr, daß jeder junge Mann die Welt, mehr oder weniger, als Dichter und Träumer ansieht Man sieht alles höher, edler, vollkommner; freilich verwirrter, wilder und übertriebener.
Page 266 - Klinger kann nicht mit mir wandeln, er drückt mich, ich hab's ihm gesagt, darüber er außer sich war und's nicht verstund und ich's nicht erklären konnte, noch mochte.
Page 3 - Der Optimism und Pessimism sind Zwillingsbrüder. Ob der letzte ehebrecherisch durch Superfötation hinzugepfuscht sei, ist jetzt, da man die Mutter vor kein geistliches Gericht ziehen kann und der Vater immer schweigen wird, schwer auszumachen. Mir scheinen sie beide ehrlicher Geburt, keiner älter als der andre...
Page 229 - Zeit nur verbannt zu haben scheint. Der Kampf für Licht und Recht fordert von ihren Verteidigern beständige Wachsamkeit, und das eben darum, weil der Feind im Finstern schleicht. Stehen nicht mitten unter uns, in unsern sogenannten Philosophen und poetischen Poeten, die Jakob Böhme, Lavater, Gaßner, Swedenborg usw. noch toller auf, als sie in der Wirklichkeit gelebt haben?
Page 301 - Ich habe, was und wie ich bin, aus mir selbst gemacht, meinen Charakter und mein Inneres nach Kräften und Anlagen entwickelt, und da ich dieses so ernstlich als ehrlich that, so kam Das, was man Glück und Aufkommen in der Welt nennt, von selbst. Mich selbst hab' ich schärfer und schonungsloser beobachtet und behandelt, als Andere.
Page 143 - Lage die höhern und die höchsten Stände, ihre Täuschungen, ihre Schuld und ihre Unschuld kennen. Ich habe nie eine Rolle gespielt, nie die Neigung dazu in mir empfunden und immer den erworbenen und festgehaltenen Charakter ohne Furcht dargestellt und so, daß ich die Möglichkeit gar nicht mehr fürchte, anders sein oder handeln zu können.

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