Ferdinand von Saar: Schloß Kostenitz

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GRIN Verlag, 2007 - 60 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: Sehr gut, Universitat Salzburg (Germanistik), Veranstaltung: Novelle und Novellentheorie I: 19. Jahrhundert, 24 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: "Schloss Kostenitz" wird als Ferdinand von Saars vielleicht bedeutendste Novelle gehandet. An diesem Meisterstuck des burgerlichen Realismus lassen sich samtliche Merkmale der Novelle nachweisen, wie sie in Werken zur Novellentheorie auflistet sind. Die Analyse der Novelle erfolgt hinsichtlich der Parameter Dingssymbol, unerhorte Begebenheit, Wendepunkt etc. Weitere Kapitel: Saar als literarischer Historiograph, als Stilist, Psyche und Krankheit, ideale Landschaften, Kunst als Sublimation etc., Abstract: Schloss Kostenitz" wird als Ferdinand von Saars vielleicht bedeutendste Novelle gehandelt. An diesem Meisterstuck des burgerlichen Realismus lassen sich samtliche Merkmale der Novelle nachweisen, wie sie in Werken zur Novellentheorie erfasst sind. Die Analyse der Novelle erfolgt hinsichtlich verschiedener relevanter Parameter wie Dingssymbol, unerhorte Begebenheit, Wendepunkt usw. Weitere Kapitel befassen sich mit Saar als literarischem Historiographen und Stilisten, mit Psyche und Krankheit, idealen Landschaften und mit Kunst als Sublimation.
 

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Page 8 - Trachten einzig der Schönheit, das will sagen der Einfachheit, Größe und neuen Strenge, der zweiten Unbefangenheit und der Form. Aber Form und Unbefangenheit, Phaidros, führen zum Rausch und zur Begierde, führen den Edlen vielleicht zu grauenhaftem Gefühlsfrevel, den seine eigene schöne Strenge als infam verwirft, führen zum Abgrund, zum Abgrund auch sie. Uns Dichter, sage ich, führen sie dahin, denn wir vermögen nicht, uns aufzuschwingen, wir vermögen nur auszuschweifen. Und nun gehe...
Page 7 - Der Dichter ist angewiesen auf Darstellung. Das Höchste derselben ist, wenn sie mit der Wirklichkeit wetteifert, das heißt, wenn ihre Schilderungen durch den Geist dergestalt lebendig sind, daß sie als gegenwärtig für jedermann gelten können. Auf ihrem höchsten Gipfel scheint die Poesie ganz äußerlich; je mehr sie sich ins Innere zurückzieht, ist sie auf dem Wege, zu sinken.
Page 6 - Aber die Form ist ja das Gedicht. Die Inhalte eines Gedichtes, sagen wir Trauer, panisches Gefühl, finale Strömungen, die hat ja jeder, das ist der menschliche Bestand, sein Besitz in mehr oder weniger vielfältigem und sublimem Ausmaß, aber Lyrik wird daraus nur, wenn es in eine Form gerät, die diesen Inhalt autochthon macht, ihn trägt, aus ihm mit Worten Faszination macht.
Page 8 - Siehst du nun wohl, daß wir Dichter nicht weise noch würdig sein können? Daß wir notwendig in die Irre gehen, notwendig liederlich und Abenteurer des Gefühles bleiben? Die Meisterhaltung unseres Stiles ist Lüge und Narrentum, unser Ruhm und Ehrenstand eine Posse, das Vertrauen der Menge zu uns höchst lächerlich, Volks- und Jugenderziehung durch die Kunst ein gewagtes, zu verbietendes Unternehmen.
Page 7 - Wir plärren für das Gefühl gegen den Intellekt und vergessen, daß Gefühl ohne diesen — abgesehen von Ausnahmefällen - eine Sache so dick wie ein Mops ist. Wir haben damit unsre Dichtkunst schon so weit ruiniert, daß man nach je zwei hintereinander gelesenen deutschen Romanen ein Integral auflösen muß, um abzumagern.
Page 8 - Die Meisterhaltung unseres Stiles ist Lüge und Narrentum, unser Ruhm und Ehrenstand eine Posse, das Vertrauen der Menge zu uns höchst lächerlich, Volks- und Jugenderziehung durch die Kunst ein gewagtes, zu verbietendes Unternehmen. Denn wie sollte wohl der zum Erzieher taugen, dem eine unverbesserliche und natürliche Richtung zum Abgrunde eingeboren ist? Wir möchten ihn wohl verleugnen und Würde gewinnen, aber wie wir uns wenden mögen, er zieht uns an.
Page 2 - Blutwenige nicht heraus. Nur auf dem Boden ganz harter Arbeit bereitet sich normalerweise der Einfall vor. Gewiß: nicht immer. Der Einfall eines Dilettanten kann wissenschaftlich genau die gleiche oder größere Tragweite haben wie der des Fachmanns. Viele unserer allerbesten Problemstellungen und Erkenntnisse verdanken wir gerade Dilettanten. Der Dilettant unterscheidet sich vom Fachmann - wie Helmholtz...
Page 3 - Die Kunst ist in ihrer Ausführung und Richtung von der Zeit abhängig, in der sie lebt, und die Künstler sind Kreaturen ihrer Epoche. Die höchste Kunst wird diejenige sein, die in ihren Bewußtseinsinhalten die tausendfachen Probleme der Zeit...
Page 1 - Das Kunstwerk wird aufgenommen in wenigen Stunden und erzeugt in vielen Wochen. Schon dies schließt ein adäquates Erfassen aus. Das Kunstwerk ist nicht wie eine geschwungene Linie, sondern wie eine mit immer erneutem Ansetzen gezogene.
Page 11 - Nun aber, wo das, was ich, ohne es mir selbst einzugestehen, schon halb erraten hatte, plötzlich greifbar enthüllt vor mir lag, da war es mir, als hätt' ich in einen Abgrund geblickt. Die Begriffe von Gatten= und Mutterliebe, von Recht und Pflicht, von Treue und Gewissen — alle diese Stützen, die bisher das Dasein so wohlgefügt und harmonisch vor meinen unbefangenen Blicken aufrecht erhalten hatten, brachen mit einem Male zusammen, und nur ein ekler Sumpf, ein grauenvolles Chaos blieb zurück.

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