Göttingische gelehrte Anzeigen, Volume 1

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Weidmannsche Buchhandlung, 1862 - Books
 

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Page 186 - Form des Allgemeinen. In Italien zuerst verweht dieser Schleier in die Lüfte; es erwacht eine objektive Betrachtung und Behandlung des Staates und der sämtlichen Dinge dieser Welt überhaupt; daneben aber erhebt sich mit voller Macht das Subjektive; der Mensch wird geistiges Individuum und erkennt sich als solches.
Page 186 - Im Mittelalter lagen die beiden Seiten des Bewußtseins — nach der Welt hin und nach dem Innern des Menschen selbst — wie unter einem gemeinsamen Schleier träumend oder halbwach. Der Schleier war gewoben aus Glauben, Kindesbefangenheit und Wahn; durch ihn hindurchgesehen erschienen Welt und Geschichte wundersam gefärbt, der Mensch aber erkannte sich nur als Rasse, Volk, Partei, Korporation, Familie oder sonst in irgend einer Form des Allgemeinen.
Page 58 - Sprichwort geherrscht, der Bauer müsse sein Bett nicht vor Abend zurecht machen, weil er am Tage nicht wissen könne, ob er noch die nächste Nacht in demselben schlafen werde. Die Nachtheile in wirthschaftlicher und sittlicher Beziehung werden S. 24 ff. hier auch besonders hervorgehoben. Daran reiht sich dann die Geschichte der Aufhebung, die im Ganzen ein erfreuliches Bild darbietet: zuerst die Versuche einzelner aufgeklärter, einsichtiger Männer, wie des Grafen Christoph Rantzau noch im...
Page 593 - Friedrich Wolfgang Götz Graf von Berlichingen-Rossach: Geschichte des Ritters Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand und seiner Familie.
Page 145 - So sind aber die menschlichen Dinge beschaffen: das Beste was uns gelingt, vollziehn wir ohne Wissen und Willen, und erst die kommenden Geschlechter begreifen, welchem Zwecke höherer Leitung wir gedient haben"; ein Wort, das mir ganz verschieden erscheint von jener Beurtheilung der Dinge nach dem Erfolg.
Page 143 - ... mittelalterliche Kaiserpolitik gegen Sybels kleindeutsche Kritik verteidigte. Die romanische Auffassung des Staates, lehrte er, gehe überall vom Rechte des Ganzen aus, suche alles möglichst einförmig zu gestalten, um alles von einem Mittelpunkte aus leiten zu können. Der germanische Staatsgedanke dagegen erstrebe vor allem möglichste Selbständigkeit in engen, festgeschlossenen Kreisen; von diesen aufsteigend solle sich das Staatsganze gestalten.
Page 182 - In ihnen erscheint der moderne europäische Staatsgeist zum erstenmal frei seinen eigenen Antrieben hingegeben; sie zeigen oft genug die fessellose Selbstsucht in ihren furchtbarsten Zügen, jedes Recht verhöhnend, jede gesunde Bildung im Keim erstickend; aber wo diese Richtung überwunden oder irgendwie aufgewogen wird, da tritt ein neues Lebendiges in die Geschichte: der Staat als berechnete, bewußte Schöpfung, als Kunstwerk.
Page 183 - Städte hatten bereits Charakterzüge entwickelt, welche dies unmöglich machten: sie erlaubten sich als Handelskonkurrenten die äußersten Mittel gegeneinander und drückten schwächere Nachbarstädte in rechtlose Abhängigkeit nieder; dh sie glaubten am Ende doch einzeln durchzukommen und des Ganzen nicht zu bedürfen, und bereiteten den Boden vor für jede andere Gewaltherrschaft.
Page 184 - Seine Gefahr liegt nie in falscher Genialität, auch nicht im falschen Ausspinnen von Begriffen, sondern in einer starken Phantasie, die er offenbar mit Mühe bändigt.
Page 141 - Bedeutung, auch in politischer Beziehung, hat, die kurzweg zu verdammen am wenigsten dem Geschichtsforscher ziemt, die er vielmehr in ihrem Wesen zu erfassen und zu erklären, aber freilich nicht als etwas für alle Zeiten Passendes zu proclamiren hat. Der Standpunkt, von dem Sybel aus das...

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