Geld und Literatur in Beziehungen in Gottfried Kellers 'Die mißbrauchten Liebesbriefe'

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GRIN Verlag, 2007 - 28 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2+, Freie Universitat Berlin, 8 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Novellen aus "Die Leute von Seldwyla" handeln von Sonderlingen und Menschen mit charakterlichen Schwachen, die durch ihr Verhalten auffallig geworden sind. Die "Charakter-Erzahlungen," wie Keller sie nennt, sind in einem humorvollen und ironischen Ton geschrieben. Wie es in den Nachbemerkungen von Kellers "Kleider machen Leute" heisst, liegt die innere Einheit darin, dass alle Novellen um seltsame Begebenheiten und merkwurdige Kauze kreisen, wie sie in der sehr lustig, aber wenig ernsthaft lebenden Gesellschaft Seldwylas nicht fehlen konnen. Kleider machen Leute, S.64] Sie sind soweit dem, Burgerlichen Realismus" zuzuordnen, als in ihnen, im Gegensatz etwa zu Shakespeares Dramen, nicht das Schicksal gesellschaftlich hochrangiger Personen im Mittelpunkt steht, sondern von Menschen aus dem burgerlichen Milieu erzahlt wird. Kellers Figuren entstammen dem landlichen Burgertum, es sind einfache, durchschnittliche Menschen aus dem Volk, Menschen, die keine Machtposition innehaben. Behandelt werden in erster Linie allgemein menschliche Probleme. In Kellers "Die Leute von Seldwyla" gibt es eine vermittelnde Instanz, denn die Welt wird in diesen Novellen nicht aus der Perspektive der Figuren beschrieben, sondern von einem allwissenden Erzahler, der das Geschilderte bewertet und kommentiert. In dieser Hausarbeit beschaftigt sich die Autorin mit den zwischenmenschlichen Beziehungen in Kellers Novelle, wie die Protagonisten zu Geld und zur Literatur stehen, sich dies auf die Beziehungen zu ihren Mitmenschen auswirkt und mit Kellers daraus erkennbaren Einstellungen gegenuber den Literaturstromungen seiner Zeit."
 

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Contents

Einleitung
3
Geld und Literatur in Liebesbeziehungen
12
Resümee
18
Copyright

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Common terms and phrases

Popular passages

Page 5 - Er hatte seine Lehrzeit und einige Jahre darüber nämlich in einer größeren Stadt bestanden und war dort Mitglied eines Vereines junger Comptoiristen gewesen, welcher sich wissenschaftliche und ästhetische Ausbildung zur Aufgabe gestellt hatte. Da die jungen Leute ganz sich selbst überlassen waren, so übernahmen sie sich und machten allerhand Dummheiten. Sie lasen die schwersten Bücher und führten eine verworrene Unterhaltung darüber; sie spielten auf ihrem Theater den Faust und den Wallenstein,...
Page 5 - Belesenheit nach Seldwyla zurück; vermöge dieser Neigung aber fühlte er sich zu gut, die Sitten und Gebräuche seiner Mitbürger zu teilen; vielmehr schaffte er sich Bücher an, abonnierte in allen Leihbibliotheken und Lesezirkeln der Hauptstadt, hielt sich die >Gartenlaube< und unterschrieb auf alles, was hi Lieferungen erschien, da hier ein fortlaufendes, schön verteiltes Studium geboten wurde.
Page 6 - ... Kalender geschickt oder einige spöttische Knittelverse verfaßt hatte, die einzige Literatur, so in Seldwyla betrieben wurde, da strebte er ein Mitglied für die Sturm- und Drangperiode zu erwerben. Allein sobald die wackeren Leute seine Absichten merkten und seine wunderlichen Aufforderungen verstanden, machten sie ihn zum Gegenstande ihres Gelächters und neuer Knittelverse, welche zu seinem Verdruß in den Wirtschaften verlesen wurden. Als er vollends an einem Bürgermahle den Stadtschreiber...
Page 6 - Walde" für eine Meinung hege, und jener erwiderte: „Kurt vom Walde? was ist das für ein Kalb?" da hatte er für einmal genug und spann sich wieder in seine Häuslichkeit ein.
Page 12 - Viggi mit seiner Frau hohe Briefkunst betreiben will, der andere aber glaubt, ihm selbst würden diese Liebesbriefe, die ihm die Nachbarin heimlich und verstohlen zusteckt, gelten...
Page 6 - Tieck geschaffen haben, sind die Schöpfungen der neuen Herren Schall und Rauch: Es steckt nicht die Wahrheit des Erlebten, auch kein Kunstverstand darin; alles ist leerer Anspruch. Keller parodiert den, in massenliterarischen Produkten verbreiteten romantischen Stil.
Page 10 - Viggi alles mit einem Brief zurück, was er an Unechtem, Gespreiztem Gritli mitgeteilt und zugemutet hat. Man könnte ebenso sagen, Viggis Briefe haben letzen Endes nichts anderes als die massive Gegenlüge gesucht,...
Page 3 - Fontane) mit seiner vom Gegenständlichen ausgehenden Ausdrucksvielfalt, seinen unmerklichen Übergängen von arabeskenreicher Verspieltheit zu hintergründiger oder aggressiver Satire, seiner Ironie und seinem 1 Kleider machen Leute, S.
Page 12 - Wilhelm unbekannterweise Briefe „.. .,während die von beiden Seiten gewünschte Partnerin Gritli kopierend und redigierend das Ganze arrangiert."43 Viggis Geldsucht und Eitelkeit sind die Antriebskräfte, die alles ins Rollen bringen.

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