Geschichte der Poesie und Beredsamkeit seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts: France

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J.F. Röwer, 1807 - Literature
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Page 70 - Künstlerstolz. Die eleganten Kritiker mochten ihm noch so oft zu verstehen geben, daß er sich doch nicht gemein machen, das sollte heißen, sich nicht auch im Burlesken hervorthun möchte, da er es im höheren Komischen (l,«ut comic^e) so weit g«, bracht habe; Moliere ging seinen Gang. Er sorgt« für die Unterhaltung des Volkes, wie des Hofes.
Page 71 - ... glänzenden Lustbarkeiten, in denen der Monarch sich gefiel, zu verschönern. Dafür hatte er dann die Ehre, öfter noch, als sonst wohl geschehen wäre, bei Hofe zu Tafel geladen zu werden. Er war Weltmann genug, sich mit dem gefälligsten Anstande in den Zwang der Hofetiquette zu fügen; aber 202 seine Kunst lag ihm viel zu sehr am Herzen, und seine ganze Denkart war zu liberal, als dass er sich der Direction seines Theaters hätte entziehen, oder gar selbst aufhören sollen, das Theater zu...
Page 70 - Hess sich keine Gattung des Komischen entreissen, in der es sich frei bewegen und das Ziel der Kunst erreichen konnte. Da er einmal im Dienste des Hofes stand, durfte er auch das Geschäft nicht ablehnen, durch Festivitäts- und Gelegenheitsstücke die glänzenden Lustbarkeiten, in denen der Monarch sich gefiel, zu verschönern. Dafür hatte er dann die Ehre, öfter noch, als sonst wohl geschehen wäre, bei...
Page 76 - ... das ästhetische hinüberzuziehn, dass selbst das Bild eines so verworfnen , durch die ruchloseste Undankbarkeit das moralische Mitgefühl empörenden Bösewichts, wie dieser Heuchler ist, in Situationen erscheint, die nicht komischer sein können. Mit bewundernswürdiger Feinheit ist die Komposition des Tartüff darauf berechnet, auch durch die Ausführung der übrigen Charaktere den Ton der guten Laune, ohne den es kein wahres Lustspiel giebt, so zu behaupten, dass selbst die ausdrücklich...
Page 79 - ... gönnte Moliere seiner guten Laune in den lustigen Unterhaltungsstücken, durch die er nur den nächsten Zweck des Lustspiels erreichen wollte, ohne es weder auf feine Charakterzeichnung, noch auf moralische Belehrung anzulegen. Nachgiebigkeit gegen den Geschmack des Hofes und der Stadt war es gewiss nicht, was ihn bewog, um der lustigen Unterhaltung willen sich der Gefahr auszusetzen, bei strengeren Richtern seinen Credit zu verlieren. Man bemerkt leicht, dass er sich in diesen jovialischen...
Page 74 - ... daß die Wahrheit dicht an der Karikatur hinstreift und auch wohl in sie übergeht; denn er wußte, daß die echte Karikatur, die in ihren Grundzügen der Natur treu bleibt, gleichsam ein umgekehrtes Ideal und die höchste Steigerung der komischen Kunst, also nicht mit der unechten Karikatur zu verwechseln ist, die das Natürliche verzerrt und das Komische in ästhetische Monstrosität verwandelt. Tiefes Studium der Natur und der Schauspielkunst sind in Moliere's Werken auf das glücklichste...
Page 72 - ... gebildet als Moliere. Ihm muss die Kritik aller Jahrhunderte das Verdienst zugestehn, nicht etwa, wie Corneille und Racine, eine in Frankreich schon hergebrachte und nur dem französischen Geschmack angemessne Gattung von Schauspielen vervollkommnet, sondern unter den verschiednen Gattungen seiner eignen Lustspiele diejenige, zu der das Meisterwerk der Tartüff gehört, und die von dem guten Geschmacke aller gebildeten Nationen genehmigt wird, zuerst in die Litteratur und auf das Theater eingeführt...
Page 73 - ... als Regeln, die sich auswendig lernen und missverstehn lassen. Moliere hatte nicht gleiche Anlage zu jeder Gattung von Lustspielen. Am wenigsten gelangen ihm die Intriguenstücke im spanischen Styl. Mehrere Male musste er sich übereilen, weil der Hof nicht warten wollte. Seine Festivitätsstücke gehörig auszuführen, gönnte man ihm am wenigsten Zeit. Aber auch in den unvollkommensten Werken dieses Dichters ist seine Anlage zum Klassischen sichtbar. Seine Phantasie und sein Witz mussten auch...
Page 75 - ... er fühlte sich durch die Nachahmung dieser Muster so wenig beschränkt, dass er sie in ihren eignen Formen zu übertreffen suchte, und zu gleicher Zeit durch Lustspiele in anderm Geist und Styl die Freiheit seines Geschmacks und die Gewandtheit seiner Talente geltend machte. Die Natur in komischer Wahrheit getreu darzustellen, blieb immer sein erstes Studium, auch wo er von andern Dichtern lernte; und nie hat ein Dichter glücklicher, als Moliere, dem wirklichen Leben die komischen Seiten abgesehn,...

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