Geschichte des geistigen Lebens in Deutschland: von Leibnitz bis auf Lessing's Tod, 1681-1781, Volume 1

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Page 643 - Man darf mich nur in einer Sache loben, wenn man haben will, daß ich sie mit mehrern Ernste treiben soll. Ich sann dahero Tag und Nacht, wie ich in einer Sache eine Stärke zeigen möchte, in der, wie ich glaubte, sich noch kein Deutscher allzusehr hervorgethan hatte.
Page 643 - Umgange, verhaßte Mienen, aus welchen jedermann seine Verachtung zu lesen glaubte, das waren die guten Eigenschaften, die mir bei meiner eignen Beurteilung übrigblieben. Ich empfand eine Scham, die ich niemals empfunden hatte. Und die Wirkung derselben war der feste Entschluß, mich hierinne zu bessern, es koste, was es wolle.
Page 639 - Nun mach bald, was du machen willst, knirsch mir die Zähne, schlage mich vor die Stirne, beiß mich in die Unterlippe! Indem tue ich das Letztere wirklich, und sogleich steht er vor mir, wie er leibte und lebte — mein Vater seliger. Das war seine Gewohnheit, wenn ihn etwas zu wurmen anfing; und so oft ich mir ihn einmal recht lebhaft vorstellen will, darf ich mich nur auf die nämliche Art in die Unterlippe beißen.
Page 107 - Gründen gefallen lassen, ja gar sie lieber noch mit neuen bestärkt hätte, weil er erkannte, daß sie mit einer großen Wahrheit seiner esoterischen Philosophie mehr übereinstimme als die gegenseitige Lehre.
Page 107 - Leibniz nahm, bei seiner Untersuchung der Wahrheit, nie Rücksicht auf angenommene Meinungen; aber in der festen Überzeugung, daß keine Meinung angenommen sein könne, die nicht von einer gewissen Seite, in einem gewissen Verstande wahr sei, hatte er wohl oft die Gefälligkeit, diese Meinung so lange zu wenden und zu drehen, bis es ihm gelang, diese gewisse Seite sichtbar, diesen gewissen Verstand begreiflich zu machen. Er schlug aus Kiesel Feuer; aber er verbarg sein Feuer nicht in Kiesel.
Page 651 - Da ist das geistliche Muckerpack daran schuld. Sie sollen spielen, und Herr Franke, oder wie der Schurke heißt, soll dabei sein, um den Stndenten wegen seiner närrischen Vorstellung eine össentliche Reparation zu thun, und mir soll das Attest vom Commandanten geschickt werden, daß er da gewesen ist.
Page 626 - Adel nichts mit dem geringem, der geringere nichts mit dem neuern , dieser nichts mit den Bürgern , die Bürger mit den Bauern nichts gemeinschaftliches haben, wo einer den andern ausschließet, vermeidet, wo jeder einen Stand für sich ausmacht, und in seinem Kreise bleibt.
Page 446 - Zweifelmut mehrt dein innerliches Kränken? Wirst du durch dies Ganze wandern? Bist du etwas oder nichts? Oder ein getrennter Funke von dem Wesen jenes Lichts? Laß den Kummer, er betört . Geh am sichersten und glaube Deines Wesens Ewigkeit. Mach...
Page 438 - Jetzt seh ich die Triebe Der törichten Liebe Vernünftiger an; Ich breche die Fessel, ich löse mein Herz Und hasse mit Vorsatz den zärtlichen Schmerz. Was quält mich vor Reu? Was stört mir vor Kummer Den nächtlichen Schlummer? Die Zeit ist vorbei. O köstliches Kleinod, o teurer Verlust! O hätt ich die Falschheit nur eher gewußt!
Page 180 - Augen ein wenig zuschlössen, erwachte ich bald wieder, und fing aufs neue an, den lebendigen Gott, der sich meiner Seele zu erkennen gegeben, zu loben und zu preisen. Denn es war mir, als hätte ich in meinem ganzen Leben gleichsam in einem tiefen Schlaf gelegen, und als wenn ich alles nur im Traum getan hätte, und wäre nun erstlich davon aufgewacht.

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