Grillparzer-Studien

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C. Graeser, 1891 - 106 pages
 

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Page 103 - Sammlung? Mein Kind, sprach das der Zufall bloß? Wie, oder fühltest du des Wortes Inhalt, Das du gesprochen, Wonne meinem Ohr? Du hast genannt den mächtgen Weltenhebel, Der alles Große tausendfach erhöht Und selbst das Kleine näher rückt den Sternen.
Page 26 - Und leben ist ja doch des Lebens höchstes Ziel! Umsonst nicht hat zum Schmuck der Musen Chor Den unfruchtbaren Lorbeer sich erwählt, Kalt, frucht- und duftlos drücket er das Haupt, Dem er Ersatz versprach für manches Opfer.
Page 86 - Der Dichter wählt historische Stoffe, weil er darin den Keim zu seinen eigenen Entwicklungen findet, vor allem aber, um seinen Ereignissen und Personen eine Konsistenz, einen Schwerpunkt der Realität zu geben, damit auch der Anteil aus dem Reich des Traumes in das der Wirklichkeit übergehe.
Page 103 - Wünsche weichen scheu zurück: Und wie der Mann, der abends blickt gen Himmel, Im Zwielicht noch, und nichts ersieht als Grau, Farbloses Grau, nicht Nacht und nicht erleuchtet, Doch schauend unverwandt, blinkt dort ein Stern, Und dort ein zweiter, dritter, hundert, tausend, Die Ahnung einer reichen, gotterhellten Nacht, Ihm nieder in die feuchten, selgen Augen. Gestalten bilden sich und Nebel schwinden, Der Hintergrund der Wesen tut sich auf, Und Götterstimmen, halb aus eigner Brust, Und halb aus...
Page 52 - Da fand ich sie, die nimmer mir entschwinden, Sich mir ersetzen wird im Leben nie, Ich glaubte meine Seligkeit zu finden, Und mein geheimstes Wesen rief: nur sie ! Gefühl, das sich in Herzenswärme sonnte, Verstand, wenngleich von Güte überragt; Ans Märchen grenzt, was sie für andre konnte, An Heilgenschein, was sie sich selbst versagt.
Page 66 - Es ist etwas vom Tasso in mir, nicht vom Goetheschen, sondern vom wirklichen. Man hätte mich hätscheln müssen, als Dichter nämlich. Als Mensch weiß ich mit jeder Lage fertig zu werden, und man wird mich nie mir selber untreu finden. Aber der Dichter in mir braucht ein warmes Element, sonst zieht sich das Innere zusammen und versagt den Dienst. Ich habe wohl versucht, das zu überwinden, aber mir dabei nur Schaden getan, ohne das Pflanzenartige meiner Natur umändern zu können.
Page 93 - Was mein - weniger absichtliches als durch meine Natur gebotenes - Streben war, und, wie es scheint, mir nicht gelungen ist, war die Poesie dem ursprünglichen, durchaus bildlichen, die Berechtigung in der Empfindung und nicht im Gedanken suchenden der alten Dichter näher zu bringen...
Page 67 - Da entstand nun ein sonderbarer Aufruhr in mir. Fieberhitzen überfielen mich. Ich wälzte mich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere. Kaum eingeschlafen, fuhr ich wieder empor. Und bei alledem war kein Gedanke an die Ahnfrau, oder daß ich mich irgend meines Stoffes erinnert hätte.
Page 68 - Morgens stand ich mit dem Gefühle einer herannahenden, schweren Krankheit auf, frühstückte mit meiner Mutter und ging wieder in mein Zimmer. Da fällt mir jenes Blatt Papier mit den gestern hingeschriebenen, seitdem aber rein vergessenen Versen in die Augen. Ich setze mich hin und schreibe weiter und weiter, die Gedanken und Verse kommen von selbst, ich hätte kaum schneller abschreiben können.
Page 92 - Was nun mein Vorsatz ist: Der Verstandes- und Meinungspoesie unserer Zeit nicht nachzugeben. Das Bild, die Gestalt, Gefühl und Phantasie festzuhalten; und der Unmittelbarkeit der Anschauung zu gehorchen, die splitterrichtende Kritik mag dazu sagen, was sie will".

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