Grillparzers Frauengestalten

Front Cover
J. G. Cott'asche, 1908 - Women in literature - 308 pages
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Other editions - View all

Common terms and phrases

Popular passages

Page 287 - Von dem Wortwechsel weinerhitzter Karrenschieber spinnt sich ein unsichtbarer, aber ununterbrochener Faden bis zum Zwist der Göttersöhne, und in der jungen Magd, die, halb wider Willen, dem drängenden Liebhaber seitab vom Gewühl der Tanzenden folgt, liegen als Embryo die Julien, die Didos und die Medeen.
Page 277 - Das Traurigste in den Ereignissen der letzten Zeit besteht nicht in dem Unglück, das sie über die Gegenwart gebracht haben, sondern darin, daß der Glaube an die Perfektibilität der Menschheit, an die sogenannte Erziehung des Menschengeschlechtes darin höchst wankend geworden ist.
Page 288 - Antrag gemacht, fuhr sie fort, indem sie einen Brief aus ihrer Schürze zog und halb widerwillig auf den Ladentisch warf ; aber da müßte ich fort von hier.
Page 56 - Ich liebte dich, so wie man Götter wohl, Wie man das Gute liebet und das Schöne. Mit Höhern, Sappho, halte du Gemeinschaft, Man steigt nicht ungestraft vom Göttermahle Herunter in den Kreis der Sterblichen.
Page 288 - Hand los und sagte in gefaßtem Tone: Was nützt das alles? Es ist nun einmal so. Sie haben es selbst gewollt, sich und uns haben Sie unglücklich gemacht; aber freilich sich selbst am meisten. Eigentlich verdienen Sie kein Mitleid — hier wurde sie immer heftiger — wenn man so schwach ist, seine eigenen Sachen nicht in Ordnung halten zu können, so leichtgläubig, daß man Jedem traut, gleichviel ob es ein Spitzbube ist oder ein ehrlicher Mann.
Page 9 - Weil er von der Welt sich abschloß, nannten sie ihn feindselig, und weil er der Empfindung aus dem Wege ging, gefühllos. Ach, wer sich hart weiß, der flieht nicht! Die feinsten Spitzen sind es, die am leichtesten sich abstumpfen und biegen oder brechen. Das Übermaß der Empfindung weicht der Empfindung aus.
Page 119 - Doch sorgt ich still für ihn, und wie ich sorgte, Fand ein Gefühl sich mir im Innern ein, Das allen Schmerz der Liebe kennt, wenn auch Nichts von der Liebe Glück.
Page 155 - Ich bin wohl alt genug, und du bist jung, Ich lebensmüd und ernst, du heiter blühend. Was gibt ein Recht mir, also dich zu quälen?
Page 167 - Hast du denn gar keinen Sinn für ruhiges Glück? ELGA. Wenig. MARINA. Wer so lebt, lebt in beständiger großer Gefahr. ELGA Das ist es eben. Das macht mir das Leben erst lebenswert. Der Tod geht einem zur Seite, fast sichtbarlich, und jagt einen immer tiefer ins Leben: hie kalt, hie heiß, hie Grausen, hie Glück.
Page 58 - Darum sind ja von jeher Dichter gewesen und Helden, Sänger und Gotterleuchtete, daß an ihnen die armen zerrütteten Menschen sich aufrichten, ihres Ursprungs gedenken und ihres Zieles.

Bibliographic information