Hebammenberuf und Handwerk: Zwei Seiten einer Medaille?

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GRIN Verlag, Jul 4, 2011 - History - 22 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit, Note: 2,0, Universität Siegen (Philosophische Fakultät), Veranstaltung: Geschichte des Handwerks, Sprache: Deutsch, Abstract: Wenn man sich die Frage nach der Verortung der Hebammenarbeit als einer handwerklichen Tätigkeit stellt, würde man im Sinne Sennetts zu dem Schluss kommen, Hebammen als Handwerker zu bezeichnen. In diesem Beruf spielen Disziplin, Selbstreflexion, die Orientierung an standardisierten Heilverfahren, sowie das Streben nach Qualität im höchsten Maße eine zentrale Rolle. Zudem rief der Deutsche Hebammenverband (DHV) im Jahr 2010 unter dem Motto „Hebammen in Not – Rettet unser Handwerk“ zu bundesweiten Demonstrationen gegen die mittlerweile horrenden Haftpflichtversicherungsbeiträge für selbstständige Hebammen auf und bezeichnete in diesem Kontext den Beruf der Hebamme als Handwerk . Dennoch wurde das Hebammengewerbe nicht in die Handwerksrollen der jeweiligen Handwerkskammern aufgenommen, und gilt somit nach heutigem Verständnis nicht als Handwerk. Wie ist es zu erklären, dass ein Beruf der existenziell von seiner Handarbeit abhängt und der der obigen Handwerksdefinition zu entsprechen scheint, nicht als Handwerk deklariert wird? Für die Beantwortung dieser Frage lohnt sich der Blick in die Anfänge der Professionalisierung des Hebammenberufs ab dem 15. Jh. In diesem Zusammenhang wird nach der Mentalität der Menschen der Frühen Neuzeit, aber auch den berufsspezifischen, strukturellen Eigenarten von Hebammen und Handwerkern zu fragen sein. In diesem Zusammenhang wird ein definitorischer Zugang, nach dem Motto „Was ist Handwerk?“, „Was ist Hebammenarbeit?“ und „Wo liegen demnach die Unterschiede?“, angeboten. Es werden darauf aufbauend grundlegende strukturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser Berufsgruppen in den Blick genommen, jedoch sollen diese nicht als einzige Argumente für eine Trennung von Handwerk und Hebammerei angeführt werden. Vielmehr wird auf einen soziologisch-gesellschaftlichen Aspekt verwiesen werden. Was Hebammen die Etablierung eines eigenen beruflichen Zweiges erschwerte, lag u.a. an den geschaffenen Strukturen (z.B. Zunftzugehörigkeit), aber auch am vorherrschenden patriarchalischen System des 15./16. Jh. Eine These, die hier vertreten werden soll, lautet, dass eine Dominanz des männlichen Geschlechts in der Frühen Neuzeit dazu führte, Frauen eine berufliche Teilhabe zu erschweren. Im besonderen Fall galt dies für Hebammen, die sich in dieser Zeit zu professionalisieren begannen und ihr Wissen nicht mehr nur ihren Töchtern weitergaben, sondern sog. „Lehrtöchter“ ausbildeten . [...]
 

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Allerdings Amberg Anthropologe Matthias Burchardt Arbeit der Hebammen Ausbildung banausischen Barbiere und Hebammen beider Berufe Beruf der Hebamme Berufsgruppe bestimmten Bezeichnung der Hebamme christlich-religiöser Aspekt Darüberhinaus Desintegrationsmoment deutsche Stadt deutschen Mittelalters Deutsches Zunftwesen Dienstleistung oder Produktion Enzyklopädie des deutschen Erwerbsinteressen Frauen Frühen Neuzeit Geburt Gemeinsamkeiten und Unterschiede gesehen Gesellen gewaltsame Formung gewerblichen Zünften gewerbsmäßige Dienstleistung Goldschmiede Grund grundlegende strukturelle Handwerk und Hebammerei Handwerk zu gelten Hebammen als Handwerker Hebammen dienten Hebammenarbeit Hebammenberuf und Handwerk Hebammenordnungen Hebammentätigkeit Heilbronn Heilkundige als Randgruppen Heilsberufe Heusinger Hexenverfolgung jeweilige Stadtrat Jütte Kind konnten Kontrolle der Hebammen Lehrlinge pro Meister Lehrtöchter Lohn Loytved mancherorts männlichem Herstellen Marktzugang Materialbewusstsein Materialien Merkmale handwerklicher Tätigkeit Ordnungen Philosophie trifft Handwerk Präsentation Produkte Professionalisierung Regensburg Schulmedizin Sennett sollen spielen Disziplin Stadt im Spätmittelalter Stelle Straßburg Strukturelle Gemeinsamkeiten strukturelle Unterschiede Trennung zwischen männlichem Vorgeschichte einer maieutischen vorschriftsmäßig erlernten Handfertigkeit weiblichem Austragen Wundärzte z.B. in Freiburg Zunft im Mittelalter Zunftordnungen Zusammenhang sollte erwähnt

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