Heimat: schauspiel in vier akten

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Cotta, 1893 - 168 pages
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Page 164 - Verbittern, und wir sollen nicht einmal wagen dürfen, das, was wir noch haben an Jugend und überquellender Kraft, dem Manne hinzugeben, nach dem unser Wesen schreit. Knebelt uns meinetwegen, verdummt uns, sperrt uns in Harems und in Nonnenklöster - und das wäre vielleicht noch das Beste! - Aber wenn ihr uns die Freiheit gebt, so wundert euch nicht, wenn wir uns ihrer bedienen.
Page 100 - Ich muß mich ducken! Das bin ich nicht gewohnt. Denn in mir steckt ein Hang zum Morden — zum Niedersingen. — Ich singe so, oder ich lebe so, denn beides ist ein und dasselbe — daß jeder Mensch wollen muß wie ich. Ich zwing' ihn, ich kneble ihn, daß er liebt und leidet und jauchzt und schluchzt wie ich. Und wehe dem, der sich da wehren will! Niedersingen — in Grund und Boden singen, bis er ein Sklave, ein Spielzeug wird in meiner Hand.
Page 163 - Selbstachtung . . . Aber ich? ... Sieh mich doch an. Ich war eine freie Katze . . . Ich gehörte längst zu jener Kategorie von Geschöpfen, die sich schutzlos wie nur ein Mann und auf ihrer Hände Arbeit angewiesen in der Welt herumstoßen . . . Wenn ihr uns aber das Recht aufs Hungern gebt - und ich habe gehungert -, warum versagt ihr uns das Recht auf Liebe, wie wir sie haben können, und das Recht auf Glück, wie wir es verstehn?
Page 162 - Magda. Ihr werft mir vor, daß ich mich verschenkte nach meiner Art, ohne euch und die ganze Familie um Erlaubnis zu fragen. Und warum denn nicht? War ich nicht familienlos ? Hattest du mich nicht in die Fremde geschickt, mir mein Brot zu verdienen, und mich noch verstoßen hinterher, weil die Art, wie ich's verdiente, nicht nach deinem Geschmack« war? . . . Wen belog ich? An wem sündigte ich? ... Ja, war...
Page 43 - Wenn der herr pfarrer meinen! Also wie ich wieder raufkomme, hält mich der portier an und erzählt, dass gestern abend um die schummerstunde eine ekwipage vor der tür gehalten hat.
Page 164 - Oh, man weiß ja, was die Familie mit ihrer Moral von uns verlangt ... Im Stich gelassen hat sie uns, Schutz und Freuden gibt sie uns keine, und trotzdem sollen wir in unserer Einsamkeit nach den Gesetzen leben, die nur für sie Sinn haben . . . Wir sollen still in den Winkeln hocken und da hübsch sittsam warten, bis irgendein braver Freiersmann daherkommt . . . Ja, bis!
Page 163 - Ja, war' ich eine Haustochter geblieben wie Marie, die nichts ist und nichts kann ohne das Schutzdach irgend einer Heimat, die ans den Händen des Vaters schlankweg in die des Mannes übergeht — die von der Familie alles empfängt : Brot, Ideen, Charakter und was weiß ich? ... Ja, dann hättest du recht. In der verdirbt durch den kleinsten Fehltritt alles — Gewissen, Ehrgefühl, Selbstachtung . . . Aber ich?
Page 126 - Aber wenn ich dich ansehe in deiner ganzen feigen Herrlichkeit — unfähig auch nur die kleinste Konsequenz deiner Handlungen auf dich zu nehmen, und mich dagegen, die ich zum Pariaweib herabsank durch deine Liebe und ausgestossen wurde aus jeder ehrlichen Gemeinschaft.
Page 76 - ... Minute, daß ich hier bin: die väterliche Autorität streckt schon wieder ihr Fangnetz nach mir aus, — und das Joch steht schon bereit, durch das ich kriechen soll. . . . Ein Pendant zum verlorenen Sohne will ich nicht liefern! — Käm' ich als Tochter, als verlorene Tochter wieder, dann ständ' ich nicht so da mit erhobenem Haupte, dann müßte ich im Vollbewußtsein aller meiner Sünden hier im Staube vor euch rutschen. Und das will ich nicht . . . das kann ich nicht . . . Und darum hab'...
Page 164 - Seele und Leib. - Vor uns liegt nichts wie Verwelken und Verbittern, und wir sollen nicht einmal wagen dürfen, das, was wir noch haben an Jugend und überquellender Kraft, dem Manne hinzugeben, nach dem unser Wesen schreit. Knebelt uns meinetwegen, verdummt uns, sperrt uns in Harems und in Nonnenklöster - und das wäre vielleicht noch das Beste!

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