Heinrich Böll "Kreuz ohne Liebe". Romaneskes Schreiben zur Überwindung von Sprachlosigkeit

Front Cover
GRIN Verlag, 2007 - 112 pages
0 Reviews
Examensarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universitat Bonn (Germanistisches Institut), Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Erste Arbeit uber den ersten Roman Heinrich Bolls, der erst im Oktober 2002 in der Kolner Ausgabe der Werke Heinrich Bolls veroffentlicht wurde., Abstract: 1. Einleitung Es war so unglaublich schwer, kurz nach 1945 auch nur eine halbe Seite Prosa zu schreiben." Trotzdem schafft es Heinrich Boll 1946 einen ganzen Roman mit immerhin 200 Manuskriptseiten Text zu verfassen. Fiel es ihm also wirklich so schwer wie im Zitat oben behauptet? Oder zeigt sich in diesem Trotzergebnis" ein Bollscher Charakterzug? Mit der Heimkehr nach Koln waren zwar die Schrecken des Krieges uberstan-den, aber seine Folgen noch lange nicht. Heinrich Boll fand seine Heimatstadt vollig zerstort vor. Hunger und Existenzangste waren von nun an die standigen Begleiter fur ihn und seine Frau Annemarie. Der fruhe Tod seines ersten Sohnes Christoph, im Oktober 1945, war zudem ein weiterer schwerer Schlag fur das jun-ge Ehepaar. Als Hilfsarbeiter in der Schreinerei seines Bruders Alois verdient Boll den Unterhalt fur das Allernotigste. Die Zeitumstande liessen es vorerst also gar nicht zu, dass Boll viel Zeit zum Schreiben aufbringen konnte. Dennoch wollte er sich von diesem Vorhaben nicht abbringen lassen. In einem Brief vom 15. Oktober 1946 aussert Boll gegenuber Ernst-Adolf Kunz: Und meine eigentliche Arbeit, meine grosse Freude und meine grosse Not ist, dass ich abends schreibe; ja, ich habe das Wagnis begonnen und schrei
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Contents

Einleitung
3
Der erste Roman Heinrich Bölls
10
Die missbrauchte Sprache
18
Die bildhafte Sprache Bölls
32
Relikte der Sprachlosigkeit
44
Bölls Figuren
55
Die Religiosität im Roman
76
Der Krieg als wiederkehrendes Prinzip
87
Der Epilog
94
Copyright

Other editions - View all

Common terms and phrases

Popular passages

Page 6 - Es ist in dieser Stadt von Theodor W. Adorno ein großes Wort gesagt worden: man kann nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben. Ich moduliere das Wort: man kann nach Auschwitz nicht mehr atmen, essen, lieben, lesen...
Page 6 - Die Wirklichkeit ist wie ein Brief, der an uns gerichtet ist, den wir aber ungeöffnet liegen lassen, weil die Mühe, ihn zu öffnen, uns lästig ist...
Page 19 - Worte wirken, wir wissen es, haben es am eigenen Leibe erfahren. Worte können Krieg vorbereiten, ihn herbeiführen, nicht immer sind es Worte, die Frieden stiften...
Page 4 - Aber ich wiederhole: ein gutes Auge gehört zum Handwerkszeug des Schriftstellers, ein Auge, gut genug, ihn auch Dinge sehen zu lassen, die in seinem optischen Bereich noch nicht aufgetaucht sind.
Page 40 - Denn wer unter uns, wer denn, ach, wer weiß einen Reim auf das Röcheln einer zerschossenen Lunge, einen Reim auf einen Hinrichtungsschrei, wer kennt das Versmaß, das rhythmische, für eine Vergewaltigung, wer weiß ein Versmaß für das Gebell der Maschinengewehre...
Page 19 - Nein, die stärkste Wirkung wurde nicht durch Einzelreden ausgeübt, auch nicht durch Artikel oder Flugblätter, durch Plakate oder Fahnen, sie wurde durch nichts erzielt, was man mit bewußtem Denken oder bewußtem Fühlen in sich aufnehmen mußte. Sondern der Nazismus glitt in Fleisch und Blut der Menge über durch die Einzelworte, die Redewendungen, die Satzformen, die er ihr in millionenfachen Wiederholungen aufzwang und die mechanisch und unbewußt übernommen wurden.
Page 19 - Einzelreden ausgeübt, auch nicht durch Artikel oder Flugblätter, durch Plakate oder Fahnen, sie wurde durch nichts erzielt, was man mit bewußtem Denken oder bewußtem Fühlen in sich aufnehmen mußte. Sondern...
Page 3 - Es war so unglaublich schwer, kurz nach 1945 auch nur eine halbe Seite Prosa zu schreiben«, ist mehr als nur ein kokett-anekdotisches Spiel mit den eigenen Schreibanfängen.
Page 3 - Die Universität besuche ich alle halbe Jahre einmal - was soll mir das wesenlose Gerede da nützen; meinen Lebensunterhalt verdiene ich im Moment noch bei meinem Bruder als Hilfsarbeiter ... Und meine eigentliche Arbeit, meine große Freude und meine große Not ist, daß ich abends schreibe; ja, ich habe das Wagnis begonnen und schreibe ... Im nächsten Jahr hoffe ich Dir einige Ergebnisse vorlegen zu können.
Page 20 - Rückfall; denn da der Nationalsozialismus auf Fanatismus gegründet ist und mit allen Mitteln die Erziehung zum Fanatismus betreibt, so ist fanatisch während der gesamten Ära des Dritten Reiches ein superlativisch anerkennendes Beiwort gewesen. Es bedeutete die Übersteigerung der Begriffe tapfer, hingebungsvoll, beharrlich, genauer eine glorios verschmelzende Gesamtaussage all dieser Tugenden, und selbst der leiseste pejorative Nebensinn fiel im üblichen LTI-Gebrauch des Wortes fort.

Bibliographic information