Heinrich Mann, "Der Untertan": Satirische Macht und mächtige Satire - Betrachtungen des Verhältnisses Diederich Heßlings zu Guste Daimchen

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GRIN Verlag, 2007 - 76 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,0, Universitat Trier, Veranstaltung: Proseminar III: Heinrich Mann 'Der Untertan', 6 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Heinrich Manns Roman Der Untertan hat seit seiner Buchveroffentlichung 1918 an gesellschaftlicher Brisanz nicht verloren, was sich an der Fulle der Sekundarliteratur ablesen lasst. Vorliegende Abhandlung bespricht einen neuen Gesichtspunkt, den des von Macht und Manipulation gezeichneten Verhaltnisses zwischen Diederich Hessling und Guste Daimchen. Als wichtigstes Stilmittel fungiert die Satire, die in einer Ubertragung des Privaten auf das Offentliche auch zur Spiegelung der wilhelminischen Gesellschaft, die von einem Streben nach Macht und Geld geleitet wird und zugleich von Liebesunfahigkeit und Verlustangsten gepragt ist, dient. Die Analyse der satirischen Mittel stutzt sich hierbei auf einen mikrostrukturellen Ansatz und steht im Mittelpunkt der ersten Halfte des Textes. Im zweiten Teil werden die im Untertan herausgearbeiteten Zuge der Paarbeziehung untersucht und in Verbindung mit allgemeinen gesellschaftlichen Bedingungen des Kaiserreiches gebracht. So stehen die masochistischen Vorstellungen von Machterlangung und -ausubung in direktem Zusammenhang mit sozialen Strukturen ausserhalb der Institution Familie. In vorliegendem Text wird die didaktische Kraft der Satire herausgestellt, die dem Rezipienten zwar kein Losungsmodell vorgibt, ihm aber abverlangt, im Vergleich mit dem eigenen Ideal aus dem Negativen ein Gegenbeispiel zu entwerfen."
 

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Page 27 - Konto an und trug vorerst die Kosten der Ausstattung und der Hebamme ein. Seine Auffassung vom Eheleben war die strengste. Horst kam nicht ohne Mühe zur Welt. Als es vorüber war, erklärte Diederich seiner Gattin, daß er, vor die Wahl gestellt, sie glatt hätte sterben lassen. »So peinlich es mir gewesen wäre«, setzte er hinzu. »Aber die Rasse ist wichtiger, und für meine Söhne bin ich dem Kaiser verantwortlich.
Page 7 - König unterlagen alle derselben Verblüffung wie Diederich. Nicht umsonst gab es höhere Mächte ... Ja, die allerhöchste Macht verkörperte sich hier, zauberhaft blitzend. Ob Schwanen- oder Adlerhelm: Elsa wußte wohl, warum sie plumps vor ihm auf die Knie fiel. Diederich seinerseits blitzte Guste an, ihr verging das Lachen. Auch sie hatte erfahren, wie es war, wenn alle einen verklatschten, und den ersten war man los und konnte sich nirgends mehr sehen lassen und hätte überhaupt wegziehen müssen...
Page 12 - Als sie aber schon hinglitt und die Augen schloß, richtete Diederich sich nochmals auf. Eisern stand er vor ihr, ordenbehangen, eisern und blitzend. „Bevor wir zur Sache selbst schreiten", sagte er abgehackt, „gedenken wir Seiner Majestät unseres allergnädigsten Kaisers. Denn die Sache hat den höheren Zweck, daß wir Seiner Majestät Ehre machen und tüchtige Soldaten liefern.
Page 11 - Die Monarchie ist unter den politischen Regimen eben das, was in der Liebe die strengen und energischen Damen sind. Wer dementsprechend veranlagt ist, verlangt, daß etwas geschieht, und mit Milde ist ihm nicht gedient.
Page 7 - ... Verantwortlichkeit gegen sich selbst sowohl als gegen seine künftigen Kinder, wie gegen Kaiser und Vaterland übernimmt er den Schutz des wehrlosen Weibes und zieht es zu sich empor.« Gustes Miene war immer frommer geworden. Sie lehnte die Handflächen aneinander und sah ihn mit schiefem Kopf innig flehend an. Dies schien noch nicht zu genügen, er verlangte offenbar etwas ganz Besonderes: und so fiel Guste plumps auf die Knie. Da nahte Diederich ihr gnädig. »So soll es sein«, sagte er und...
Page 11 - Und Diederich tat, was sie heischte! In einer unerhörten und wahnwitzigen Umkehrung aller Gesetze durfte Guste ihm befehlen: »Du sollst meine herrliche Gestalt anbeten!« und dann, auf den Rücken gelagert, ließ er sich von ihr in den Bauch treten. Freilich unterbrach sie sich inmitten dieser Tätigkeit und fragte plötzlich ohne ihr grausames Pathos streng sachlich: »Haste genug?
Page 13 - ... Eisern stand er vor ihr, ordenbehangen, eisern und blitzend. „Bevor wir zur Sache selbst schreiten", sagte er abgehackt, „gedenken wir Seiner Majestät unseres allergnädigsten Kaisers. Denn die Sache hat den höheren Zweck, daß wir Seiner Majestät Ehre machen und tüchtige Soldaten liefern." „Oh!" machte Guste, von dem Gefunkel auf seiner Brust entrückt in höheren Glanz. „Bist — du — das — Diederich...
Page 25 - Wie siehst du aus!" rief sie [Guste] bei seinem Anblick. Denn er war rot wie eine Tomate . . . und sein Blick war hell und wild wie der eines germanischen Kriegers der Vorzeit . . ." (p. 383) Lohengrin, completed March 1848, and politics — two worlds or one? "Verse aus der...

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