"Ich bin ein Knabe: ich will kein Mädchen sein!" Ein Vergleich der Geschlechtlichkeit Mignons in Goethes "Wilhelm Meisters theatralische Sendung" und "Wilhelm Meisters Lehrjahre"

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GRIN Verlag, 2007 - 56 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Universitat Trier (Fachbereich II, Germanistik - NDL), Veranstaltung: Geschlechterphantasien vom spaten Mittelalter bis zur Gegenwart, 20 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Thematik des Geschlechts, seiner Bedeutung in der Gesellschaft sowie fur den Menschen selbst ist auch in der Literatur oft zu finden: Uber theoretische Texte, die das Geschlecht und seine Alternativen diskutieren bis hin zu Dramen und Romanen, die sich mit diesem Thema beschaftigen oder ihre Figuren als Trager dieser Problematik benutzen. Johann Wolfgang Goethe hat diesen Stoff innerhalb seiner Wilhelm Meister- Romane aufgegriffen. Seine Figur der Mignon ist ein Geschopf, das sich nicht auf Anhieb als Junge oder Madchen einordnen lasst. Er spielt bewusst mit der Geschlechtlichkeit Mignons, was verschiedene Reaktionen bei den Figuren im Text, aber auch beim Leser hervorruft. Das Fragment Wilhelm Meisters Theatralische Sendung ist die Urfassung seines fertig gestellten Romans Wilhelm Meisters Lehrjahre. Doch nicht nur Titel und Lange der Urfassung haben sich geandert, vor allem auch erfahren bestimmte Personen eine Wandlung in ihrer Anlage und in deren Ausfuhrung. Allen voran Mignon, eine in der Forschung viel diskutierte und heiss umstrittene Figur. In der vorliegenden Arbeit soll nun diese Wandlung von Ur- zu Endfassung unter dem speziellen Aspekt der Geschlechtlichkeit aufgefuhrt, verglichen und analysiert werden
 

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Contents

Mignons erster Anfall und sein Kontext
4
Die Geschlechtlichkeit Mignons
9
Die Bedeutung der Geschlechtlichkeit für die Figur Mignon
13
Zusammenfassender Vergleich der Figur Mignon in Wilhelm
18
Bibliographie
21
Copyright

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Popular passages

Page 3 - Wilhelm konnte sie nicht genug ansehen. Seine Augen und sein Herz wurden unwiderstehlich von dem geheimnisvollen Zustande dieses Wesens angezogen.
Page 4 - Mein Kind! rief er aus, mein Kind! Du bist ja mein! Wenn dich das Wort trösten kann. Du bist mein! Ich werde dich behalten, dich nicht verlassen! —Ihre Tränen flössen noch immer. — Endlich richtete sie sich auf. Eine weiche Heiterkeit glänzte von ihrem Gesichte. — Mein Vater! rief sie, du willst mich nicht verlassen! willst mein Vater sein! — Ich bin dein Kind!
Page 17 - Das Wesen, war es, wenn es nicht erschiene?" Die Lust am Schein, als einem Scheinenden, Leuchtenden, als dem Wechselspiel des Lebens, hat ihr der Kummer vergällt. Nur geistiges Weiß erträgt sie noch. Im Jenseits, dem Reich, wo der Schein verschwindet, fällt auch der Gegensatz der Geschlechter, der die Sterblichen scheidet, dahin. Noch einmal also finden wir Mignons hermaphroditische Züge betont, ausdrücklicher als je im Zusammenhang mit Frühe und ewiger Jugend. Noch immer ist sie das Menschengeschöpf,...
Page 10 - ... wodurch er laut wird, die unnahbare Ferne und Fremde ihres Gehalts und die leidenschaftliche Glut und Innigkeit ihres Tons, der jene Fremdheit überwinden möchte, ihr Geheimnis, das um das Dämonentum webt, und ihre Fülle, die aus der Menschlichkeit quillt. Sie sind zugleich entrückt und beladen. Sie ist ein Doppelgeschöpf, und ihre Zwiegeschlechtigkeit oder vielmehr Ungeschlechtigkeit ist nur das mensch» liehe Zeichen daß sie der nicht mensch»leiblich bedingten Welt entstammt, die sie...
Page 8 - Sie schien diese Nacht größer geworden zu sein; sie trat mit einem hohen edlen Anstand vor ihn hin und sah ihm sehr ernsthaft in die Augen, so daß er denBlick nicht ertragen konnte.
Page 9 - Auch Wilhelm also, obgleich er Mignon und den Harfner noch bei sich behält, setzt die „Würde des Goldes" höher als die Würde der Kunst. Wie sollten die poetischen Figuren in dieser Welt des Geldes, Maßes, Verstandes, der Berechnung überdauern.
Page 16 - Nicht anders Mignon: die Merkwürdigkeit ihres Endes ist die eines psychosomatischen Willensaktes. In diesem Sinne hat nicht der Geist sich dem beherrschenden Körper unterworfen vielmehr hat die Psyche über sich selbst entschieden. (...) Im Tod verweigern sich Mignon und der Harfner der Bildung und Entwicklung zur Ordnung.
Page 2 - . . . und indem kam ein junges Geschöpf die Treppe heruntergesprungen, das seine Aufmerksamkeit erregte. Ein kurzes Westchen mit geschlitzten spanischen Ärmeln und weiten Beinkleidern stund dem Kinde gar artig, lange, schwarze Haare hatte es in Locken und Zöpfen um den Kopf gewunden.
Page 6 - By the time the Tower Society treats Mignon, however these seizures have become purely pathological moments only initiated by erotic situations.
Page 5 - Liebeskonzeption, die durch zahlreiche Anleihen an ein religiös-pietistisches Vokabular aufgewertet, ja zur Liebesreligion gesteigert wird und auf Dienst und Hingabe beruht; (...). Vor allem die Szene im zweiten Buch, die in Mignons Ausbruch, ihrem „Herzinfarkt...

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