Identitätskonstruktionen in 'Spieltrieb' von Juli Zeh

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GRIN Verlag, Apr 8, 2009 - Literary Criticism - 64 pages
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Diplomarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Universität Stuttgart (Institut für Literaturwissenschaft, Neuere Deutsche Literatur ), Sprache: Deutsch, Abstract: [...] Wenn man fiktionale Literatur als Darstellung von innerem Erleben und äußerem Verhalten definiert, beschreibt man damit deren mögliche Form und Funktion. Mit der Festlegung auf diese Vorstellung von Literatur ist auch die Ausrichtung meiner Arbeit bestimmt. Sie wird sich am Erkenntnisinteresse der Psychologie als Wissenschaft orientieren, da diese den gleichen Gegenstand wie die Literatur hat: das innere Erleben und äußere Verhalten des Menschen. Die Literatur hat die Freiheit der Fiktion und kann über menschliches Erleben und Verhalten hinausgehen. In Spieltrieb ist dies aber nicht der Fall. Das Interesse am fast identischen Gegenstand ergibt sich für die Literatur und die Psychologie aus folgender Voraussetzung. Die menschliche Existenz spielt sich einerseits im individuellen Erleben einer Eigenwelt ab, einer Welt die bestimmt ist von bewussten und unbewussten Motivationen, Emotionen und Kognitionen. Andererseits bewegen wir uns als Individuen in einer biologischen und sozialen Außenwelt. Zwischen beiden Welten steht der Einzelne in einem Austauschverhältnis. Die Bedeutung dieses Austauschprozesses für die Interpretation des Romans zu klären, ist das Ziel meiner Arbeit. Mit diesem Ansatz ist auch ihre inhaltliche und formale Struktur vorgegeben. Es geht also im Folgenden um den Versuch, Einblicke in die Innenwelt der Charaktere des Romans zu gewinnen - dieses Bemühen wird durch vorwiegend auktoriale Erzählsituation unterstützt bzw. erst möglich gemacht - und es geht um die Art der Austauschbeziehungen, die die Charaktere mit ihrer Außenwelt eingehen. In einem Interview auf der Documenta 2007 meint Juli Zeh, dass zw. der eigenen Wirklichkeit und der fiktional erzeugten „nicht wirklich“ ein Unterschied besteht. Also sollte ihr Roman auch den Kategorien zugänglich sein, nach denen wir unsere soziale Wirklichkeit konstruieren. Es ist mit diesem Verständnis von literarischer Wirklichkeit legitim, sozialpsychologische Kategorien zur Interpretation eines Textes einzusetzen und ihn damit auf eine besondere Art zugänglich zu machen. Auch dies möchte ich in meiner Arbeit nachweisen. Im Folgenden werden zunächst die theoretischen Grundlagen durch die Klärung sozialpsychologischer Begriffe gelegt. Diese beziehen sich auf formale als auch inhaltliche Aspekte von Austauschbeziehungen. Die so präzisierten Kategorien werden dann exemplarisch bei der Besprechung der wichtigsten Charaktere verwendet. [...]
 

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