Jean-Paul Sartre: "Der Andere" und weitere Elemente des Existenzialismus im Drama "Huis Clos"

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GRIN Verlag, 2007 - 84 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: Sehr gut, Gottfried Wilhelm Leibniz Universitat Hannover, Veranstaltung: Hauptseminar: Jean-Paul Sartre als Literat, 21 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich mit dem Drama "Huis Clos" (1944) von Jean-Paul Sartre. Neben einer Darstellung des gewahlten Rahmens, der drei Protagonisten Garcin, Ines und Estelle und der hollischen Konstellation" sollen an diesem Stuck auch einige wichtige Elemente des Sartre'schen Existenzialismus aufgezeigt werden. Dies ist moglich, da seine Stucke grundsatzlich philosophische Lehrsatze demonstrieren oder zumindest beinhalten. Sartres Literatur erfullt immer auch den Zweck, seine Philosophie konkreter darzustellen. Dies zeigt sich bis zu einem gewissen Masse auch in Huis clos," wo die Figuren offenbar entsprechend ihrer auszufullenden Funktionen in Bezug auf die Darstellung existenzialistischer Thesen erdacht und eingepasst wurden. Zentrale existenzialistische Elemente, die in der vorliegenden Arbeit untersucht werden, sind die Bedeutung des Anderen," mit ihm der Blick," der Spiegel," das Urteil," ausserdem die Unaufrichtigkeit" ( mauvaise foi") und der Mangel an Authentizitat." Hinzu kommen das Handeln als Existenzgrundlage und die Unterscheidung von Taten und leeren Entscheidungen. Die Arbeit gipfelt in einer Abwagung der Interpretationen des viel zitierten und oft missverstandenen Satzes Die Holle, das sind die andern"
 

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Page 33 - Nur die Taten entscheiden über das, was man gewollt hat. GARCIN: Ich bin zu früh gestorben. Man hat mir keine Zeit gelassen, meine Taten zu tun. INES: Man stirbt immer zu früh — oder zu spät. Aber das Leben ist nun einmal da zu Ende; der Strich ist gezogen, es gilt, die Rechnung abzuschließen. Du bist, was dein Leben ist.
Page 29 - ... nicht? . . . Ich ... ich pfiff auf das Geld, auf die Liebe. Ich wollte ein Mann sein. Ein Kerl. Ich habe alles auf ein einziges Pferd gesetzt. Ist es möglich, daß man ein Feigling ist, wenn man sich die gefährlichsten Wege erwählt hat? Kann man ein Leben nach einer einzigen Tat beurteilen? INES: Warum nicht? Dreißig Jahre lang hast du dich in dem Traum gewiegt, du habest Mut; du ließest dir tausend kleine Schwächen hingehen, weil den Helden alles erlaubt ist. Wie bequem das war! Und dann,...
Page 20 - Der Mensch ist wesentlich auf die Mitmenschen angewiesen, sein Leben vollzieht sich im Be-reich des Zusammenseins mit den Anderen. Es ist nicht so, daß der Mensch zuerst allein exis-tiert und dann auf die Mitmenschen stößt, sondern von Beginn an bewegt er sich im Bereich des...
Page 3 - Es gibt kein belletristisches Werk Sartres, das nicht einer Demonstration von Thesen des Philosophen zu dienen hätte. Alle Gestalten in Sartres Erzählungen, Dramen, Romanen sind Exemplifizierungen und haben kaum Anspruch auf künstlerische Existenz «an sich». Den Gestalten des Orest aus den <Fliegen...
Page 24 - Wenn ich sprach, dann richtete ich es so ein, daß stets ein Spiegel da war, in dem ich mich erblicken konnte. Ich sprach, ich sah mich sprechen. Ich sah mich, wie die Leute mich sahen, das hielt mich wach.
Page 6 - ... mißachtet man seine Freiheit. Aber in diesem Fall, wie auch in Das Spiel ist aus, ist ausdrücklich der Moment gewählt, wo das Leben abgeschlossen ist. In diesem Augenblick vollzieht sich so etwas wie eine Erstarrung — man erstarrt zu den bestimmten Möglichkeiten, die man verwirklicht hat und hat kein Recht mehr, sich auf die anderen Möglichkeiten zu berufen, die man noch hätte verwirklichen können. Mit dem Tod ist die Möglichkeit der Wahl und die Möglichkeit der Verwirklichung, also...
Page 22 - Der Kellner mit dem unausstehlich aufdringlichen Blick verläßt zwar wieder den Raum, aber nun sind die drei Zimmerbewohner einander wechselseitig konfrontiert, und dadurch werden sie füreinander zum Henker. Es ist Garcin, der diese Zwangsläufigkeit diagnostiziert und der versucht, einen rationalen Ausweg zu finden und die beiden anderen dazu zu überreden Dieser Ausweg könnte logischerweise nur darin bestehen, den wechselseitigen Blick gewissermaßen zurückzuhalten [...]. Eine Lösung, die...
Page 12 - Inez is the most lucid of the three about her own situation and the meaning of their present Position. A lesbian, she has chosen to accept condemnation by society during her lifetime. From the beginning of the play she is more explicit than Garcin in stating that her whole aim in life was to make others suffer."*1 Doch könnte die Homosexualität auch positive Aspekte für sie (gehabt) haben.

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