Johann Gottfried Herders "Journal meiner Reise im Jahr 1769" im Kontext von Aufklärung und Sturm und Drang

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GRIN Verlag, 2007 - 52 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,5, Universitat zu Koln (Institut fur deutsche Sprache und Literatur), Veranstaltung: Hauptseminar Prof. Dr. Erich Kleinschmidt: Sturm und Drang, Sommersemester 2001, Universitat zu Koln, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Reisejournal, das Johann Gottfried Herder in einem zeitlichen Abstand von mehreren Monaten zu seiner Schiffsreise von Riga nach Nantes im Jahre 1769 niederschrieb, wurde in vollstandiger Form das erste Mal mehr als 70 Jahre spater von seinem Sohn Emil Gottfried Herder veroffentlicht. Das "sonderbare Ding," wie Herder selbst den Text in einem Brief an seinen Verleger Johann Friedrich Hartknoch genannt hat, war nicht zur Veroffentlichung gedacht, der Autor intendierte keine grossere Rezeption, allenfalls einige engere Freunde schwebten ihm als mogliche Leser vor. Es geht hier nicht um eine eindeutige Zuordnung des Textes zu einer bestimmten (literatur-) historischen Epoche. Ebenso wenig soll eine Antwort auf die Frage der Zugehorigkeit oder der Gegenlaufigkeit des Sturm und Drang zur Aufklarung gegeben werden. Vielmehr soll aufgezeigt werden, inwiefern der Sturm und Drang berechtigterweise als Fortfuhrung oder Erganzung der Aufklarung, aber ebenso als Kritik an bestimmten Formen derselben gesehen werden kann; stellt sie doch selbst keinesfalls eine geradlinige Bewegung, sondern ein lebendiges Gebilde mit unterschiedlichen Stromungen dar. Eine radikale Ablehnung eines Teils der Aufklarung durch den Sturm und Drang muss daher nicht zwangslaufig eine generelle Abkehr von allen aufklarerischen Ideen bedeuten. Gerade an der Person Herders lasst sich das deutlich zeigen. In dem Versuch der vornehmlich alteren Herder-Forschung, ihn einseitig entweder der Periode der Aufklarung oder der des Sturm und Drang zuzuordnen, zeigt sich die Begrenztheit der Beschreibungsmoglichkeiten eines literaturwissenschaftlichen Verfahrens, das stets darum bemuht ist, literarische Pha
 

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Contents

Geistesgeschichtlicher Kontext des RXUQDOV
3
Herders geistesgeschichtlicher Kontext zur Zeit der Niederschrift
18
Geschichtsphilosophische Aspekte im RXUQDO
29
Resümee
36
Copyright

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Common terms and phrases

Popular passages

Page 17 - Das Prinzip, auf welches die sämtlichen Äußerungen Hamanns sich zurückführen lassen, ist dieses: Alles, was der Mensch zu leisten unternimmt, es werde nun durch Tat oder Wort oder sonst hervorgebracht, muß aus sämtlichen vereinigten Kräften entspringen; alles Vereinzelte ist verwerflich.
Page 30 - Philosoph der Natur, das sollte dein Standpunkt sein mit dem Jünglinge, den du unterrichtest! Stelle dich mit ihm aufs weite Meer und zeige ihm Fakta und Realitäten, und erkläre sie ihm nicht mit Worten, sondern laß ihn sich alles selbst erklären.
Page 14 - Dieselbe Materie, die uns Stärke gibt, und unsre Knorpel zu Knochen macht, macht auch endlich die Knorpel zu Knochen, die immer Knorpel bleiben sollen: und dieselbe Verfeinerung, die unsern Pöbel gesittet macht, macht ihn auch endlich alt, schwach und nichts tauglich. Wer kann wider die Natur der Dinge? Der Weise geht...
Page 25 - Wenn werde ich so weit sein, um alles, was ich gelernt, in mir zu zerstören, und nur selbst zu erfinden, was ich denke und lerne und glaube!
Page 13 - Sinne bekannt als bisher, und zwar in einem solchen, der mir sehr zusagte. Die hebräische Dichtkunst, welche er nach seinem Vorgänger Lowth geistreich behandelte, die Volkspoesie, deren Überlieferungen im Elsaß aufzusuchen er uns antrieb, die ältesten Urkunden als Poesie gaben das Zeugnis, daß die Dichtkunst überhaupt eine Welt- und Völkergabe sei, nicht ein Privaterbteil emiger feinen gebildeten Männer.
Page 23 - Emile des Rousseau zum Nationalkinde Livlands zu machen, das, was der große Montesquieu für den Geist der Gesetze ausdachte, auf den Geist einer Nationalerziehung anwenden und was er in dem Geist eines kriegerischen Volks fand, auf eine friedliche Provinz umbilden. O ihr Locke und Rousseau, und Clarke und Francke und Heckers und Ehlers und Büschings!
Page 15 - Das menschliche Geschlecht hat in allen seinen Zeitaltern, nur in jedem auf andre Art, Glückseligkeit zur Summe; wir, in dem unsrigen, schweifen aus, wenn wir wie Rousseau Zeiten preisen, die nicht mehr sind und nicht gewesen sind; wenn wir aus diesen, zu unserm Mißvergnügen, Romanbilder schaffen und uns wegwerfen, um uns nicht selbst zu genießen.
Page 30 - Und ich, wenn ich Nollet* und Kästner* und Newton* lesen werde, auch ich will mich unter den Mast stellen, wo ich saß, und den Funken der Elektrizität vom Stoß der Welle bis ins Gewitter führen und den Druck des Wassers bis zum Druck der Luft und der Winde erheben und die Bewegung des Schiffes, um welche sich das Wasser umschließt, bis zur Gestalt und Bewegung der Gestirne verfolgen und nicht eher aufhören, bis ich mir selbst alles weiß, da ich bis jetzt mir selbst nichts weiß.

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