Johann Wolfgang Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre" - Der Harfner, Diskurswechsel im Umgang mit Melancholie und Wahnsinn?

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GRIN Verlag, 2007 - 64 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Universitat Trier (Neuere deutsche Literatur), Veranstaltung: Goethes Lehr- und Wanderjahre, 14 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Kommentar der Dozentin: Eine gute und klare Darstellung., Abstract: Diese Arbeit setzt sich mit der erst in der jungeren Forschung aufgeworfenen Frage auseinander, ob Goethes "Lehrjahre" einen Diskurswechsel im Umgang mit Melancholie und Wahnsinn beschreiben, und konzentriert sich dabei auf die Darstellung der Harfner-Figur. Wie ein roter Faden durchziehen Melancholie und Wahnsinn den Roman, denn so verschiedene Figuren wie Laertes, der Graf und die Grafin, Aurelie, Mignon, Sperata und der Harfner leiden unter melancholischen Anfallen, die sich im Falle des Harfners bis in eine Eskalation des Wahnsinns steigern. In der Krankheits- und Heilungsgeschichte des Harfners wird eine Veranderung im Umgang mit Melancholie und Wahnsinn besonders deutlich, denn bei ihm lasst sich die Entwicklung von einem melancholischen Gemutszustand uber den ausbrechenden Wahnsinn bis hin zur Therapie verfolgen. In Anlehnung an die Lebensgeschichte des Harfners teilt sich diese Arbeit in zwei Teile. Im ersten Teil stehen die europaische Melancholietradition und der Genie-Gedanke des Sturm und Drangs im Fokus und zwar im Hinblick darauf, wie und warum Goethe beides in seine Darstellung des Harfners hat einfliessen lassen. Des Weiteren wird dessen Krankheitsgeschichte analysiert. Im zweiten Teil steht die Therapie des Harfners im Mittelpunkt. Der medizinische Diskurs der Melancholie und des Wahnsinns am Ende des 18. Jahrhunderts und Goethes Verhaltnis zu diesem wird vorgestellt und mit der Therapie und den Therapiemassnahmen am Harfner verglichen. In dieser Arbeit wird nachgewiesen, dass Goethe sowohl mit der europaischen Melancholietradition als auch mit den zeitgenossischen medizinischen und psychologischen Diskursen vertraut war u"
 

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Page 10 - Wer nie sein Brot mit Tränen aß, Wer nie die kummervollen Nächte Auf seinem Bette weinend saß, Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte. Ihr führt ins Leben uns hinein, Ihr laßt den Armen schuldig werden, Dann überlaßt ihr ihn der Pein; Denn alle Schuld rächt sich auf Erden.
Page 9 - Herrn, Gegrüßt ihr, schöne Damen! Welch reicher Himmel! Stern bei Stern! Wer kennet ihre Namen? Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit Schließt, Augen, euch! Hier ist nicht Zeit, Sich staunend zu ergötzen. Der Sänger drückt' die Augen ein Und schlug in vollen Tönen; Die Ritter schauten mutig drein, Und in den Schoß die Schönen.
Page 12 - So vereinigte man sich auch darüber, daß man dem Zufall im Roman gar wohl sein Spiel erlauben könne; daß er aber immer durch die Gesinnungen der Personen gelenkt und geleitet werden müsse; daß hingegen das Schicksal, das die Menschen, ohne ihr Zutun, durch unzusammenhängende äußere Umstände zu einer unvorhergesehenen Katastrophe hindrängt...
Page 18 - Kreise beigewohnt und behaupten hören: man werde sich aus einem schmerzlichen, selbstquälerischen, düstern Seelenzustande nur durch Naturbeschauung und herzliche Teilnahme an der äußern Welt retten und befreien. Schon die allgemeinste Bekanntschaft mit der Natur, gleichviel von welcher Seite, ein tätiges Eingreifen, sei es als Gärtner oder Landbebauer, als Jäger oder Bergmann, ziehe uns von uns selbst ab...
Page 19 - Der Genuß einer reinen gesunden Luft, einfacher und frugaler Kost, tägliche starke Bewegung im Freien, eine bestimmte Ordnung in allen Lebensgeschäften, der schöne Blick in die reine Natur.
Page 21 - Gebrechen, das in der Menschheit selbst gegründet ist, dem wir also alle, mehr als jedem anderen, offen liegen, und das wir, weder durch Verstand, noch durch Rang und Reichthum abhalten können.
Page 15 - Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Page 15 - ... da ist das Feuer und das Holz, wo ist denn das Lamm zum Brandopfer?" Abraham erwiderte: „Gott wird sich das Lamm zum Brandopfer schon ersehen, mein Sohn." So gingen sie beide miteinander. Als sie an den Ort kamen, den Gott ihm gesagt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Dann streckte Abraham seine Hand aus, nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief der Engel Jahwes vom Himmel her ihm zu und sprach:...
Page 14 - These ist, daß der Schlüssel für das rätselhafte Symbol des Knabenbildes nicht primär in dessen konkretem Inhalt (also in dem Verfolgtsein gerade durch einen Knaben), sondern eher in seiner spezifischen Bedeutung und Funktion für den Harfner zu suchen ist.

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