Körper-Sprache und Rede-Gewalt - Zur sprachlichen Inszenierung der Geschlechter im Fastnachtspiel des späten Mittelalters

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GRIN Verlag, Apr 8, 2004 - Literary Criticism - 120 pages
Examensarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, Note: 1,0, Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für deutsche Literatur), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Orientierung der Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts auf die Themen Sexualität, Ehe und Liebeswerbung, verbunden mit einer auffällig obszönen und oft auch gewaltbetonten Metaphorisierung der geschlechtlichen Körper, lenkt den Blick auf den Zusammenhang von Geschlechterkonzeptionen und ihren sprachlichen Inszenierungen. Diese Arbeit befasst sich mit den sprachlichen Inszenierungen der Geschlechter im Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts und ihren Prozessen performativer Konstruktion. Die Texte der Fastnachtspiele, wie sie überliefert sind, stellen Vorlagen für theatrale Inszenierungen dar. In diesen Aufführungen werden die sprachlichen Inszenierungen der Geschlechter aus den Texten der Fastnachtspiele ausagiert, sie werden an Körpern sichtbar im Spiel. Der Körper als Produkt und Zeichen von Geschlecht bildet den Nexus zwischen der sprachlichen Inszenierung und der performativen Konstruktion der Geschlechter. ‘Sprachliche Inszenierung‘ meint dabei, dass das gesamte Spiel und seine Figuren in den überlieferten Texten ausschließlich in Figurenreden codiert sind, die auf diese Weise Männer und Frauen durch Sprache ‘in Szene setzen‘. ‘Performative Konstruktion‘ bezieht sich auf das Phänomen, dass Geschlecht in diesen Spielen in und durch Sprache erzeugt wird, dass also durch sprachlich-performative Prozesse geschlechtlich markierte Figuren konstruiert werden. Die Materialgrundlage dieser Untersuchungen bildet eine Auswahl von Fastnachtspielen aus der Nürnberger Tradition, die Geschlechter, Ehe und Sexualität thematisieren. Ich stütze mich auf die Fastnachtspielsammlung Adelbert von Kellers bzw. auf die kritische Ausgabe Dieter Wuttkes bei denjenigen Spielen, die dort Eingang gefunden haben. Die Textauswahl orientiert sich an vier Spieltypen, die nach der jeweiligen Dramaturgie ihrer Geschlechterinszenierungen unterschieden werden: Hochzeitsspiele, Gerichtsspiele, Narrenrevuen und Rügespiele. Diese Spieltypen sollen in Kapitel 4 zunächst in ihren unterschiedlichen Logiken dargestellt werden. Danach sollen in Kapitel 5 Bezüge dieser Spiele zu Geschlechterdiskursen verschiedener Provenienz beschrieben werden, um so den diskursiven und sozialen Kontext der Fastnachtspiele in den Blick zu bekommen. Zuletzt werden in Kapitel 6 drei Spiele detailliert auf die sprachlichen Prozesse ihrer performativen Konstruktion der Geschlechter untersucht.
 

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Contents

Theoretische Grundlagen
5
Geschlecht und Körper
11
Performativität und Sprache
18
Analysen
23
Inszenierungslogiken der Geschlechter
24
41 Hochzeitsspiele
25
42 Gerichtsspiele
33
43 Narrenrevuen
43
51 Literarische Traditionen
71
52 Ehe und Geschlechterdiskurse
77
53 Brauchtum
83
54 Narrenkultur und Fastnachtsdiskurs
87
Sprachliche Performativität der GeschlechterKonstruktion
92
Die performative Konstruktion des Körpers
93
Integration und Verkehrung
100
Die Gewalt der Sprache
105

44 Rügespiele
56
45 Zusammenfassung
64
Geschlechterdiskurse und ihre Aneignung im Fastnachtspiel
70
Auswertung
111
Schluss
116

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Common terms and phrases

Affirmation ambivalent androzentrische Aneignung Anwesenden Aufführung Bachorski Bachtin Bezug Braut Bräutigam codiert Darumb deutlich Dialogisierung DICIT didaktische Diskurse dramaturgisch Eggenziehen Ehefrau ehelicher Ehemann Eindeutigkeit Einsalzen erscheinen Fastenzeit Fastnacht Fastnachtspiele Figuren Frauenlob Funktion gemeinsamen Gemeinschaft Gerichtsspiele Geschlechterdiskurse Geschlechterhierarchie Geschlechterinszenierungen Geschlechterkonstruktionen Geschlechterkonzeptionen Geschlechternormen Geschlechterordnung Geschlechtsverkehr Gestus grotesken Hans Folz Hochzeitsspielen indem inszenieren Inszenierungen der Geschlechter jeweils Kapitel Karneval karnevalesker Verkehrung Klage Komik komische Konstruktion der Geschlechter Kontext Kontingenz kumen Lachen literarischen Logik Lust lustvollen männlicher Merkmale Minnetradition misogynen Mittelalters Narren Narrenrevuen Narrheit Norbert Schindler normativer Ordnungen Normen Normverletzungen Ordnung der Geschlechter patriarchaler Performanz performative Konstruktion performative Rahmen Performatives Sprechen Performativität Prinzip Publikum Rahmeninszenierungen Rede Rügebrauchs Rügespiele Schindler Sexualität soll solt sozialer sozialer Normen Spiele vom Einsalzen spielerische Spielort Spielrealität Spieltypen Sprache sprachlichen Inszenierungen Sprechakte spricht Subversion Topoi Topos unterschiedliche Untersuchungen vasnacht Verkehrung der Ordnung Verletzung Verständnis Verunsicherung Vollzug weib weiblichen Welt wirt wolt Zeigegestus zitiert Zuschauer

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