Kürtzliche # Hirten-Gedichten, zu den Satyren, zu den Comödie und Tragödien, wie auch zu den Helden- und Liebes-Gedichten: Dabey theils deren Ursprung, theils ihr Wachsthum und Beschaffenheit, theils wie sie noch itzo müssen eingerichtet werden, vorgestellet wird. Der studirenden Jugend zum besten entworffen

Front Cover
in Verlegung F. Lanckischen Erben, 1688 - Poetics - 415 pages
0 Reviews
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Popular passages

Page 25 - Und ist ein jeglicher sinnreicher Poet so zu reden ein Schöpfer, der aus nichts etwas machen kan, das ist, ob gleich etwas nicht da ist oder da gewesen ist, so ersinnet doch ein Poet dasselbe, als wenn es da gewesen wäre. Und bestehet also sein machen oder schaffen alleine in dem sinnreichen Ausdencken oder Nachsinnen.
Page 48 - Erfindungen auffgeführet und abgehandelt wird/ daß entweder die Zuschauer die Fehler und Tugenden des gemeinen menschlichen Lebens gleichsam spielweise erkennen und sich bessern lernen/ oder doch sonst zu einer Tugend auffgemuntert werden.
Page 19 - vollkommene Tragödie" — denn Rotth kennt auch abgeschwächte Modifikationen, in denen ebenfalls die Reinigung von anderen Affekten (als Schrecken und Mitleiden) zulässig ist — überläßt er das entscheidende Wort dem Meister Aristoteles: „Maßen er von der Tragödie so umständig und schöne redt, daß er es fast nicht schöner hätte machen können. Dannenher es um so viel desto weniger Mühe geben wird, etwas davon zu reden".
Page 17 - ein solches Gedichte / in welchem sich ein sinreicher Poet eines vornehmen und berühmten Heldens löbliche That / die endlich zu einem glücklichem Ende gediehen zu erzehlen vorgenommen / dieselbe auch durch seine sinnreiche Ordnung / Zusatz / und einmischung allerhand...
Page 8 - LiebesGedichte genannt werden. §.2. Dieselben sind nun in keinem Dinge von vorhergehenden Helden-gedichten unterschieden / als alleine in dem Inhalt oder der Materie und denn in dem Stylo. §. 3. Denn was die Materie der Romaine anlanget/ so muß/ wie in dem Helden-Gedichte eines vornehmen Heldens-That zuerzehlen vorgenommen wurde / in den Romainen eine Liebes-Geschichte zuerzehlen vorgenommen werden.
Page 17 - Poet schreibt mit gebundener Rede / die den Ohren sehr angenehm ist / beschreibt auch eine Verrichtung nicht nach der Ordnung / wie sie geschehen ist / sondern richtet die Ordnung so ein / daß er den Leser allemahl auffmercksam hat; Diese Annehmligkeit aber ist bey einem Redner nicht zu suchen.
Page 20 - Daß sie nicht aus Boßheit (per pravitatem) sondern vielmehr aus Irthum in solchen Unfall gerathen muß. Jedoch ist zu weilen ein allzuhefftiger affect, als Zorn / Liebe etc. so bewant / daß er dem Irthum gleich kan gehalten werden / weil als denn / was geschieht / auch nicht eben deliberato animo geschiehet.
Page 4 - Art theils Erzehlungsweise die im schwänge gehende Laster und Mängel und den daher rührenden wunderlichen Zustand an einer oder der ändern Person mit schlechten Worten durchhechelt...
Page 10 - Der Endzweck solcher Romaine ist / daß man dem Leser mit der Lust zugleich allerhand nützliche Sachen beybringe. Daher kan man / zum Exempel / aus des klugen Barclai Argenide ersehen / was bey Hofe passiret; Aus der Englischen Arcadia, worinne die wahre Tugend bestehe; der deutsche Hercules als der erste Christliche Roman / führet einen Heiden von dem Götzendienste des wahren GOttes; andere haben ein anderes Absehen.
Page 49 - ... Kinderzucht / Völlerey / Spielen / Liebe der ausländischen Kleider-Trachten etc. Und die an und vor sich weder Tugend noch Laster seyn / können doch in ihren Umständen Tugend- oder Lasterhaff t werden. Zu der Comödie / wie sie bey den alten Griechen und Lateinern ist gebrauchet worden/ schickten sich am allerbesten die geringen Laster/ oder die Verrichtungen welche zwar an und vor sich weder böse noch gut waren / sondern so ferne sie den Menschen in allerhand trubeln und poßierlichen Zufällen...

Bibliographic information