Kafkas "Ein Landarzt" - Ein Traumbild

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GRIN Verlag, Feb 9, 2007 - Literary Criticism - 20 pages
Studienarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Universität Regensburg (Institut für Germanistik), Veranstaltung: Hauptseminar 'Die andere Seite. Doppelbegabungen in Kunst und Literatur im 19. und 20. Jahrhundert', 9 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Kafka verbindet er sein Schriftstellertum mit einem geliebten Nebenbeschäftigung: dem Zeichnen. Zeitlebens skizzierte er vor allem Figuren und Gesichter, zwar, wie man argumentieren könnte, kantig und schief, aber gerade damit dem Zeitgeist des erwachenden Expressionismus entsprechend. Kafka kombiniert nun diese seine „zurückgebliebene Muse“ mit seiner besser ausgebildeten Fähigkeit zum literarischen Schaffen und zeigt so eine Doppelbegabung in einer einzigen Tätigkeit: er zeichnet textuelle Traumbilder, die durch ihre Traumhaftigkeit sehr subjektiv gedeutet werden können. Dies ist vor allem in der Erzählung Ein Landarzt der Fall – hier „steigert sich dieses Motiv zum Angsttraum, zur nach innen gewandten Aggression, in welcher der gesellschaftliche Defekt als persönliches Versagen, als unbestimmte Schuld erlebt wird.“ Die Fragestellung hier soll demnach sein, wie Kafka diese Bildhaftigkeit erzeugt, wie also seine Werke diese Selbsterlebnis-Wirkung beim Leser erlangen. Dabei kann ein bedeutender Wegweiser sein, dass sich Kafka intensiv mit Freud und seiner Traumdeutung auseinandergesetzt hat und daraus seinen „Traum-Schrecken“ entwickelt hat. Bedeutend ist es außerdem, dass Kafka selbst zwischen Wirklichkeit und Traum gelebt hat, das heißt, zwischen dem Versicherungsbureau und seinem Schriftstellertum . Deswegen wusste er aus eigener Erfahrung um die Unterschiedlichkeit der beiden Welten. Erwähnenswert ist sicherlich auch, dass Kafka mit diversen psychologischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wie zum Beispiel mit der gespannten Beziehung zu seinem Vater oder seinen unbeständigen und von zwiespältigen Gefühlen geprägten Partnerschaften. Dies schlägt sich in seiner Literatur nieder: Kafkas Figuren sind gespalten, ihre Identität löst sich auf - sie selbst, die Umgebung und die Geschehnisse erscheinen traumbildhaft. Aus welchen Elementen dieses Traumbild besteht, soll auf den folgenden Seiten erörtert werden. Dabei soll zuerst die Erzählung Ein Landarzt in ihrer Gesamtheit betrachtet werden und danach auf bestimmte Elemente untersucht werden: der Übergang von der Erzählungswirklichkeit zum Traumbild, die Selbstanalyse, die der Ich-Auflösung gegenübersteht, die Allegorie der Nacktheit, die Rolle der gesellschaftlichen Normen, Sexualität und ihre Bewertung und der Lebens- und Todeswunsch.

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