Kudrun - bewusster "Antitypus" zum Nibelungenlied, "epigonaler Abklatsch" oder eigenständiges Epos?

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GRIN Verlag, Sep 21, 2005 - Literary Criticism - 15 pages
Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, Note: 1,7, Freie Universität Berlin, 13 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: »Überall ist Mittelalter« – diese, von Horst Fuhrmann geprägte Erkenntnis schlägt sich auch im Sprachgebrauch tagesaktueller Politik nieder. So zuletzt am 01.07.2005 in der Rede Franz Müntefehrings in der Debatte zur Vertrauensfrage im Deutschen Bundestag. Dort kritisiert er die unproduktive und schädliche politische Blockadehaltung der CDU-Fraktion im Bundesrat, die er wörtlich als »Nibelungentreue« bezeichnet und die maßgeblich dafür verantwortlich sei, dass der Politikprozess in Deutschland scheitere. Zwar fällt zwar das Wort triuwe im Niebelungenlied (im weiteren Verlauf mit dem Sigle NL bezeichnet) öfter, nie aber ›Nibelungentreue‹. Sie wird erst im 20. Jahrhundert als Schlagwort für bedingungslose, selbstlose Gefolgschaftstreue gegenüber einem politischen Verbündeten oder Führer geprägt. Dies ist nur ein Beispiel für den immensen Einfluß den dieses Epos bis heute hinterlassen hat. Ob dieser Einfluss unter zeitgenössischen Rezipienten ebenfalls so groß war, dass ein unbekannter Autor inspiriert davon eine Antwort schreibt und dem ganzen den Namen Kudrun gibt, ist schwer zu beantworten. Der plakative Titel dieser Hausarbeit allerdings spiegelt grob die Ergebnisse verschiedener Etappen der Forschung zum Kudrun-Epos im Zusammenhang mit dem NL wider. In den unterschiedlichen Einschätzungen der Kudrun und der möglichen Motivation des Kudrun-Autors kommen immer auch verschiedene Fragestellungen im jeweiligen historischen Kontext zum Vorschein. Die Frage nach Gegenentwurf oder Abklatsch‹ des Werkes lässt sich nicht generell mit »Ja« oder »Nein« beantworten, da die Frage immer eingegrenzt werden muss auf einen bestimmten Aspekt des Werkes. Es geht also um die Prämissen die man an die Fragestellung knüpft. Geht man von formalen Aspekten aus, oder von intertextuellen Bezügen, von Figurenkonstellation oder vom Inhalt und Intention eines Werkes aus? Um bei der Beantwortung der Frage ob und inwiefern die Kudrun als Antitypus oder ›epigonaler Abklatsch‹ oder sogar als eigenständiges Werk einzuschätzen ist, soll der Zugang zu dem Thema von Aussen – also über Aufbau und Struktur, nach Innen – zum Inhalt, wie Personenkonstellationen und sozialer Rollenverteilungen führen, um zu einer Einschätzung hinsichtlich der Fragestellung zu gelangen.

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