Letzte Lockerung: Ein Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen

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Manesse Verlag, Feb 1, 2009 - Fiction - 296 pages
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Der Knigge für Zyniker

Serners Lockerungsübungen für kluge Köpfe gehören in jeden Smoking! Geistreich, frech und pointiert, avancierte sein »Handbrevier« schnell zum Kultbuch. Denn nirgendwo ist das Lebensgefühl des literarischen Amoralismus gewitzter auf den Punkt gebracht als in Serners Maximen. »Die Welt will betrogen sein, gewi߫, heißt es da kurz und bündig: »Sie wird sogar ernstlich böse, wenn du es nicht tust.«

Das Sernersche Benimmbuch für Filous spielt lustvoll mit den herrschenden Klischees von Moral und Wohlanständigkeit. Unverschämt, nicht selten ätzend werden die Widersprüche zwischen gesellschaftlichem Schein und Sein auf die Spitze getrieben. Der erste Abschnitt, 1918 in Lugano entstanden, war explizit als »Manifest dada« angelegt, als subversive Sinn-Camouflage und »prinzipielles Handbrevier«. Der zweite Teil, 1927 in Genf geschrieben, versteht sich indessen als »praktische« Denk- und Handlungsanleitung für den mondänen, stilbewußten Amoralisten.
Mit enzyklopädischer Nonchalance werden Kleidung und Manieren, Reisen und Hotels, Frauen und Männer, Gott und die Halbwelt abgehandelt. Ein anzüglicher Knigge – gleichsam für alle, die sich von der Schamlosigkeit der Moderne nicht länger zum Narren halten lassen wollen: Herrenzynismen wechseln mit Sentenzen der Weltgewandtheit, Travestien des Zeitgeists mit lebensphilosophischen Betrachtungen. Während sich eine durch und durch bigotte Gesellschaft in den Saturnalien der Selbstidealisierung berauschte, schrieb Walter Serner ihr die denkbar luzideste Ernüchterungsprosa auf den Leib.

 

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About the author (2009)

Walter Serner (1889–ca. 1942), als Walter Eduard Seligmann im böhmischen Karlsbad geboren, studierte Jura in Wien, ging 1912 nach Berlin und wurde zum personifizierten Unruhegeist des Dada-Zeitalters. In den Zwanzigerjahren tat er sich als Essayist, Literat und Aktionskünstler hervor. Von den Nazis verfolgt, lebte er noch einige Monate im Prager Ghetto, ehe sich seine Spur in einem deutschen Vernichtungslager verliert.

Georg M. Oswald, geboren 1963 in München, ist Jurist. Er debütierte 1995 mit "Das Loch. Neun Romane aus der Nachbarschaft" und wurde mit dem Förderpreis des Freistaates Bayern ausgezeichnet. 1997 erschien sein erster Roman "Lichtenbergs Fall", der beim Publikum und bei der Literaturkritik starke Beachtung fand. Oswald wurde 2000 mit dem International Prize und dem Arno-Schmidt-Stipendium ausgezeichnet.

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