Marcus Herz' Bild des gebildeten Juden: Das jüdische Selbstverständnis, wie es im „Freymüthigen Kaffegespräch“ in Auseinandersetzung mit den Stücken „Die Juden“ von Gotthold Ephraim Lessing und „Die abgedankten Officiers“ von Stephanie dem Jüngeren geäußert wird

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GRIN Verlag, Jul 19, 2004 - Literary Criticism - 28 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft, Note: 1,3, Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft), Veranstaltung: Proseminar: 'Jüdische Literatur edieren', Sprache: Deutsch, Abstract: Der Jude – ein Typus, der sich durch die Weltanschauung und das Weltverständnis der Jahrhunderte zieht: der ewig Fremde, der Gehasste, Vertriebene, Hinterlistige, Hässliche, Habgierige, Betrüger, das Schreckbild in Kunst und Realität. Dieser Vorstellung vom Juden bediente man sich auch in der Literatur. Spätestens seit der Barockzeit war „Jude“ geradezu gleichzusetzen mit dem habgierigen Wucherer, man brauchte ihn nicht extra charakterisieren, denn seine Zugehörigkeit zum Judentum erklärte schon seine Eigenschaften. Man findet derart negativ besetzte Judenfiguren in der gesamten Weltliteratur, bis hin zu den antisemitischen Werken des 20. Jahrhunderts.1 Eine Ausnahme bilden die in literarischen Stoffen verarbeiteten biblischen Figur en, deren Judentum meistens für den Inhalt keine Bedeutung hat und nicht thematisiert wird, sowie die zu bekehrenden Juden in den kirchlichen Spielen des Mittelalters und der Barockzeit.2 Der Beginn eines Umdenkens zeichnete sich im 18. Jahrhundert ab, als die Vordenker der Aufklärung den allgemein verbreiteten und nicht sonderlich angefochtenen Antisemitismus zu hinterfragen begannen. Auf dem Gebiet der deutschen Literatur werden Ch. F. Gellert und G. E. Lessing allgemein als die beiden großen Schriftsteller betrachtet, die als Erste positive Judenfiguren zeichneten. In Gellerts „Leben der schwedischen Gräfin von G***“ (1746) taucht ein Jude auf, dem ein christlicher Graf das Leben rettet und der dieses auf edle Weise belohnt. Lessing schuf zwei weise und edle Judengestalten, den Nathan und den namenlosen Reisenden, um den es in folgender Arbeit unter anderem gehen soll. Der „edle Jude“ wurde zum Objekt öffentlicher Diskussion. Von jüdischer Seite aus entwickelte sich im 18. Jahrhundert ebenfalls eine Aufklärungsbewegung, die sogenannte „Haskala“ mit Moses Mendelssohn an der Spitze. [...] 1 Zu Judenfiguren auf der deutschen Bühne bis zur Aufklärung siehe Jenzsch, Helmut: Die literarische Tradition der Judenfigur bis zur frühen Aufklärung. In: ders.: Jüdische Figuren in deutschen Bühnentexten des 18. Jahrhunderts. eine systematische Darstellung auf dem Hintergrund der Bestrebungen zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden, nebst einer Bibliographie nachgewiesener Bühnentexte mit Judenfiguren der Aufklärung. Diss. Hamburg 1971. S. 67-87. 2 Siehe Jenzsch.
 

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Contents

Einleitung
3
Das Verhältnis zwischen Juden und Deutschen in Die Juden von Gotthold Ephraim Lessing
5
Das Verhältnis zwischen Juden und Deutschen in Die abgedankten Officiers von Stephanie dem Jüngeren
13
Das Leitbild des gebildeten Juden im Freymüthigen Kaffegespräch
18
Schluss
24

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