Marie Luise Kaschnitz als "ewige Autobiografin“ ?: Das Todesmotiv in dem Gedichtband "Dein Schweigen - Meine Stimme"

Front Cover
GRIN Verlag, Jul 19, 2010 - Literary Criticism - 42 pages
0 Reviews
Studienarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Deutsche Philologie, Neuere Deutsche Literatur), Veranstaltung: Lyrik der 1960er Jahre, Sprache: Deutsch, Abstract: Schreibend Schreibend wollte ich Meine Seele retten. Ich versuchte Verse zu machen Es ging nicht. Ich versuchte Geschichten zu erzählen Es ging nicht. Man kann nicht schreiben Um seine Seele zu retten. Die aufgegebene treibt dahin und singt. (aus: Dein Schweigen – Meine Stimme, 1962) Es gibt von Marie Luise Kaschnitz nur zwei literarische Werke, in denen sie die Vokabel „Ich“ – oder ein dazugehöriges Pronomen – im Titel verwendet. Beide Werke sind, nicht zufällig, zu Beginn der 60er Jahre entstanden. Zum einen handelt es sich hierbei um den Gedichtband „Dein Schweigen – Meine Stimme“ (1962) und zum anderen um die Ich-Erzählung „Wohin denn ich“ (1963). Das erstgenannte Werk, aus dem auch das Gedicht „Schreibend“ stammt, ist stark von der Erfahrung der Trennung und des Todes geprägt. Kaschnitz, die zuvor mit Frauen-, später mit der Trümmerliteratur in Verbindung gebracht wird, hat mit diesem Gedichtband etwas thematisch gänzlich Neues geschaffen. „Die Liebesklage am Ende eines gemeinsamen Lebens, der Schmerz und die Schmerzüberwindung, die Trauer um den einen Menschen – sie sind intellektuell und seelisch vertieft, in der deutschsprachigen Dichtung nicht mehr wiederholt worden.“ Doch warum verwendet Kaschnitz gerade zu dieser Zeit die Ich-Perspektive und verbindet diese mit dem Thema Tod? Bringt man nach dem Lesen des Gedichtbands beide Aspekte in Relation, so lässt sich vermuten, dass sie einen geliebten Menschen verloren hat, den sie in der Literatur und mit Hilfe derer am Leben halten möchte. Die Vermutung wird durch ihre Selbstbeschreibung als „ewige Autobiografin“ zweifelsfrei untermauert. So könnte man noch vor der Analyse ihrer Gedichte und ihrer Biografie zu dem Ergebnis kommen, dass mit dem Ich in ihren Werken Kaschnitz selbst gemeint ist. Jedoch gibt es von der Autorin eine Äußerung in „Orte“, die dieser Erkenntnis widerspricht. Entschlossen schreibt sie: „Der Tod ist in meinen Gedichten, Geschichten, Aufzeichnungen überall anzutreffen, aber in meinem Alltag nicht.“
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Other editions - View all

Common terms and phrases

Bibliographic information