Marie Luise Kaschnitz und ihr Frühwerk

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GRIN Verlag, 2007 - 44 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,8, Universitat Leipzig (Institut fur Germanistik), Veranstaltung: Weibliches Schreiben-Autorinnen des 20. Jh., Sprache: Deutsch, Abstract: "Der Tod ist in meinen Gedichten, Geschichten, Aufzeichnungen uberall anzutreffen, aber in meinem Alltag nicht." (Orte, S. 179) Marie Luise Kaschnitz - Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts, Buchhandlerin, Ehefrau, Mutter, Globetrotterin und sensible Frau. Im Mittelpunkt der folgenden Arbeit steht ihre Lyrik der 30er Jahre, die von ihr zwar abgewertet wurde, aber voller Bildhaftigkeit und Expressivitat ist, so wie es auch in ihren Spatwerken zu finden ist. Unter der Fragestellung, ob sich die Kaschnitz, 1901 geboren, eher der Tradition oder der Moderne angeschlossen hat, sollen die beiden Gedichte "Am Strande" und "Juni" (beide 1935) untersucht werden. Berucksichtigt werden personliche und gesellschaftliche Umstande, die ihre Themenwahl zu erklaren versuchen, so dass am Ende das obenstehende Zitat etwas deutlicher wird. Marie Luise Kaschnitz, die erst spat mit der Schriftstellerei begonnen hat, zeigt bereits in ihrer fruhen Literatur Ausdruckskraft und Konnen, so dass auch ihr leider etwas in Vergessenheit geratenes Fruhwerk sehr lesenswert ist und bleiben sollte.
 

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Page 2 - Ich kann meine Mutter nicht verstehen, ihre Lebensfrische, ihre schreckliche Munterkeit, ihre unheimliche Kraft. Wenn sie anfängt zu singen, halte ich mir die Ohren zu, wenn ich höre, wie sie durch die Wohnung läuft und »Kinder, schönes Wetter« ruft, geht etwas in mir vor wie ein Krampf und ein Zittern und ein Haß. Und der Ordner Nr. 3 kommt und sagt, schon als Kind habe meine Mutter einen unbändigen Willen zur Freude gehabt und habe am Abend beim Insbettgehen das Wort , Morgen...
Page 8 - Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten, Folg ich der Vögel wundervollen Flügen, Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen, Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten. Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten Träum ich nach ihren helleren Geschicken Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
Page 5 - Die Vergänglichkeit war schon das Thema eines alten Strandgedichts, sie ist später zum Zentralthema meiner Lyrik geworden. Die strengen Formen haben sich ebenso wie die Anklänge an Mittelmeerisch-Mythisches nach dem Kriege verloren, aber mit den für mich neuen freien Rhythmen habe ich nicht wie Trakl ein dunkles Zwischenreich beschworen. Gewiß, ich hätte es nicht gekonnt, mir fehlte jene, an Trakl gerühmte Fähigkeit...
Page i - Der Tod ist in meinen Gedichten, Geschichten, Aufzeichnungen überall anzutreffen, aber in meinem Alltag nicht. Ich denke nicht an ihn, jeder Versuch, ihn mir vorzustellen, wird abgebrochen, er kommt noch früh genug.
Page 3 - Gedanken752 und Ideenwelt gehabt. Ich glaube, daß mein Mann eher froh darüber war. Eine Frau, die am Diwan sitzt und auf den Mann wartet, hätte ihn verrückt gemacht. Dagegen ist eine Mutter, die immer auf ihre Kinder wartet, wahrscheinlich ganz ideal. Weil ich das gespürt habe, habe ich von meiner Arbeit nie etwas hergemacht. Ich habe oft heimlich, im Kaffeehaus, zwischen den Einkäufen, gearbeitet.
Page 7 - Voll von jungen Tieren war die Erde. 10 Fohlen jagten auf den grellen Weiden, 1 1 Vögel reckten schreiend sich im Neste, 12 Gurrend rührte sich im Schilf die Brut.
Page 8 - Drehten sich der Mühlen schwere Flügel, 20 Neigten sich die Segel auf dem Haff.

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