Martin Walsers "Templones Ende": Die Entwicklung des Protagonisten in Relation zu seinem gesellschaftlichen Umfeld

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GRIN Verlag, 2007 - 60 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,0, Universitat Luneburg (Institut fur Germanistik), 7 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Erzahlung Templones Ende" handelt von einem alteren Herrn (Templone), der mit seiner Tochter Klara eine Villa im ehemals sehr teuren Villenviertel von Bernau bei Berlin bewohnt. Nach dem Krieg verlieren die Villen in Bernau rapi-de an Wert, wodurch viele Nachbarn Templones ihren Besitz verkaufen. Der Protagonist verliert so immer mehr davon, woruber er seinen Selbstwert und seine Sicherheit definiert hat. Mit zunehmender Vereinsamung wird in ihm der Verdacht, neu hinzuziehende Nachbarn waren Teil einer feindlichen Verschwo-rung, immer starker. Diese Vermutung veranlasst den Protagonisten im Verlauf der Erzahlung dazu, zu immer skurriler werdenden Mitteln zu greifen, um gegen diese "Verschworung" vorzugehe. In Kapitel zwei werde ich zunachst die Ausgangssituation des Protagonisten sowie seine grundlegenden Merkmale und Einstellungen aus der Erzahlung herausarbeiten, um diese spater mit seiner Entwicklung in Beziehung setzen zu konnen Kapitel drei bis funf werden eine Analyse des Erzahltextes hinsichtlich der Enwicklung des Protagonisten bilden. Wichtige Einschnitte in seinem Leben und Entwicklungsfolgen werde ich hier darstellen. Dabei werde ich die Entwicklung des Herrn Templone zu seinem gesellschaftlichen Umfeld und seinem Charater in Beziehung setzen, um Entwicklungsleitmotive zu finden. Da es mir nicht moglich war, Sekundarliteratur zu vorliegendem Text zu finden, werden die textgestutzten Interpretationen allein meine Ansicht der Dinge darstellen. Ich stutze mich mit dieser Vorgehensweise auf eine Aussage Martin Walsers, der in einer Rede zur Einfuhrung in eine Poetikdozentur an der Universitat Heidelberg ausserte, ..". dass es nach [seiner] ... Erfahrung im Umgang mit Literatur keine privilegierte Bedeutungsschopfung gebe, dass vielmehr jede Leser
 

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Contents

Einleitung
2
Die Ausgangssituation des Protagonisten
5
Die Veränderung der Nachbarschaft des Protagonisten und seine daraus
8
Die Veränderung derTochter Klara
15
Schematische Darstellung der Entwicklung des Protagonisten
19
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Popular passages

Page 23 - Der Gasmann, der ja sein monatliches Geld haben muß, kam später dazu und holte gleich die Nachbarn von links und rechts. Die besahen sich alles und sorgten für die Beerdigung des alten Herrn, der zwischen ihnen gelebt hatte, unverständlich wie ein Stein. Aber sie trugen es ihm nicht nach, daß er nie gegrüßt hatte, wenn man ihm begegnet war.
Page 12 - Nachbarn kennenzulernen, um gewappnet zu sein gegen alle Überraschungen, die sich jenseits ihrer Gartenmauern vorbereiten konnten. Und abends schlich Herr Templone in gebückter Haltung, seine Tochter an der Hand hinter sich herziehend, zur Gartenmauer, verbreiterte die glitzernde Spur der Glasscherben auf der Mauerkrone, säte Eisenhaken und scharfe Blechschnitzel nach einem von ihm selbst gezeichneten Plan und preßte sein Ohr und das seiner Tochter gegen das rauhe Mauerwerk, um aus dem Wortgeschwirre...
Page 18 - ... sich zu erheben, den Mund geöffnet, war mit offenem Mund wieder auf den Teppich niedergebrochen, hatte noch gespürt, wie ihm Haare, Staub und Faserzeug in die Mundhöhle drangen, trocken, scharf und stechend, dann hatte er sich nicht mehr gewehrt, war liegengeblieben unter dem großen schweren Buch, hatte mit den Augen die Stelle des Teppichs, die er noch sehen konnte, wieder und wieder abgetastet, bis er nichts mehr sah und nichts mehr spürte. Der Gasmann, der ja sein monatliches Geld haben...
Page 18 - ... wußte ja, daß Templone ein Fachmann ist, daß man ihm nicht mit den Druckmittelchen kommen konnte, denen die anderen erlagen, nachts Lastwagen vor dem Haus halten lassen, Scheinwerfer, die die Fassaden abtasten, Metallgeräusche und Gelächter hinter hohen Mauern, das zieht nicht bei Templone, Templone muß man allein lassen, denn ein Mann wie Templone kann nur von sich selbst zur Strecke gebracht werden, soweit wäre es also, nicht wahr, Herr Templone . . . Templone wachte aus solchen Träumen...
Page 9 - Und glichen sie einander nicht, als wären sie alle untereinander verwandt? Oder gehörten sie gar einer Sekte an, einer Sekte, die den Plan gefaßt hatte, ganz Bernau für ihre Mitglieder zu erobern? Je mehr Herr Templone vereinsamte, desto schärfer beobachtete er. Oft lag er abendelang hinter seinen Mauern und lauschte hinüber in die fremden Gärten und versuchte zu verstehen, was dort gesprochen wurde, warum dort so grell und so laut gelacht wurde.
Page 6 - ... und badete sich, weil sie sich auf ihren Wanderungen durch die vielen Zimmer, in denen die Vergangenheit nistete, über und über mit Spinnweb und Staub bezogen hatte. Das Bad dehnte sie bis tief in die Nacht hinein, weil sie das Gefühl hatte, daß ganze Galerien von Zuschauern abzufüttern waren. Nur an Festtagen ging Klara abends noch einmal zu ihrem Vater hinunter, setzte sich neben ihn, bereit, die eine oder andere frostige Zärtlichkeit von ihm entgegenzunehmen. So zirkulierten die beiden...
Page 5 - Zeit zu bedrohen schienen, waren anderer Art, vielleicht waren sie schlimmer als die giftigste Insektensorte, vielleicht waren sie viel, viel harmloser; daß man das nicht recht wußte, war vielleicht sogar das Schlimmste. Als Herr Templone vor dem Krieg seinen Besitz in Bernau erworben hatte, konnte er das Gefühl haben, einen sehr glücklichen Kauf getan zu haben.
Page 16 - ... und schlug, antworteten sie ihm von drinnen mit den unanständigsten Lauten. Mit so unverhüllter Schamlosigkeit verrieten sie durch die Tür hindurch, was sie taten, daß Templone abermals errötete und in seine Bibliothek hinunterging und seine Gäste heimschickte und ihnen zum Abschied noch sagte, sie sollten tun, was sie wollten, verkaufen oder nicht verkaufen, er wisse auch nicht mehr, was zu tun sei. Aber als die Gäste fort waren, raffte er sich noch einmal auf. Er fuhr in die Stadt und...

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