Max Frischs Amerika-Erfahrung als Ferment seines Erzählens

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GRIN Verlag, 2007 - 120 pages
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Magisterarbeit aus dem Jahr 1992 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Gottfried Wilhelm Leibniz Universitat Hannover (Institut fur deutsche Literatur und Sprache), 129 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Max Frisch bezog 1981 eine Wohnung in New York. Die Faszination fur diese Stadt hatte ihn seit seinem ersten Besuch 1951 nicht mehr losgelassen. Obwohl es ihn in alle moglichen Winkel der Welt hinausgezogen hatte, pragte und fesselte keine andere Umgebung diesen Dichter des Fernwehs" nachhaltiger als Amerika. Frischs Auseinandersetzung mit diesem Kontinent bedeutet den Hohepunkt in seinem Schaffen. Aus der Phase dieser Reflexionen stammen seine drei bekanntesten und erfolgreichsten Romane. Es wird gezeigt, bieten Frischs USA-Reisen ihm Erzahlstoff, der sich in den drei Romanen Stiller, Homo faber und Mein Name sei Gantenbein entladt, die daher als Roman-Trilogie verstanden werden konnen. Es ist sogar anzunehmen, dass seine Amerika-Erlebnisse uberhaupt erst Ausloser seines Roman-Erzahlens waren, die wie ein Brennglas langst angelegte Themen bundeln. Also gilt es herauszufinden, welchen Einfluss diese Amerika-Erfahrungen auf seine literarische Produktion hatten und inwieweit sie verantwortlich fur die drei Romane sind, die zwischen 1954 und1964 entstanden Die Arbeit verfahrt mehrgleisig. Wahrend ein Beweis der Trilogie gefuhrt wird, soll es auch darum gehen, Parallelen zu fruheren Arbeiten aufzuzeigen und historische Zusammenhange darzustellen, um die Bedeutung Amerikas fur Frisch deutlich werden zu lassen. Daruber hinaus stellt sich die Frage, was er eigentlich nach seinen Amerika-Erlebnissen erzahlte, welche Fragen diese Reise-Erfahrungen fur ihn aufwarfen. Und was veranderte sich in Frischs Werk im Gegensatz zu fruheren Themen, deren Vorlauferfunktion fur die drei spateren Romane gezeigt werden muss. Dabei richtet sich das Augenmerk auch auf personliche Aussagen Frischs und einige biographische Daten. Denn
 

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Page 57 - Ich habe mich schon oft gefragt, was die Leute eigentlich meinen, wenn sie von Erlebnis reden. Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Ich sehe alles, wovon sie reden, sehr genau; ich bin ja nicht blind.
Page 64 - Band, und es gibt keine Hoffnung, daß wir uns selber nachholen und einen Augenblick unseres Lebens verbessern können. Wir sind das Damals, auch wenn wir es verwerfen, nicht minder als das Heute — Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur.
Page 76 - Was Amerika zu bieten hat: Komfort, die beste Installation der Welt, ready for use, die Welt als amerikanisiertes Vakuum, wo sie hinkommen, alles wird Highway, die Welt als Plakat- Wand zu beiden Seiten, ihre Städte, die keine sind...
Page 30 - Unsere Meinung, daß wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind - nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muß es sein. Wir können nicht mehr!
Page 27 - Ich hatte die bestimmte Empfindung, jetzt erst geboren worden zu sein, und fühlte mich mit einer Unbedingtheit, die auch das Lächerliche nicht zu fürchten hat, bereit, niemand anders zu sein als der Mensch, als der ich eben geboren worden bin, und kein anderes Leben zu suchen als dieses, das ich nicht von mir werfen kann.
Page 80 - Als Stückeschreiber hielte ich meine Aufgabe für durchaus erfüllt, wenn es einem Stück jemals gelänge, eine Frage dermaßen zu stellen, daß die Zuschauer von dieser Stunde an ohne eine Antwort nicht mehr leben können - ohne ihre Antwort, ihre eigene, die sie nur mit dem Leben selber geben können.
Page 27 - Es blieb mir die Erinnerung an eine ungeheure Freiheit: Alles hing von mir ab. Ich durfte mich entscheiden, ob ich noch einmal leben wollte, jetzt aber so, daß ein wirklicher Tod zustande kommt.
Page 17 - Was die Soziologie nicht erfaßt, was die Biologie nicht erfaßt: das Einzelwesen, das Ich, nicht mein Ich, aber ein Ich, die Person, die die Welt erfährt als Ich, die stirbt als Ich, die Person in allen ihren biologischen und gesellschaftlichen Bedingtheiten; also die Darstellung der Person, die in der Statistik enthalten ist, aber in der Statistik nicht zur Sprache kommt...

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