Neue Sachlichkeit, Angestelltenkultur und Geschlecht: Irmgard Keuns Zeitroman "Das kunstseidene Mädchen"

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GRIN Verlag, 2009 - 64 pages
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache, Note: 1,7, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Philosophische Fakultät), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Zielsetzung dieser Arbeit verlangte die Untersuchung der Realitätsnähe des Romans unter ökonomischen, sozialen und kulturellen Gesichtspunkten. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Konzeption der Figur Doris für die junge, weibliche Angestellte in den rationalisierten Büros und Betrieben der Weimarer Republik repräsentativ war. Die prosperierende Kulturindustrie offerierte massenhaft Zerstreuungsangebote, die mit Begeisterung wahrgenommen wurden und für viele Angestellte Fluchtpunkte darstellten. Auch Doris erliegt den angebotenen Scheinwelten und Blendungsversuchen, die sie aus den Massenmedien rezipiert; ihre Erlebnisse schildert sie in einer Art Drehbuch. Dabei rekurriert sie nicht nur auf zeitgenössische Inhalte aus Film und Schlager - ihr Tagebuch weist darüber hinaus auch cineastische Stilelemente auf. Irmgard Keun greift die öffentliche Diskussion über Sexualität, Prostitution und Moral auf und widmet sich explizit diesen Themen. Doris' anfängliche sexuelle Selbstbestimmtheit, der Einsatz ihres Körpers als Produktionsmittel und die Darstellung von Prostituierten stehen exemplarisch dafür. Darüber hinaus findet im Roman eine Auseinandersetzung mit dem Typus 'neue Frau' statt. Das kunstseidene Mädchen lässt sich im Spannungsfeld von Ökonomie, Massenkultur und Geschlechterrollen verorten. Die Verknüpfung dieser Topoi wird besonders am Motiv, "ein Glanz" zu werden, deutlich. Hier werden kulturindustriell generierte Lebensentwürfe und Scheinidyllen 'neuer Frauen' mit ihrer ökonomisch häufig prekären Situation verbunden, werden Mode, Filmstars und Glamour der Weltwirtschaftskrise, Armut und Prostitution gegenübergestellt. Das kunstseidene Mädchen ist damit nicht nur eine kritische Auseinandersetzung mit dem neuen Frauenbild der Zwanziger Jahre, e
 

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Contents

Einleitung
1
Kunst und Massenkultur in der Weimarer Republik
13
Geschlechterrolle und Sexualität
29
Neue Sachlichkeit
46
Literaturverzeichnis
52
Copyright

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About the author (2009)

Der 1933 in Frankfurt (Oder) geborene Autor war uber vierzig Jahre an der Padagogischen Hochschule Potsdam und nach der Wende an der Potsdamer Universitat lehrend und forschend tatig. Er war Mitverfasser mehrerer Lehrbucher auf dem Gebiet der Physikaischen Chemie (zuletzt: Bechmann/ Schmidt Einstieg in die Physikalische Chemie fur Nebenfachler 4. Auflage 2010). In der Forschung arbeitete er praparativ und auf dem Gebiet der Reaktionskinetik. Zuletzt war der Autor innerhalb einer groen Forschungsgruppe beteiligt an der Untersuchung der Hydrophobizitat von Wirkstoffen.Die Zielstellung war, katalytisch wirkende Antikorper zu gewinnen.

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