Neuere Gerbemethoden und Gerbetheorien

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Vieweg+Teubner Verlag, 1915 - Juvenile Nonfiction - 145 pages
Einer der jiingsten Zweige an dem groBen Baume der chemischen Wissenschaft ist die Gerbereichemie. Es wurde zwar gegen diese Bezeichnung schon Einspruch erhoben, und es ist ohne weiteres zuzugeben, daB auch physikalische Prozesse in der Gerberei eine groBe RoIle spielen. Aber die HauptroIle spielt doch die Chemie, und da man auch von einer physi­ kalischen Chemie spricht, so kann man den Ausdruck Gerberei­ chemie fUr die gesamte Gerbereiwissenschaft wohl ebenfaIls beibehalten. Langer als andere Industrien hat sich die Lederindustrie gegen eine wissenschaftliche Durchdringung gestraubt. Eine Besserung brachte zuerst die Griindung wissenschaftlicher Versuchsstationen und Fachschulen (Wien, Freiberg, Turin, Waalwijk), sowie die Errichtung besonderer Lehrstiihle an Hochschulen (Leeds, Lyon, Liittich), aber den HauptanstoB zu der raschen Entwickelung der Gerbereichemie gab doch die im Jahre 1897 erfolgte Griindung des In t e rna tion al en Vereins der Lederindustrie-Chemiker (I. V. L. I. C. ), welcher vor Ausbruch des Krieges in neun Sektionen (Deutsch­ land, 6sterreich-Ungarn, England, Frankreich, Italien, Belgien, Holland, Skandinavien, Spanien) iiber 500 Mitglieder zahlte und ein eigenes Organ, das "Collegium", herausgibt. Natiir­ lich ist auch die Riickwirkung der Theorie auf die Praxis nicht ausgcblieben, und man wird Stiasny recht geben miissen, wenn er (1913) meint, die Fortschritte in der Lederindustrie werden in den nachsten 50 bis 100 Jahren groBer se in als in den letzten 1000. In dieser raschen Entwickelung der Gerbereichemie ist durch den groBen Krieg eine Pause eingetreten, und der Zeit­ punkt mag daher zu einem Riickblick geeignet erscheinen.
 

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Page 39 - Gerbung muß von einer Oxydation der Hautfaser begleitet sein, findet eine solche nicht statt, so resultiert ein mangelhaftes, vor allen Dingen nicht wasserbeständiges Leder.
Page 85 - Resultate: 1. Bei der Adsorption (jedenfalls des Phenols und vermutlich aller Stoffe, die keine Niederschläge mit der Hautsubstanz bilden) durch Hautpulver handelt es sich um ein bewegliches Gleichgewicht, das von der Temperatur nur sehr wenig abhängig ist. 2. Die Gleichung c — K a"' ist nur in einigen Fällen ein brauchbarer analytischer Ausdruck für die Adsorption durch Hautpulver.
Page 39 - Adsorption unentbehrlich, weil die Poren der Haut sehr eng und daher die inneren Hautmoleküle zunächst mit dem Gerbstoff, auch mit dem gelösten, gar nicht in Berührung sind und daher auch nicht mit ihm chemisch reagieren können. Aus demselben Grunde erfordert der Gerbeprozeß Zeit, und spielen sich die physikalischen und chemischen Vorgänge nebeneinander ab, die äußeren Hautpartien können schon den physikalischen und chemischen Teil der Gerbung hinter sich haben, während die inneren noch...
Page 40 - Gerbeprozess in irgendeiner Richtung beeinflussen können, ohne für denselben von wesentlicher Bedeutung zu sein. Der primäre Gerbstoff kann auch der eigentliche sein, in verschiedenen Fällen wird er aber zunächst, entweder durch den Luftsauerstoff oder durch das als Lösungsmittel dienende Wasser in den eigentlichen (sekundären) Gerbstoff umgewandelt, und erst dieser reagiert mit der Haut. Physikalische Eigenschaften der Gerbstoffe. Der eigentliche Gerbstoff darf kein Kolloid sein, weil er...
Page 7 - Grenzschicht im allgemeinen die niedrigste. Als Kriterien einer „Absorptionsverbindung" habe ich angenommen: 1. Die absorbierten Mengen stehen in keinem Äquivalentverhältnis zu den absorbierenden Mengen. 2. Die Zusammensetzung variiert mit der Struktur der absorbierenden Substanz und mit allen Modifikationen, welche diese letztere durch die Art ihrer Bereitung, durch Alter (säkulare molekulare Umsetzungen), Erhitzung, Einwirkung von anderen Stoffen usw bleibend erfährt.
Page 86 - meist > 90°. 3. Die Gegenwart mittlerer Salzmengen ist nicht von merkbarem Einfluß in den untersuchten Fällen, wohl aber die von Säuren und Alkalien, was jedenfalls mit der Quellung der Haut erheblich zusammenhängt. 4. In zwei Fällen (bei Anwendung von Zucker und Eiweiß) wurde negative Adsorption beobachtet. • 5. Die Adsorption der Kolloide entspricht der Regel von Hardy ; dem Gel entgegengesetzt geladene Kolloide werden adsorbiert, gleichsinnig geladene nicht.
Page 85 - Regel verknüpft ist. Als Ergebnis der vorliegenden Versuche kann etwa folgendes registriert werden : 1. Bei der Adsorption (jedenfalls des Phenols und vermutlich aller Stoffe, die keine Niederschläge mit der Hautsubstanz bilden) durch Hautpulver handelt es sich um ein bewegliches Gleichgewicht, das von der Temperatur nur sehr wenig abhängig ¡st.
Page 29 - Leder ist tierische Haut, welche beim Einlegen in Wasser und nachherigen Auftrocknen nicht hart und blechig wird, sondern weich und geschmeidig bleibt, welche bei Gegenwart von kaltem Wasser nicht fault und beim Kochen mit Wasser keinen Leim liefert.
Page 41 - in der Form, in welcher er von der Haut aufgenommen wird", amorph sein müsse, kann man daher auch heute noch gelten lassen. Chemische Eigenschaften der Gerbstoffe. Wenn auch die eigentlichen Gerbstoffe in ihrer chemischen Natur sehr verschieden sind, so zeigen sie doch ein gemeinsames Merkmal: sie enthalten sämtlich reaktionsfähigen Sauerstoff, dh Sauerstoffatome, welche gern mit Wasserstoffatomen anderer Verbindungen Wasser bilden. In einigen Fällen sind die betreffenden Sauerstoffatome aktiv,...
Page 110 - Stoffe, dadurch gekennzeichnet, daß Phenole oder Phenolsulfosäuren oder Gemische von Phenolen und Phenolsulfosäuren mit Formaldehyd bzw. Formaldehyd entwickelnden Stoffen und Schwefelsäure bzw. substituierten Schwefelsäuren in solchen Mengen, so lange und unter derartig milden Bedingungen, insbesondere unter Vermeidung allzu lebhafter Wärmeentwickelung, zur Reaktion gebracht werden, daß ganz ode.r doch im wesentlichen in Wasser lösliche Produkte erhalten werden.

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