Nietzscheanistische Figurenkonzeption bei Alfred Döblins Protagonisten Franz Bieberkopf und Wang-lun

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GRIN Verlag, 2007 - 64 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1, Ludwig-Maximilians-Universitat Munchen (Deutsche Philologie), Veranstaltung: Proseminar Alfred Doblin SS 01, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Es geht hauptsachlich um die Nietzscherezeption in der Zeit des Expressionismus. 180 KB, Abstract: Die Epoche des literarischen Expressionismus ist von einer thematischen Vielfalt, von verschiedensten Motiven und stilistischen Ausdrucksmoglichkeiten gezeichnet. Sie ubernimmt asthetisch-philosophische Denkansatze in einer Weise, dass sich die Forschung beinahe grenzenlos daruber ergehen kann, die Masse der Einzelaspekte theologisch, philosophisch und sozialtheoretisch zu analysieren. Aber auch signifikante "Einheitsprinzipien, wie z.B. das des neuen Menschen, der sozialen Revolte oder der Ich-Dissoziation" sind Gegenstand der wissenschaftlichen Reflexion des literarischen Expressionismus. Oft ist die Affinitat des Expressionismus zu Friedrich Nietzsche untersucht worden, der mit seiner monumentalen, experimentellen Lebenstheorie der Selbst-Uberwindung und Vitalitat als einer der bedeutendsten gedanklichen Paten der Zeit nach 1900 zu sehen ist. Doch muss man vorsichtig sein, nicht darauf zu verfallen das Werk Nietzsches mit der expressionistischen Reflexion bezuglich Nietzsche zu verwechseln, wenn man die Einflusse des Philosophen auf die Epoche untersucht. Man muss hier unterscheiden zwischen der Wahrnehmung der Philosophen und der Dichter; wahrend "sich Philosophen um die richtige Deutung seiner [d.i. Nietzsche] Werke bemuhten, stellten ihn Dichter in den grossen poetischen Weltdiskurs," es "nahm sich jeder von Nietzsche, was er brauchen konnte" . So wurden Schlagworter wie der Ubermensch, die nicht vorhandene, objektive Wahrheit und die subjektive Selbst-Uberwindung schnell auf den Rucken der Literatur gespannt und zum Zugwerk der Dichtung. Daher kann die Analyse nicht von Nietzsches Theorem selbst auf den Expressionismus schlie
 

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Page 21 - Beben empfängt er Idas Worte, Miezes Gesicht, sie ist es, nun ist alles erfüllt. Franz weint und weint, ich bin schuldig, ich bin kein Mensch, ich bin ein Vieh, ein Untier. Gestorben ist in dieser Abendstunde Franz Biberkopf, ehemals Transportarbeiter, Einbrecher, Ludewig, Totschläger. Ein anderer ist in dem Bett gelegen. Der andere hat dieselben Papiere wie Franz, sieht aus wie Franz, aber in einer anderen Welt trägt er einen neuen Namen.
Page 22 - Neue Werte schaffen - das vermag auch der Löwe noch nicht: aber Freiheit sich schaffen zu neuem Schaffen - das vermag die Macht des Löwen.
Page 21 - Jetzt ist er kraftlos. Das feste Haus kann er nicht mehr sehen. Aber siehe, wie er am Stettiner Bahnhof aussteigt, am Vorortbahnhof, und vor ihm das große Baltikumhotel liegt, bewegt - sich nichts. Die Häuser halten still, die Dächer liegen fest, er kann sich ruhig unter ihnen bewegen, er braucht in keine dunklen Höfe zu kriechen.
Page 5 - Selbstgefuhl, das für den echten Egoismus noch nicht reif war [!], ließ sie sich fühlen als Übermenschen und Halbgötter. Jeder junge Gott und Tor glaubte sich nun berufen, der ganzen Welt seinen Trotz ins Gesicht zu speien. Jede Liebesnacht wurde den jungen Stürmern, die nach Leben lechzten, zu einer mystischen Offenbarung, die Dirne wurde aus purstem Idealismus zur Göttin erhöht. Es war für alle ausgemacht [...] daß jeder eine Persönlichkeit war.
Page 16 - Sie müssten alle ihre Reinheit und Hoffnungen wie schöne Kleider und Weihrauch auf einem Altar von sich entfernen und vor ihm opfern. Kaiserliche Truppen müssten sie opfern, die letzte Dynastie, sich selbst; es bliebe nichts übrig"67.
Page 10 - Lebensbergriff, der zu konkreten Zielvorstellungen nicht durchdringt. Es geht um erhöhte Vitalität, um ein gesteigertes Selbsterlebnis im Rausche"30.

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