Oberfläche und Nicht-Kommunikation. Figurenerzeugung und ihre Funktion in Christian Krachts Roman 'Faserland'

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GRIN Verlag, Oct 5, 2005 - Literary Criticism - 14 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,2, Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Institut für Deutsche Philologie), Veranstaltung: Deutsche oder deutsch-deutsche Literatur seit 1989, 7 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Christian Krachts Roman Faserland gilt als das Gründungsdokument der deutschen Pop-Literatur. Zwar stehen längst andere Autoren zum Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung, Florian Illies, Benjamin Leber und Alexander v. Schönburg etwa, um nur einige Namen zu nennen, doch der Einfluss Krachts bleibt präsent. Moritz Baßler spricht von einer „initialen Bedeutung“, die das Buch für die Generation der jungen Pop-Autoren wie Benjamin von Stuckrad-Barre und Florian Illies gehabt habe. Mehrere intertextuelle Verweise in den Werken eben jener Autoren zeichnen den Einfluss des Romans auf deren Generation nach, und selbst der wesentlich früher geborene Joachim Lottmann lässt in seinem Roman Deutsche Einheit den Erzähler in problematischen Situationen ausrufen: „Christian Kracht Hilf! Was sagt man da?“3. Im Kontrast dazu steht die wesentlich kritischere Rezeption etwa Matthias Polityckis, der Kracht stilistische Indifferenz unterstellt, indem er ihn zu denjenigen Autoren zählt, die sich „um überhaupt nichts mehr scheren, am allerwenigsten um die Frage, was ein vollgeschwalltes Stück Papier von einem literarischen Text unterscheide“. Malin Schwerdtfeger wiederum, die der Frage nach den ästhetischen Leistungen jener Generation nachgeht, attestiert: „Ich glaube, in der Literatur wird zum Beispiel Christian Kracht bleiben [...].“ In jedem Fall aber wird Kracht eine Bedeutung zuerkannt, die ihn und sein Werk Faserland zum Ausgangspunkt einer literarischen Bewegung macht. Doch woraus speist sich diese Bedeutung? Es ist die unbefangene Darstellung einer Generation gelangweilter junger Menschen aus reichem Hause, die sich zwischen zwei Polen bewegt: Oberflächlichkeit und Unfähigkeit zur Kommunikation. Kracht zeigt diese Welt , ohne sie zu propagieren. Aus der Mitte heraus führt er die Inhaltsleere des Protagonisten und seiner Umwelt vor, das Sich-Definieren über Marken, Clubs, Urlaubsorte und andere Merkmale, die auf der Oberfläche verbleiben, und erlaubt seinem Ich-Erzähler einen ungezwungenen, provozierenden Umgang mit der deutschen Geschichte und den Wertvorstellungen der 68er-Generation. Beides schien die nachfolgenden Autoren von den Fesseln jeder moralischen Aufgeladenheit zu erlösen.
 

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