Otto Weiningers 'Geschlecht und Charakter' als Weltanschauungsliteratur

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GRIN Verlag, Sep 1, 2006 - Literary Criticism - 19 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 15 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die philosophische Dissertation von Otto Weininger mit dem TitelGeschlecht und Charakterwurde im wissenschaftlichen Diskurs hauptsächlich inhaltlich betrachtet, das heißt, den misogynen und antisemitischen Charakter des Werkes herausgestellt. Die Abhandlung ist aber aus einem anderen Gesichtspunkt nicht weniger interessant: die Frage nach den Darstellungsverfahren des Inhalts. Denn Weiningers Buch ist zwar formell eine wissenschaftliche Arbeit, argumentativ kann man es jedoch der Weltanschauungsliteratur zuordnen - nach Horst Thomé ein Texttyp, der sich für die Vermittlung von Weltanschauungen bestimmter Strategien bedient. In dieser Arbeit soll Geschlecht und Charakter daraufhin untersucht werden, welche Schreibverfahren den Text als Weltanschauung konstituieren. Aufgrund der Komplexität und der Perspektivenvielfalt der Weltanschauungsliteratur im Allgemeinen und von Geschlecht und Charakter im Besonderen ist die Analyse durch eine klare Struktur mit Schwierigkeiten verbunden. Folgende Merkmale, die Weiningers Text als Weltanschauungstext interessant machen, erscheinen mir jedoch für eine Analyse sinnvoll: Aufbau, partielle Wissenschaftlichkeit, Vermischung der Diskurse, pseudowissenschaftliche Beweisführung und Fiktionalität. Da die Weltanschauungsliteratur besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts Konjunktur hatte, möchte ich eine Betrachtung des Texttyps im Kontext der Moderne voranstellen. Da Weiningers misogyne Thesen zur Jahrhundertwende keineswegs als abstrus galten, sondern Teil eines wissenschaftlichen Diskurses über weibliche Sexualität und über die gesellschaftliche Stellung der Frau darstellten, werde ich zusätzlich die kulturellen und sozialen Vorraussetzungen für die frauenfeindliche Ansichten erläutern und Geschlecht und Charakter im Kontext anderer kulturtheoretischer Abhandlungen untersuchen.
 

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