Peter Altenberg - eine wissenschaftliche und didaktische Herangehensweise an eine besondere Persönlichkeit

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GRIN Verlag, 2007 - 60 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen, Note: 1,0, Padagogische Hochschule Freiburg im Breisgau (Institut fur deutsche Sprache und Literatur), Veranstaltung: Zwischen Kaffeehaus und Kabarett: Lyrische uns szenische Texte aus der Donaumetropole Wien, 10 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Diese Hausarbeit hat ihren Schwerpunkt auf dem literaturwissenschaftlichen Teil, fugt jedoch didaktische Umsetzungsmoglichkeiten fur Peter Altenbergs Texte an., Abstract: Peter Altenberg, der antimoderne Modernist und misogyne Feminist, der antisemitische Jude und drogensuchtige Gesundheitsfanatiker, war die Verkorperung der januskopfigen Kultur im Wien des Fin de Siecle. Er inspirierte einige seiner begabtesten Zeitgenossen, nicht nur auf dem Gebiet der Literatur, sondern im gesamten Spektrum der Kunst [...]"(Barker, Andrew: Telegrammstil der Seele. Peter Altenberg - Eine Biographie. 1998 (S. 11)) Er wurde nicht nur von Oskar Kokoschka portratiert und Alban Berg vertont, sondern galt auch als Mussigganger, Aussteiger und Kaffeehausliterat. Seine Werke bewegten die Gesellschaft, vor allem die Weibliche, und sind dennoch schwer einzuordnen; ein Impressionist? Ein Naturalist oder gar ein Dadaist? Uber Altenberg scheiden sich die Geister, die einen sprechen von Genie, die anderen wollen ihm nicht einmal den Dichtertitel anerkennen. Er wurde 1914 fur den Nobelpreis vorgeschlagen und wenig spater verbrannte man seine Bucher. Trotzdem ist dieses sonderbare Talent nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn er erst in den 80er Jahren wiederentdeckt wurde. Peter Altenberg mit seiner facettenreichen Personlichkeit und seinem besonderen Schaffungstrieb soll Gegenstand dieser Hausarbeit sein. Dazu wird zunachst ein kurzen Einblick in seine Biografie gegeben, welche sehr bedeutend fur das Verstehen seiner Werke ist, und anschliessend eine Einfuhrung in die Wiener gesellschaftlichen Verhaltnisse um die Jahrhunde
 

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Page 6 - Man weiß von dir nur, daß du bei tage schliefst und bei nacht in den vergnügungslokalen herumsaßest. Also ein lump, einer, der sein geld vergeudet! Aber nein, das warst du nicht; du warst der sparsamste der sparsamen. Jeden morgen, bevor du dich zur ruhe legtest, zähltest du dein geld. Über jeden heller konntest du dir rechenschaft geben. Jeden ersparten groschen trugst du in die sparkasse. Und als du einmal — es war in Gmunden — von einem hoteleinbruch hörtest, da wurde auch der letzte...
Page 6 - Du warst am liebsten dort, wo Zigeunermusik spielte, Champagner getrunken wurde und die Mädchen tanzten. Also warst Du ein Alkoholiker, mein Lieber. Aber nein, kein Mensch hat den Alkohol so tief gehaßt, wie Du. Wie die Kinder die bittere Medizin verabscheuen, so graute Dir vor Wein und Schnaps, Getränke, die literweise auf Deinem Nachttisch standen und von denen Du glasweise trinken mußtest, um Dir den Schlaf zu verschaffen. Aber bei Tisch hätte es niemand vermocht, Dir ein Gläschen Likör...
Page 6 - Und man frage die Kellner, Marköre und Stubenmädchen. Nein, kein Kavalier gab größere Trinkgelder, als PA Und wenn es sich darum handelte, jemandem eine Herzensergießung rasch zukommen zu lassen, dann wurde der Hausdiener in der Nacht aufgeklingelt, und er mußte ein zehn Seiten langes Telegramm am Hauptamt aufgeben, für das die hundert Kronen fast aufgingen, die er von Dir mitbekam.
Page 4 - Ich hasse die Retouche. Schmeiß es hin und gut -! oder schlecht! Was macht das?! Wenn nur du es bist, du und kein anderer, dein heiliges Du! Ihr Wort 'Selbstsucher' ist wirklich außerordentlich.
Page 6 - Aber ich soll Dich den Leuten erklären. Man weiß von Dir nur, daß Du bei Tage schliefst und bei Nacht in den Vergnügungslokalen herumsaßest. Also ein Lump, einer, der sein Geld vergeudet! Aber nein, das warst Du nicht; Du warst der Sparsamste der Sparsamen. Jeden Morgen, bevor Du Dich zur Ruhe legtest, zähltest Du Dein Geld. Über jeden Heller konntest Du Dir Rechenschaft geben. Jeden ersparten Groschen trugst Du in die Sparkasse. Und als Du einmal es war in Gmunden - von einem Hoteleinbruch...
Page 7 - Wie enttäuscht waren sie, wenn sie Dich sprechen hörten. Denn Du kanntest die Frau, Du, der Du eine Frauenseele in deinem Manneskörper trugst. Eine perverse Frauenseele allerdings, so daß für die Welt alles in Ordnung schien. Nur Dein Verhältnis zu den Kindern mußten sie mißverstehen. Sie wußten nicht, daß es ein weibliches, mütterliches Verhältnis war. Weiblich war Deine peinliche Ordnungsliebe, Deine Reinlichkeitsliebe für Deine Sachen.
Page 7 - Tapete, die er ausgesucht hat, wird noch aufzutreiben sein. Und alles an die alte gehörige Stelle, samt dem kleinen Weihwasserbecken, dem Rosenkranz und dem Bilde der Muttergottes aus Mariazell um zehn Kreuzer, das ihm das Stubenmädchen mitgebracht hat. Die Stubenmädchen! Sie haben im Grabenhotel an Deinem Todestag sicher alle geweint. Aber auch der Hausdiener. PA war ein Tyrann. Aber noch nie wurde ein tyrannischer Herr so geliebt wie dieser, weil er der menschlichste unter allen Tyrannen war....
Page 6 - Lieber Georg, schicke mir hundert Kronen, habe mein ganzes Geld auf die Postsparkasse getragen und starre nun dem Hungertod entgegen." Also ein Geizhals. Nein, bei Gott, das warst Du nicht. Stets hattest Du eine Kleinigkeit für alle die mißhandelten Kinder, von denen PA in den Zeitungen erfuhr. Peter Altenberg - zehn Kronen.
Page 7 - Nur wenn eine amerikanische oder englische Melodie ertönte, da konntest Du zuhören, begeistert zuhören und mitsingen. Wie eine Oboe klang Deine Stimme, manchmal gefiel Dir auch ein Mädchen. Aber reden wolltest Du mit ihr nicht. Mit Deinen Augen wolltest Du sie genießen — jedes Wort, das sie sprach, brachte Dir eine Enttäuschung.
Page 5 - Mein lieber Peter, man hat mich gebeten, etwas über Dich zu schreiben. Der Leser erwartet vielleicht etwas Feierliches, große und klangvolle Worte, wie sie eben ein Freund finden wird. Aber ich weiß, mein lieber Peter, Du erwartest das nicht von mir. Du warst selbst gegen alles Feierliche. In Deinen Büchern erscheinst Du dem Leser oft pathetisch. Aber wer einmal den Klang Deiner Stimme gehört hat - o, welche schöne Stimme hast Du gehabt! -, dem erschien Deine Schreibweise das Natürlichste...

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