Pharmakos Empedokles. Strukturen und Prozesse der Gewalt in Hölderlins Tod des Empedokles

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GRIN Verlag, 2007 - 64 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: sehr gut (-), Universitat zu Koln (Institut fur dt. Sprache und Literatur), 10 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Diese Arbeit ist darum bemuht, Holderlins Empedokles in eben dieser Funktion eines pharmakos und dessen Tod als ein versohnendes Opfer zu analysieren. Der dafur notige Hintergrund wird der Kulturtheorie Rene Girards entnommen. Sie bietet ein begriffliches und analytisches Instrumentarium, um Holderlins Tragodie einer radikalen, verwegenen, keineswegs aber abwegigen Interpretation zu unterziehen. Zugegeben, eine rucksichtslose Vorhabe, da Holderlins Empedokles nicht anders behandelt wird, wie eine antike Tragodie in der Lesart Girards. Verwegen vielleicht deshalb, weil eine Tiefenstruktur freizulegen ist, in der selbst der genieasthetische Uberbau des Natur-Gottlichen als notwendige Verschiebung eines drastischeren und realeren Phanomens entlarvt wird, namlich dem der Gewalt. Ist Girards These plausibel, dass Gottlichkeit fur die Griechen nichts anderes bedeute, als die ins Absolute gesteigerte Gewalt," und andererseits Holderlin zu den wenigen modernen Autoren gehort, die ein feines Gespur fur den Begriff des wandelbaren Glucks (des gottlichen kydos und thymos) der antiken Tragodie besassen, so ist anzunehmen, dass das furchtbare und faszinierende Spiel der Gewalt auch bei Holderlin prasent i
 

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Contents

11
11
Tragische Zyklothymie 16
16
Versöhnendes Opfer
20
Prognose 25
25
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Popular passages

Page 8 - Denn wohl hab' ichs gefühlt, in meiner Furcht, Daß ihr des Herzens freie Götterliebe Bereden möchtet zum gemeinen Dienst, Und daß ichs treiben sollte, so wie ihr. Hinweg! Ich kann vor mir den Mann nicht sehn, Der Heiliges wie ein Gewerbe treibt, Dein Angesicht ist falsch und kalt und tot, Wie deine Götter sind.
Page 8 - Du weißt es ja, ich hab es dir bedeutet, Ich kenne dich und deine schlimme Zunft, Und lange wars ein Rätsel mir, wie euch In ihrem Runde duldet die Natur. Ach! als ich noch ein Knabe war, da mied Euch Allverderber schon mein frommes Herz, Das unbestechbar, innigliebend hing An Sonn und Äther und den Boten allen Der großen ferngeahndeten Natur. Denn wohl hab...
Page 25 - Sie eignen Flug beginnen. Schämet euch, Daß ihr noch einen König wollt; ihr seid Zu alt; zu eurer Väter Zeiten wärs Ein anderes gewesen. Euch ist nicht Zu helfen, wenn ihr selber euch nicht helft.
Page 6 - Das Volk ist trunken, wie er selber ist. Sie hören kein Gesetz, und keine Not Und keinen Richter; die Gebräuche sind Von unverständlichem Gebrause gleich Den friedlichen Gestaden überschwemmt. Ein wildes Fest sind alle Tage worden , Ein Fest für alle Feste und der Götter Bescheidne Feiertage haben sich In eins verloren, allverdunkelnd hüllt Der Zauberer den Himmel und die Erd Ins Ungewitter, das er uns gemacht, Und siehet zu und freut sich seines Geists In seiner stillen Halle.
Page 9 - Alle menschlichen Opferhandlungen, planmäßig betrieben, betrügen den Gott, dem sie gelten: sie unterstellen ihn dem Primat der menschlichen Zwecke, lösen seine Macht auf, und der Betrug an ihm geht bruchlos über in den, welchen die ungläubigen Priester an der gläubigen Gemeinde vollführen. List entspringt im Kultus.
Page 23 - Brauche dien' Und Göttliches zum Menschenwerke werde. Laßt diese Glücklichen doch sterben, laßt Eh sie in Eigenmacht und Tand und Schmach Vergehn, die Freien sich bei guter Zeit Den Göttern liebend opfern. Mein ist dies. Und wohlbewußt ist mir mein Los, und längst Am jugendlichen Tage hab...
Page 2 - Und seinen eigenen Sohn, der die Gestalt gewandelt hat, hebt der Vater [zum Todesstreich] empor, schlachtet ihn und spricht auch noch ein Gebet dazu, der arge Tor!
Page 23 - Es muß Bei Zeiten weg, durch wen der Geist geredet. Es offenbart die göttliche Natur Sich göttlich oft durch Menschen; so erkennt Das vielversuchende Geschlecht sie wieder. Doch hat der Sterbliche, dem sie das Herz Mit ihrer Wonne füllte, sie verkündet, O laßt sie dann zerbrechen das Gefäß, Damit es nicht zu anderm Brauche dien' Und Göttliches zum Menschenwerke werde.
Page 7 - Es haben ihn die Götter sehr geliebt. Doch nicht ist er der erste, den sie drauf Hinab in sinnenlose Nacht verstoßen Vom Gipfel ihres gütigen Vertrauns, Weil er des Unterschieds zu sehr vergaß Im übergroßen Glück und sich allein Nur fühlte; so erging es ihm, er ist Mit...

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