Quitt

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GRIN Verlag, 2009 - 206 pages
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Klassiker aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Sprache: Deutsch, Abstract: Erstes Kapitel*** Die Kirche war noch nicht aus, aber die alte Frau Menz und ihr Sohn Lehnert - ein schlanker, hubscher Mensch von siebenundzwanzig, dem man, auch ohne seine siebenziger Kriegsdenkmunze (neben der ubrigens auch noch ein anderes Ehrenzeichen hing), den altgedienten Soldaten schon auf weite Entfernung hin angesehen hatte - hatten den Schluss des Gottesdienstes nicht abgewartet und sassen bereits draussen auf einem grossen Grabstein, zu dessen Haupten eine senkrecht stehende Marmorplatte mit einer Christi Himmelfahrt in Relief in die dicht dahinter befindliche Kirchhofsmauer eingelassen war. Der Sohn, der schon wahrend einer ganzen Weile mit der Kante seiner Stiefelsohlen allerlei Rinnen in den Sand gezogen hatte, war augenscheinlich verstimmt und vermied es, die Mutter anzublicken, die ihrerseits angstlich vor sich hin sah und darauf wartete, dass der Sohn reden solle. Dazu kam es aber nicht, und so horte man denn nichts als die letzte Liederstrophe, die drinnen eben gesungen wurde. Sonst war alles still. Der grelle Sonnenschein lag auf den Grabern, die Schmetterlinge flogen dazwischen hin und her, und uber dem Ganzen wolbte sich der tiefblaue Himmel und versprach einen heissen Tag. Endlich nahm die Mutter ihres Sohnes Hand. Er zog sie aber unwirsch wieder zuruck und sagte: Ach lass, Mutter. Du meinst es gut. Aber was hab ich davon? Eigentlich bist du doch schuld an allem, weil du nicht weisst, was du willst, und auch nie gewusst hast. Auf Paschen und Wildern hast du mich erzogen, und wenn's dann schiefgeht und du's mit der Angst kriegst, dann steckst du dich hinter Siebenhaar und jammerst ihm was vor, und der soll dann mit einem Mal einen Heiligen aus mir machen. Du weisst ja doch, Lehnert, was er alles fur dich getan hat. Weiss alles. Aber er darf mich nicht anpredigen, und wenn er's tut, so darf er nicht nach mir hinsehen, dass au
 

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About the author (2009)

Fontane was born in Neuruppin, thirty miles northwest of Berlin. Although he received recognition relatively late in life, he is now thought of as the greatest German novelist between Goethe and Thomas Mann.

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