Radikaler Prediger und städtisches Umfeld - Thomas Müntzer in Zwickau, Prag und Allstedt

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GRIN Verlag, Dec 1, 2008 - History - 28 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit, Note: 1,7, Universität Rostock (Historisches Institut), Veranstaltung: Geschichte Hauptseminar Reformation, 30 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Urteil über Thomas Müntzer unterliegt unterschiedlichen Gegensätzen und starken Schwankungen. Die meisten sehen in ihm einen ruhelosen Fanatiker, andere einen Streiter für Wahrheit und Gerechtigkeit. Gleichzeitig gehen von ihm Faszination und Ablehnung aus und bestimmen den Umgang und das Verständnis für ihn. So urteilt er selbst über seine Person in einem Brief: „Er (mein Name) ist abber dem armen durftigen heuflin eyn susser geroch des lebens und den wollustigen menschen eyn misfallender greuell swynden vorterbens.“ Denn er ist ein Produkt der Reformation, der allgemeinen Krise des Feudalismus am Ende des 16. Jahrhunderts und zugleich auch wie die Reformation selbst eine Antwort auf den tiefgreifenden Strukturwandel der spätmittelalterlichen Gesellschaft, der schon zum Ende des 15. Jahrhunderts einsetzte und im 16. Jahrhundert zu einer neuen gesellschaftlichen Formierung führte. Die Ursachen der Reformation bestanden aus vielen Zutaten. Frühkapitalismus und Verlagswesen, Agrarkrise und Territorialstaatlichkeit waren aber nicht allein für den Niedergang des feudalistischen Gesellschaftssystems verantwortlich, auch der kirchliche Sittenverfall war von entscheidendem Charakter. Der Himmel selbst, war damals käuflich geworden. Oftmals galt die feudale Kirche in diesen Krisenzeiten als letzte Orientierungshilfe im Leben der Menschen. Der Reflex auf Unzucht und Moralverfall der Kirche drückte sich in der damaligen Gesellschaft durch eine verstärkte Anfälligkeit für Apokalyptik und Prophetie und ebenso durch ein wachsendes Bedürfnis nach Gnade, Rechtfertigung und Erlösung aus. Besonders deutlich wurde diese neue Frömmigkeit dokumentiert durch den Ablasshandel und die Wallfahrtbewegungen, sowie durch die immer häufiger auftretenden Volksprediger und Erscheinungen. Die frühneuzeitliche Stadt spielte jedoch im Prozess, den wir Reformation nennen, eine wichtige Rolle. Der Satz Dickens „The German Reformation was an urban event“ ist mittlerweile fast zu einem geflügelten Wort geworden. Schließlich erweiterte Obermann diese Aussage noch in einem besonderen Sinn auf die Gesamtsicht: „So war die städtische Reformation die eigentliche gewesen, die dann aber später von den einzelnen Fürsten in Eigennutz gelähmt und sterilisiert worden war.“ [...]
 

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