Rahel Levin Varnhagen - eine Autobiographie in Briefen

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GRIN Verlag, 2007 - 60 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,0, Universitat Regensburg (Institut fur Germanistik), Veranstaltung: Hauptseminar: Tewjes Tochter - Lebensentwurfe west- und ostjudischer Frauen, 15 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die 1771 in Berlin geborene Judin Rahel Levin Varnhagen hat in ihrem Leben uber zehntausend Briefe an etwa 300 Adressaten verfasst. Diese mehr als umfangreiche Korrespondenz kann als ihr literarisches Werk bezeichnet werden, wenngleich diese Auffassung nicht unumstritten ist, da der literarische Stellenwert des Briefes bisweilen ausserst niedrig angesetzt wird. Obwohl die meisten ihrer Briefe privater, ja fast schon intimer Natur sind, gibt Rahels Ehemann Karl August Varnhagen von Ense nach ihrem Tod die gesammelte Korrespondenz seiner Frau 1833 in gebundener Form heraus. Noch zu Lebzeiten Rahels erarbeiten sie und Varnhagen das Editionsprinzip des Buches. Sie findet [...] nichts dabei, wenn die Briefe anderen Menschen zum Lesen weitergereicht werden," und fordert ihre Adressaten dazu auf, ihre Korrespondenzen zu sammeln und aufzubewahren. Aus dem schriftlichen Verkehr mit zahlreichen Freunden, Bekannten und Verwandten bezieht sie eine geistige Unabhangigkeit, die ihre hilft, sich nicht als Opfer von Schicksal und ausseren Umstanden aufzugeben, sondern ihre Vorstellung von einer humanistischen Gesellschaft im Kleinen zu verwirklichen und zu leben. Dennoch sehen sich sowohl Rahel, als auch andere "romantische Judinnen," die sich der Briefform bedienten, mit dem Vorwurf konfrontiert, der Brief zahle nicht zur Literatur als solche, und diene hochstens als biographisches oder historisches Dokument. Nicht nur selbstandige literarische Kreativitat wird den VerfasserInnen von Briefen abgesprochen. Vielmehr seien die Schreibenden beim Rasonnement' uber das ihnen zur Verfugung stehende Bildungsmaterial' stehengeblieben." Dabei wird jedoch eine Differenzierung zwischen
 

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Contents

Selbstaufklärung und Selbstwiderspruch Barbara Breysach über Rahel Varnhagen
7
Ein unentwegtes Selbstgespräch Rahel E Steiner über Rahel Varnhagen
10
S
14
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18
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21
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Popular passages

Page 25 - Augenblicke sich gleich, immer in einer eigenen Art bewegt, und doch ruhig, - kurz, sie ist, was ich eine schöne Seele nennen möchte; man fühlt sich, je näher man sie kennen lernt, desto mehr angezogen, und lieblich gehalten.
Page 16 - Man ist nie mit einem Menschen zusammen, als wenn man allein mit ihm ist. - Ich gehe noch weiter, - man ist es nie eigentlicher, als wenn man an ihn in seiner Abwesenheit denkt, und sich vorstellt, was man ihm sagen will.
Page 22 - Ehren von ihr sprechen: ich hätt ihr in das zarte Gesicht geschlagen. Und es ist nicht Faulheit und Unwissenheit allein, die mich so unfähig erhalten. Dichter aber führen große Gebäude auf; die formen die Welt die sie finden ab, und sie laufen ganz heimlich mit durch.
Page 24 - Ja, es ist ein liebevolles Mädchen. Sie ist stark in jeder ihrer Empfindungen und doch leicht in jeder Äußerung; jenes gibt ihr eine hohe Bedeutung, dies macht sie angenehm, jenes macht, daß wir an ihr die große Originalität bewundern und dies, daß diese Originalität liebenswürdig wird, daß sie uns gefällt.
Page 20 - Ich glaube der Verfasserin nicht zu nahe zu treten, wenn ich sage, daß ihr Scharfsinn <...> sie oft dazu verleitet hat, Sätze und Behauptungen aufzustellen, die sie durchaus nicht vor dem Richterstuhl einer gesunden Moral, und kaum vor ihrem eigenen seltsam gesteigerten Geiste würde haben rechtfertigen können, wenn sie sei später in ruhigerer Stimmung überlegen und gesprüft hätte.
Page 20 - ... kaum vor ihrem eigenen seltsam gesteigerten Geiste würde haben rechtfertigen können, wenn sie sei später in ruhigerer Stimmung überlegen und gesprüft hätte. So aber waren es Ergießungen eines überreizten Gefühls und einer ganz absonderlichen Geistesrichtung <...> in Briefen ausgesprochen, welche abgesendet wurden und wahrscheinlich der Schreiberin nie mehr vor die Augen kamen."144 Hahn stellt heraus, daß Pichler besonders den Modus der Relektüre vermißt, der die Schreibposition von...
Page 12 - Der Leser wird deshalb immer zunächst seinen eigenen Standpunkt, also seine Herkunft, seine Bildung, seinen Beruf überwinden müssen, wenn er wie ein Gleichgesinnter Rahels Gedankengängen folgen will.47...
Page 16 - Menschen [...] so unübersehbar, was ihr geschieht scheint so wenig gerade auf sie gemünzt zu sein, dass Diskretion ihr unverständlich ist"68.
Page 24 - Handschriften arbeiten will, muss sich einem Terrain hin bewegen, auf dem die Spuren einer untergegangenen, einer , ausgerotteten

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