Schach von Wuthenow - Person und Verweisungscharakter

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GRIN Verlag, 2007 - 84 pages
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Examensarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Freie Universitat Berlin, 25 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: ...ich aber halte zu dem fridericianischen Satze, dass die Welt nicht sicherer auf den Schultern des Atlas ruht, als Preussen auf den Schultern seiner Armee." spricht Schach in Tempelhof. Der Glaube an die Armee, derer Teil er bildet, bestimmt sein Handeln, seine Personlichkeit und sein Wesen. Schach von Wuthenow ist ein Musterpreusse. Liegt es hier aber wirklich so einfach? Inwieweit verweist die Person des Schachs auf das Preussentum, wie viel Symbolik ist in seiner Figur enthalten und wie viel Menschliches verbirgt sich in ihr? Die Forschungsliteratur eroffnet ein weites Feld an Interpretationsvorschlagen. Angefangen mit Georg Lukacs, der Schach von Wuthenow" als Fontanes kleines Meisterwerk in dieser Kritik des historischen Preussen, ein noch lange nicht in seiner vollen Bedeutung erkannter einsamer Gipfel der deutschen historischen Erzahlungskunst" bezeichnet, bis schliesslich Jurgen Manthey, der das politische Geschehen als eine Deckerzahlung" einer tief psychologisch-privaten Dreiecksbeziehung zwischen Schach von Wuthenow, Frau von Carayon und Victoire ansieht. Es ist eine Erzahlung, die mindestens einen doppelten Boden hat. Das Private geht bisweilen im Politischen unter, im nachsten Moment verkehrt sich die Situation ganzlich, so dass die Liebesgeschichte Uberhand gewinnt. Doch welche Absicht liegt in der Erzahlung verborgen? Um es mit Bulows Worten zu formulieren: Wie lag es denn?" Diese Frage wird anhand einer polyperspektivischer Herangehensweise an das Werk beantwortet. Die Beweisfuhrung soll die Entstehungsgeschichte, die Konstellation der Personen, die Hauptfiguren sowie ihre historischen Vorbilder bis hin zur Peron des Schachs von Wuthenow in betracht ziehen. Die gesellschaftliche und religiose Moral Preussens und ihre Spiegelung in der Dreiecksbeziehung v
 

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Einleitung
1
Deutung der Erzählung im Hinblick auf den Verweisungscharakter der Person des
21
Fazit
65
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Page 30 - Glaubensartikel hat: erstes Hauptstück ,die Welt ruht nicht sichrer auf den Schultern des Atlas als der preußische Staat auf den Schultern der preußischen Armee', zweites Hauptstück .der preußische Infanterieangriff ist unwiderstehlich' und drittens und letztens ,eine Schlacht ist nie verloren, solange das Regiment Garde du Corps nicht angegriffen hat'.
Page 17 - Aber so schwach ich in meiner Liebe zu Victoire bin, so bin ich doch nicht schwach genug, ihr in dieser Großmutskomödie zu Willen zu sein. Ich gehöre der Gesellschaft an, deren Bedingungen ich erfülle, deren Gesetzen ich mich unterwerfe; daraufhin bin ich erzogen, und ich habe nicht Lust, einer Opfermarotte meiner einzig geliebten Tochter zur Liebe meine gesellschaftliche Stellung mit zum Opfer zu bringen.
Page 11 - Bürgerstand; vielfach sind sie ihnen überlegen. ...Alle diese Leute sind uns vollkommen ebenbürtig, und deshalb ist ihnen weder der Beweis zu führen, ,daß es mit ihnen nichts sei<, noch ist ihnen mit der Waffe in der Hand beizukommen. Sie vertreten nicht bloß Unordnung und Aufstand, sie vertreten auch Ideen, die zum Teil ihre Berechtigung haben und die man nicht totschlagen oder durch Einkerkerung aus der Welt schaffen kann.
Page 31 - Schach ist eine sehr eigenartige Natur, die, was man auch an ihr aussetzen mag, wenigstens manche psychologische Probleme stellt. Ich habe beispielsweise keinen Menschen kennengelernt, bei dem alles so ganz und gar auf das Ästhetische zurückzuführen wäre, womit es vielleicht in einem gewissen Zusammenhange steht, daß er überspannte Vorstellungen von Intaktheit und Ehe hat.
Page 46 - Die Gesellschaft ist souverän. Was sie gelten läßt, gilt, was sie verwirft, ist verwerflich. Außerdem liegt hier alles exzeptionell. Der Prinz ist ein Prinz, Frau von Carayon ist eine Witwe, und ich ... bin ich.
Page 61 - Vortrag über >beaute du diable< gehalten hat. Aber gleichviel, sie gefällt ihm, und die Natur zieht ihre Konsequenzen. Was, unter so gegebenen Verhältnissen, wäre nun wohl einfacher und natürlicher gewesen als Ausgleich durch einen Eheschluß, durch eine Verbindung, die weder gegen den äußeren Vorteil noch gegen irgendein Vorurteil verstoßen hätte. Was aber geschieht?
Page 70 - Das, was eigentlich in die Verworrenheit über unsre Lage, in unsre Gedankenlosigkeit, in unser blindes Gehenlassen uns stürzte, war die süße Selbstzufriedenheit mit uns und unsrer Weise dazusein.

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