Schadenfreude als Rezeptionsempfindung

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GRIN Verlag, 2007 - 82 pages
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Magisterarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,1, Freie Universitat Berlin, 53 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Einige der nicht nur fur das deutsche Drama einflussreichsten Dramentheoretiker wie Aristoteles und Lessing haben sich im Hinblick auf Wirkung und Intention des Dramas immer wieder mit einem Thema auseinandergesetzt: dem Mitleid. Seitdem ist es in unzahligen wissenschaftlichen Arbeiten untersucht und erforscht worden. Mitleid ist eine Empfindung, die der Zuschauer in erster Linie dem Protagonisten entgegenbringt und entgegenbringen soll. Obgleich die Schadenfreude eine ebenfalls haufig hervorgerufene Reaktion auf dramatische Darstellungen ist, ist sie weitaus weniger in den Fokus von Dramentheorien und Forschungsarbeiten gelangt. Der Psychologe Heiko Ernst bestatigt, dass Schadenfreude fast ganzlich unerforscht ist und sich die wenigen Arbeiten daruber auf kein wissenschaftliches Fundament stutzen konnen. Dabei zeigt sich das Phanomen der Schadenfreude bereits in den Werken Homers und in der Bibel - und hat in gegenwartigen TV-Unterhaltungsformaten wieder Hochkonjunktur. In dieser Arbeit sollen sowohl die dramentheoretischen, aber zwingenderweise auch die psychologischen, verhaltenstheoretischen, philosophischen und, in geringerem Masse, auch die physiologischen und theologischen Aspekte und Erklarungsversuche der Schadenfreude untersucht werden. Die philosophischen Aspekte betreffend haben sich vor allem Aristoteles (Rhetorik, Poetik, Die Nikomachische Ethik), Schopenhauer (Die Welt als Wille und Vorstellung), Nietzsche (Genealogie der Moral, Der Antichrist, Menschliches, Allzumenschliches) und Kant (Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft) Gedanken zur Schadenfreude gemacht. Ihrem Gesamtwerk und Denken kann diese Arbeit nicht in gebuhrendem Masse gerecht werden, der Fokus bleibt auf jene Ausfuhrungen die Schadenfreude betreffend gerichtet; das gleiche gi
 

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Contents

Die Götter lachen Gott nicht
3
Theorien zur Schadenfreude
9
b Schadenfreude als Werk des Teufels die Moral des Arthur Schopenhauer
18
c Nietzsche und der Wille zur Macht
25
Freud und die psychohygienische Funktion des Lachens
33
Schadenfreude und das Theater
42
Sozialpsychologische Faktoren der Rezeption
48
Die Rache
57
F Anhang
69
Copyright

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Popular passages

Page 30 - Der Inhalt unseres Gewissens ist alles, was in den Jahren der Kindheit von uns ohne Grund regelmäßig gefordert wurde durch Personen, die wir verehrten oder fürchteten. Vom Gewissen aus wird also jenes Gefühl des Müssens erregt („dieses muß ich tun, dieses lassen"), welches nicht fragt: warum muß ich? — In allen Fällen, wo eine Sache mit „weil" und „warum" getan wird, handelt der Mensch ohne Gewissen; deshalb aber noch nicht wider dasselbe.
Page 68 - ... and when you have collected your audience, just at the moment when their minds are erect with expectation, let it be reported that a state criminal of high rank is on the point of being executed in the adjoining square;1 in a moment the emptiness of the theatre would demonstrate the comparative weakness of the imitative arts, and proclaim the triumph of the real sympathy.
Page 32 - Ausbeutung" gehört nicht einer verderbten oder unvollkommnen und primitiven Gesellschaft an : sie gehört ins Wesen des Lebendigen, als organische Grundfunktion, sie ist eine Folge des eigentlichen Willens zur Macht, der eben der Wille des Lebens ist.
Page 24 - Aber nur die platte, optimistische, protestantisch-rationalistische, oder eigentlich jüdische Weltansicht wird die Forderung der poetischen Gerechtigkeit machen und an deren Befriedigung ihre eigene finden. Der wahre Sinn des Trauerspiels ist die tiefere Einsicht, daß was der Held abbüßt nicht seine Partikularsünden sind, sondern die Erbsünde, dh die Schuld des Daseyns selbst: Pues el delito mayor Del hombre es haber nacido. (Da die größte Schuld des Menschen Ist, daß er geboren ward.) Wie...
Page 35 - Herde' beschwichtigt, sondern im Gegenteil durch das Hinzukommen eines solchen ,Fremden' erst hervorgerufen. Dann merkt man beim Kinde lange nichts von einem HerdenInstinkt oder Massengefühl. Ein solches bildet sich zuerst in der mehrzähligen Kinderstube aus dem Verhältnis der Kinder zu den Eltern, und zwar als Reaktion auf den anfänglichen Neid [!], mit dem das ältere Kind das jüngere aufnimmt.
Page 23 - Hingegen beruht die Forderung der sogenannten poetischen Gerechtigkeit auf gänzlichem Verkennen des Wesens des Trauerspiels, ja selbst des Wesens der Welt. Mit Dreistigkeit tritt sie in ihrer ganzen Plattheit auf in den Kritiken, welche Dr. Samuel Johnson zu den einzelnen Stücken Shakespeares geliefert hat, indem er recht naiv über die durchgängige Vernachlässigung derselben klagt; •welche allerdings vorhanden ist: denn was haben die Ophelien, die Desdemonen, die Kordelien verschuldet? - Aber...
Page 31 - Ebenso nämlich, wie das Volk den Blitz von seinem Leuchten trennt und letzteres als Thun, als Wirkung eines Subjekts nimmt, das Blitz heisst, so trennt die Volks-Moral auch die Stärke von den...
Page 46 - Der mitleidigste Mensch ist der beste Mensch, zu allen gesellschaftlichen Tugenden, zu allen Arten der Großmuth der aufgelegteste. Wer uns also mitleidig macht, macht uns besser und tugendhafter, und das Trauerspiel, das jenes thut, thut auch dieses, oder — es thut jenes, um dieses thun zu können.
Page 44 - Die Komödie ist nichts anders als eine Nachahmung einer lasterhaften Handlung, die durch ihr lächerliches Wesen den Zuschauer belustigen, aber auch zugleich erbauen kann.

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