Schreiben als Befreiungspraxis in der Frauenliteratur der DDR am Beispiel Wanders und Reimann

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GRIN Verlag, 2007 - 64 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: sehr gut, Universitat Wien (Germanistik II), Veranstaltung: Diskursgeschichte feministischer Literaturwissenschaft, 6 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Nach einer Darstellung und einer Kritik des feministischen Diskurses von der Befreiung durch und in der Literatur sollen zwei Beispiele von DDR-Frauenliteratur in Bezug auf diesen Diskurs der 70er Jahre untersucht werden. Es scheint dabei vielleicht befremdlich, dass die theoretischen Grundlage zwei Texte aus der BRD, bzw. aus den USA sind, die konkreten Rezeptionen jedoch aus der DDR. Ich bin jedoch der Meinung, dass der feministische Diskurs Das private ist politisch" in der Literatur in den 1970er Jahren nicht an nationalen Grenzen Halt machte.2 Obwohl es in der DDR kaum theoretische Auseinandersetzungen (oder ihre schriftliche Fixierung) uber die Thematik weibliches Schreiben" gibt, hat doch die politische und okonomische Veranderung innerhalb Europas und Nordamerikas diskursbildend auf die deutschsprachigen Kunstlerinnen beiderseits der Elbe Einfluss gehabt. Inwieweit sich diese feministischen Ideen bei den Frauen der DDR und ihrer Literatur niederschlugen oder sich verwandelten, dass soll in dieser Arbeit aufgezeigt wer
 

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Contents

Gliederung
2
Weibliches Schreiben als Befreiung und Identitätsfindung S
9
Was und wen befreite weibliches Schreiben in der DDR? S
23
Copyright

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Popular passages

Page 20 - Beatriz" .Der Stil ist der Mensch. Man kann Stil nicht machen. Er wächst. Die literarischen Formen, die Männer über Jahrhunderte entwickelt haben, sind gewachsen. Frauen können diese Formen bewundern; nicht als Muster übernehmen. Sie müssen ihre eigenen Formen entwickeln [...] das verlangt Arbeit von Generationen. [...] Der Anfang ist notwendigerweise experimentell. Die Form muss den Prozess der Wahrheitsfindung mit zeigen können. [...] Den Frauen hat niemand vorgearbeitet.
Page 20 - Verrückte Farben. Nicht realistisch. Da kann ein Arbeiter doch bloß lachen, wenn er deinen Lichtbogen sieht." Ich sagte verständnislos: „Aber darum geht es doch nicht, ob der Lichtbogen beim E-Schweißen kälter und blasser ist. Übrigens ist er wirklich kälter." „Aber du empfindest ihn so, nicht wahr?" sagte Heiners mit der Miene eines Untersuchungsrichters, der einen Verdächtigen endlich überführt hat. „Eine gebräuchliche Ausrede der Formalisten . . . Das endet dann bei Kandinsky...
Page 20 - Und unterschiedliche Lebensformen müssen unterschiedliche literarische Zeugnisse hervorbringen, denn: Der Stil ist der Mensch. Man kann Stil nicht machen. Er wächst. Die literarischen Formen, die Männer über Jahrhunderte entwickelt haben, sind gewachsen. Frauen können diese Formen bewundern, nicht als Muster übernehmen. Sie müssen ihre eigenen Formen entwickeln. Das kann man nicht erzwingen, das dauert, das verlangt Arbeit von Generationen. Der Anfang kann keine streng geschlossene Form bringen,...
Page 20 - Kameralinsc, und ich bin kein Photoapparat, ich bin ein Mensch mit Empfindungen und mit einem bestimmten Verhältnis zu dem Menschen, den ich male, und der gemalte Mensch hat auch seine Empfindungen und seine eigene Einstellung zum Leben, zu seiner Arbeit, zu seiner Familie, und das alles muß man in einem Porträt festhalten - viele Schichten statt einer glatten Fläche.
Page 16 - Lukas' junge Frau vor seinen Augen von einer Granate zerrissen worden. Lukas sprach. Er sprach mit Neigung und Kenner7* schaft, und ich bewunderte ihn wie am ersten Abend, als er mich über da Vinci belehrt hatte.
Page 16 - Barakken im Wohnlager. Wenn ich malte, saßen immer drei oder vier Gäste auf dem eisernen Feldbett und sahen zu, Rohrleger und Maschinisten und Zimmerleute in ihrer schwarzsamtenen Tracht. Sie redeten nicht viel, sie saßen einfach da und blickten auf meine Hände, ernsthaft, gesammelt und mit der Miene von Leuten, die die Arbeit anderer respektieren. Zuerst hatten sie mich gestört und fahrig gemacht, dann gewöhnte ich mich, und schließlich wartete ich auf sie. Abends kam Lukas, der im benachbarten...
Page 18 - Ich kenne manche deiner Bilder von 1930. Ich kenne manche von 1960. Du hast den Leuten andere Kleider gegeben, aber du hast ihnen nicht ihr neues Gesicht gegeben. Weißt du, daß dein Modell studiert? Der Mann wird in zwei Jahren Bergbauingenieur sein. Weißt du, daß achtzig Prozent der Leute auf unserer Baustelle einen Lehrgang besuchen oder Fernstudium machen?
Page 18 - Vielleicht waren wir kleine Revoluzzer, Betsy, aber wir hatten Talente, die den Berufsjugendlichen von heute fehlen. Wir konnten improvisieren, und wir brauchten keinen riesigen Apparat.« Etwas von den Vorstellungen der Wolfschen Christa T. steckt in diesem Uli, auch in dieser Elisabeth. Freilich: Sie sehen die schlechte Planung, die ungenügende Versorgung, die Bürokratie, die Parteibuchwirtschaft, die Simplifizierung aller Probleme, die Ahnungslosigkeit...
Page 20 - Wir saßen dann noch eine halbe Stunde zusammen und tranken zwei oder drei Wodka und spielten Koexistenz, und plötzlich sagte Heiners: „Verrückte Farben. Nicht realistisch. Da kann ein Arbeiter doch bloß lachen, wenn er deinen Lichtbogen sieht." Ich sagte verständnislos: „Aber darum geht es doch nicht, ob der Lichtbogen beim E-Schweißen kälter und blasser ist. Übrigens ist er wirklich kälter." „Aber du empfindest ihn so, nicht wahr?
Page 17 - Fähigkeiten nicht hineinpaßt. „(...) fragte ich mich, ob es für den exakten Mathematiker Gregory einen Unterschied machen würde, wenn er — statt Brückenbögen zu konstruieren — Spezialist für den Bau von Raketenabschußrampen geworden wäre.

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