Schweigen und Erzählen - Überlegungen zum Prosawerk von Barbara Honigmann

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GRIN Verlag, 2007 - 104 pages
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Magisterarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Humboldt-Universitat zu Berlin, 40 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Mit der vorliegenden Arbeit mochte ich ausgewahlte Prosawerke, die von der Autorin Barbara Honigmann verfasst wurden, naher untersuchen. In den Texten reflektieren die Protagonistinnen, wie man sich gegenwartig in einer nichtjudischen Gesellschaft als Judin definieren kann. Als Nachgeborene der Shoah1 versuchen die Figuren in den einzelnen Werken uber das Schweigen und die Assimilation der Elterngeneration zu erzahlen. Durch eine deskriptive Analyse der Texte mochte ich meine These beweisen, dass die Autorin Barbara Honigmann durch ihre schriftstellerische Arbeit, eine bestimmte Form der judischen Identitat entwirft. Diese beruht darauf, uber ihre judischen Wurzeln zu erzahlen und damit einen judischen Lebensentwurf in der Gegenwart aufzuzeigen. Zentrale Begriffe in ihren Werken sind dabei das Erzahlen und das Schweigen. Die Arbeit beginnt mit den Begriffsklarungen von Schweigen und Reden, gefolgt von einem Kapitel uber die Sprache im Allgemeinen. Ein besonderer Gesichtspunkt ist dabei die Mundlichkeit und Schriftlichkeit der Sprache. Es folgen Uberlegungen zur Verbindung der Sprache mit der Literatur. Diese bilden die Grundlage fur das nachste Kapitel uber die Schriftstellerin Barbara Honigmann. Als wichtige theoretische Basis ist der Abschnitt zur Begriffsklarung von Identitat und speziell zu judischer Identitat zu sehen. Der nachfolgende Exkurs zur deutsch-judischen Literatur setzt sich mit der Definition dieser auseinander, gefolgt von einer Diskussion zur Einordnung der Autorin Barbara Honigmann in die Kategorie der Autoren der Zweiten Generation. Nach diesen eher begriffsklarenden Uberlegungen und theoretischen Grundlagen analysiere ich die einzelnen Werke und untersuche die enthaltenen Begriffe des Erzahlens und Schweigens und deren Bedeutung. Die
 

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Page 47 - Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug? Da wirs taten, warum schreckte, wie Mord, die Tat? Ach! wir kennen uns wenig, Denn es waltet ein Gott in uns. Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden Schutzgott unserer Liebe, Dies, dies Eine vermag ich nicht. Aber anderen Fehl denket der...
Page 1 - ... aber ich bin eine deutsche Schriftstellerin, obwohl ich mich nicht als Deutsche fühle und nun auch schon seit Jahren nicht mehr in Deutschland lebe. Ich denke aber, der Schriftsteller ist das, was er schreibt, und er ist vor allem die Sprache, in der er schreibt.
Page 42 - Hier bin ich gelandet vom dreifachen Todessprung ohne Netz: vom Osten in den Westen, von Deutschland nach Frankreich und aus der Assimilation mitten in das Thora- Judentum hinein. Warum: weil ich es so wollte. Warum wollte ich es: wegen der Auferstehung der Toten. Und weil Thora Lehre und Talmud lernen heißt, fahre ich jetzt auf der AVENUE DE LA FORET NOIRE auf meinem Fahrrad zum »Lernen
Page 24 - Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
Page 5 - Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle Mitteilungscharakter: Sie beeinflussen andere, und diese anderen können ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst.
Page 38 - Ästen und halben Bäumen und von dem maßlosen Efeu, das über alle Gräber klettert, von einem zum anderen, von Grab zu Baum und von Baum wieder zu Grab, und sich alles nimmt und alles verschlingt, bis die ganze steinerne Ordnung wieder zu einem Wald verwächst und nicht nur der Körper der Toten, sondern auch dieses ganze Werk der Erinnerung an ihn wieder zu Erde wird.
Page 61 - Seit Auschwitz — welch traurige List — kann tatsächlich von einer .deutschjüdischen Symbiose' gesprochen werden — freilich einer negativen: für beide, für Deutsche wie für Juden, ist das Ergebnis der Massenvernichtung zum Ausgangspunkt ihres Selbstverständnisses geworden; eine Art gegensätzlicher Gemeinsamkeit - ob sie es wollen oder nicht. Denn Deutsche wie Juden sind durch dieses Ereignis neu aufeinander bezogen worden.
Page 47 - Saß da oder lief herum wie auf Ellis Island, eine Einwanderin, eine Auswanderin, eine Spaziergängerin.
Page 1 - Ich bin auch eine Schriftstellerin, und es wird leicht gesagt, eine jüdische. Aber dessen bin ich mir nicht so sicher, denn all das, was ich da gesagt habe, macht mich ja noch nicht zu einer jüdischen Schriftstellerin. Es macht, dass ich mich existentiell mehr zum Judentum als zum Deutschtum gehörig fühle, aber kulturell gehöre ich wohl doch zu Deutschland und zu sonst gar nichts. Es klingt paradox, aber ich bin eine deutsche Schriftstellerin...
Page 25 - Traum. Da war ich mit all den anderen in Auschwitz. Und in dem Traum dachte ich: Endlich habe ich meinen Platz im Leben gefunden."5 Bei Esther Dischereit treffen sich Wirklichkeitswahrnehmung einer Mutter und deren Tochter über Blumen auf einem Foto von Dachau.

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