Technik und Emotion in Max Frischs 'Homo Faber'

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GRIN Verlag, 2007 - 60 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Westfalische Wilhelms-Universitat Munster, 18 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Diese Analyse von Max Frischs Roman Homo faber konzentriert sich auf den Protagonisten des Romans, Walter Faber. Bei der Untersuchung dieses Charakters wird die Fragestellung im Vordergrund stehen, welche Rolle die Technik in seinem Leben einnimmt und welche Rolle Emotionen spielen. Dabei wird es wichtig sein, zu unterscheiden, was Faber als Erzahler vorgibt zu sein und welche Eigenschaften ihm tatsachlich zugeordnet werden. Zunachst wird untersucht, wie wichtig Technik auf der einen Seite und Emotionen auf der anderen in Fabers Alltag sind. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit wird die Entwicklung Fabers und die Entwicklung seiner Haltung sein. Hierzu wird es notig sein, die Ereignisse, die Faber widerfahren und die Ausloser fur mogliche Veranderungen sein konnen, genauer in Augenschein zu nehmen. Im selben Sinne wird Fabers (Liebes-) Beziehung zu seiner Tochter darauf hin untersucht, ob sie einen blossen Unfall, der dem Technikfanatiker zufallig geschieht, darstellt. Zuletzt wird auf den Einfluss, den die Person Sabeth, Fabers Tochter, auf die Erzahlweise und Erzahlperspektive des Romans hat, eingegangen. Die Vorgehensweise wird hierbei hermeneutisch sein. Dabei wir davon ausgegangen, dass es eine Autorenintention Frischs gibt und innerhalb eines vorausgesetzten Auslegungsspielraumes wird dieser intendierte Sinn zu erschliessen versucht. In den Worten Vogts wird somit eine Hermeneutik des Vertrauens dem Autor gegenuber praktizier
 

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Page 10 - Ich habe mich schon oft gefragt, was die Leute eigentlich meinen, wenn sie von Erlebnis reden. Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind.
Page 10 - Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Ich sehe alles, wovon sie reden, sehr genau; ich bin ja nicht blind. Ich sehe den Mond über der Wüste von Tamaulipas klarer als je, mag sein, aber eine errechenbare Masse, die um unseren Planeten kreist, eine Sache der Gravitation, interessant, aber wieso ein Erlebnis?
Page 7 - Ich fühle mich nicht wohl, wenn unrasiert; nicht wegen der Leute, sondern meinetwegen. Ich habe dann das Gefühl, ich werde etwas wie eine Pflanze, wenn ich nicht rasiert bin, und ich greife unwillkürlich an mein Kinn. Ich holte meinen Apparat und versuchte alles mögliche, beziehungsweise unmögliche, denn ohne elektrischen Strom ist mit diesem Apparat ja nichts zu machen, das weiß ich - das war es ja, was mich nervös machte: daß es in der Wüste keinen Strom gibt, kein Telefon, keinen Stecker,...
Page 7 - Kurz darauf hatte sie Order, Lunch zu bringen, obschon es noch nicht Lunchtime war . . . Zum Glück hatten wir schönes Wetter auch über Land, fast keine Wolken, jedoch Böen wie üblich vor Gebirgen, die normale Thermik, so daß unsere Maschine sackte, schaukelte, bis sie sich wieder im Gleichgewicht hatte und stieg, um neuerdings zu sacken mit schwingenden Tragflächen; Minuten lang flog man vollkommen ruhig, dann wieder ein Stoß, so daß die Tragflächen wippten, und wieder das Schlenkern, bis...
Page 10 - Ich schlottere, aber ich weiß: in sieben bis acht Stunden kommt wieder die Sonne. Ende der Welt, wieso? Ich kann mir keinen Unsinn einbilden, bloß um etwas zu erleben. Ich sehe den Sand-Horizont, weißlich in der grünen Nacht, schätzungsweise zwanzig Meilen von hier, und ich sehe nicht ein, wieso dort, Richtung Tampico, das Jenseits beginnen soll. Ich kenne Tampico. Ich weigere mich, Angst zu haben aus bloßer Fantasie, beziehungsweise fanatisch zu werden aus bloßer Angst, geradezu mystisch.
Page 9 - Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen.
Page 10 - Es gibt keine urweltlichen Tiere mehr. Wozu sollte ich sie mir einbilden? Ich sehe auch keine versteinerten Engel, es tut mir leid; auch keine Dämonen, ich sehe, was ich sehe: die üblichen Formen der Erosion, dazu meinen langen Schatten auf dem Sand, aber keine Gespenster. Wozu weibisch werden? Ich sehe auch keine Sintflut, sondern Sand, vom Mond beschienen, vom Wind gewellt wie Wasser, was mich nicht überrascht; ich finde es nicht fantastisch, sondern erklärlich.
Page 6 - Vor allem aber: die Maschine erlebt nichts, sie hat keine Angst und keine Hoffnung, die nur stören, keine Wünsche in bezug auf das Ergebnis, sie arbeitet nach der reinen Logik der Wahrscheinlichkeit, darum behaupte ich: Der Roboter erkennt genauer als der Mensch, er weiß mehr von der Zukunft als wir, denn er errechnet sie, er spekuliert nicht und träumt nicht, sondern wird von seinen eigenen Ergebnissen gesteuert (feed back) und kann sich nicht irren; der Roboter braucht keine Ahnungen Sabeth...
Page 10 - ... ein Erlebnis? Ich sehe die gezackten Felsen, schwarz vor dem Schein des Mondes; sie sehen aus, mag sein, wie die gezackten Rücken von urweltlichen Tieren, aber ich weiß: Es sind Felsen, Gestein, wahrscheinlich vulkanisch, das müßte man nachsehen und feststellen. 20 Wozu soll ich mich fürchten? Es gibt keine urweltlichen Tiere mehr. Wozu sollte ich sie mir einbilden?
Page 20 - sagt sie. »Wenn ich hundert Töchter hätte, alle von einer Viper gebissen, dann ja! Dann würde ich nur drei bis zehn Töchter verlieren. Erstaunlich wenig! Du hast vollkommen recht.

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