Ueber die Empfindung der Naturschönheit bei den Alten

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Hirzel, 1865 - 131 pages
 

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Page 24 - Knospen quillst. Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält Und mit dem genießt, Was, von Menschen nicht gewußt Oder nicht bedacht, Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht.
Page 28 - Gedanken kurz so ausdrücken: sie stellten die Existenz dar, wir gewöhnlich den Effekt; sie schilderten das Fürchterliche, wir schildern fürchterlich; sie das Angenehme, wir angenehm usw.
Page 75 - Auf den Bergen ist Freiheit ! Der Hauch der Grüfte Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte, Die Welt ist vollkommen überall, Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
Page 46 - Aussicht die Seele beschwingt, eine fruchtbare Trift oder ein wohlbestellter Acker die Vorstellung göttlichen Segens erregt, liebte man es sehr durch einen einfachen Altar und das Bild einer Schlange an die höhere Ursache und die verborgene Seele des Orts zu erinnern.
Page 46 - Alten zwar nicht den landschaftlichen Natursinn, der bei uns durch Kunst und Poesie so' weit ausgebildet ist; wohl aber hatten sie weit mehr Sinn für das Dämonische in der Natur, wie es sich in der Stille des Waldes, zwischen ragenden Bergen, an murmelnden Quellen offenbart und auf jedes empfängliche Gemüth mächtig wirkt. Da hörten sie vernehmbarer als sonst die Stimme der Gottheit und selten blieb eine Stätte der Art ohne religiöse Weihe.
Page 129 - Hülle Sich noch lieblich um die Wahrheit wand, Durch die Schöpfung floß da Lebensfülle, Und was nie empfinden wird, empfand. An der Liebe Busen sie zu drücken, Gab man höhern Adel der Natur, Alles wies den eingeweihten Blicken, Alles eines Gottes Spur. Wo jetzt nur, wie unsre Weisen sagen, Seelenlos ein Feuerball sich dreht, Lenkte damals seinen goldnen Wagen Helios in stiller Majestät. Diese Höhen füllten Oreaden, Eine Dryas lebt...
Page 30 - Selon! ihr Hellenen bleibt doch immer Kinder; nirgends ist in Hellas ein Greis. Eure Seele» sind stets jugendlich; ihr habt in ihnen keine Hunde des Alterthums, leinen alten Glauben, keine durch die Zeit ergraute Wissenschaft.
Page 34 - Dieselben verraten das stärkste Mitleben in den einfachsten Erscheinungen, als da sind : der Frühling und seine Blumen, die grüne Heide und der Wald. Aber es ist lauter Vordergrund ohne Ferne, selbst noch in dem besonderen Sinne, daß die weitgereisten Kreuzfahrer sich in ihren Liedern kaum als solche verraten.
Page 35 - Der Sinn für die Natur fehlte den altdeutschen Meistern gewiß nicht, aber sie hinterließen uns keine andere Äußerung dieses Sinnes als die, welche der Zusammenhang mit geschichtlichen Vorfällen oder mit den Empfindungen erlaubte, die in lyrische Gedichte ausströmten. Um mit dem Volksepos, den ältesten und wertvollsten Denkmälern, zu beginnen: so findet sich weder in den ,Nibelungen' noch in der ,Gudrun' die Schilderung einer Naturszene, selbst da, wo dazu Veranlassung war.
Page 77 - Schooss, da schlaf ich, Wenn im Kornfeld heimlich zirpend Heimchen seinen bangen Ruf Vor des Mittags glüh'nder Stille wie im Wahnsinn jammernd ruft. Zum Winter kehr...

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