Unsichtbare Hand, natürlicher grammatischer Wandel und Sprachökonomie: Beiträge zu Theorien des Sprachwandels von Keller und Wurzel

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GRIN Verlag, 2007 - 52 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Linguistik, Note: 1,0, Universitat Bielefeld (Fakultat fur Linguistik und Literaturwissenschaft), Veranstaltung: Tendenzen der deutschen Gegenwartssprache, Sprache: Deutsch, Abstract: Phanomene sprachlichen Wandels erregen eine ungleich starkere offentliche Aufmerksamkeit und vor allem Kritik als alle anderen Fragen und Gegenstande der Linguistik (Crystal 1995). Auffallig ist, dass Sprachwandel sowohl kulturubergreifend als auch uber alle Epochen hinweg vornehmlich mit Sprachverfall gleichgesetzt wird (Keller 2002). Aus linguistischer Perspektive erweisen sich derartige Sprachverfallsthesen allerdings als nicht haltbar. Die vorliegende Arbeit geht zunachst der Frage nach, was sich jeweils an einer Sprache verandert, wenn von Sprachwandel bzw. -verfall die Rede ist. Daran anschliessend wird - vor allem im Ruckgriff auf Arbeiten von Keller und Wurzel - untersucht, auf welche Faktoren sprachlicher Wandel zuruckzufuhren ist. Angesichts der jeweiligen Starken und Schwachen beider Theorieansatze wird abschliessend dafur pladiert, sie als - miteinander zu verknupfende - Beitrage zu einer umfassenderen Sprachwandeltheorie zu begreifen. Als ein mogliches Bindeglied zwischen den Arbeiten Kellers und Wurzels erweist sich der - u.a. von Werner vertretene - Ansatz der Sprachokonomie."
 

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Popular passages

Page 30 - ... Markiertheit' um den Umkehrbegriff zu 'Natürlichkeit'. 'Natürlichkeit' definiert Mayerthaler in seinem für die Entwicklung der natürlichen Morphologie grundlegenden Werk Morphologische Natürlichkeit folgendermaßen: Ein morphologischer Prozeß bzw. eine morphologische Struktur ist natürlich, wenn er/sie a) weit verbreitet ist und/oder b) relativ früh erworben wird und/oder c) gegenüber Sprachwandel relativ resistent ist oder durch Sprachwandel häufig entsteht etc.
Page 18 - Phänomens beteiligt sind, zugrunde liegen, einschließlich der Rahmenbedingungen ihres Handelns; 2. die Darstellung des Prozesses, wie aus der Vielzahl der individuellen Handlungen die zu erklärende Struktur entsteht; und 3. die Darstellung bzw. Benennung der durch diese Handlungen hervorgebrachten Struktur.12 Keller erläutert diesen Vorgang am Beispiel der Entstehung eines Trampelpfades.
Page 37 - Sprache festgestellt sind, kann leicht überprüft werden, wieweit die einzelnen morphologischen Erscheinungen dieser Sprache ihnen entsprechen, dh wie systemangemessen sie sind. Die Systemangemessenheit ist der Übereinstimmungsgrad eines Paradigmas (und damit einer Flexionsklasse), eines Teilparadigmas, einer Flexionsform oder eines morphologischen Markers mit den systemdefinierenden Struktureigenschaften einer Sprache. Die systemdefinierenden Struktureigenschaften bilden also das Klassifikationsraster,...
Page 38 - Strukturbildung: (i) das Prinzip der typologischen Einheitlichkeit und Systematik morphologischer Systeme [Systemangemessenheit]; (ii) das Prinzip des implikativen Aufbaus morphologischer Strukturen; (iii) das Prinzip der strikten Kopplung morphologischer Klassen an außermorphologische Eigenschaften (außermorphologische Klassen); (iv) das Prinzip der formalen Widerspiegelung "inhaltlicher" ldentitäten und Distinktionen [»eine Form -eine Funktion
Page 7 - Am Beginn eines Wandelprozesses steht sehr oft ein systematisch fehlerhafter Sprachgebrauch. Etwas verkürzt kann man sagen: Systematische Fehler von heute sind die neuen Regeln von morgen. Betrachten wir einige Beispiele: Wenn ein Schüler heute sagt „er braucht morgen nicht kommen", so wird ihn ein Lehrer möglicherweise korrigieren, indem er sagt: Brauchen ist kein Modalverb und muss deshalb mit zu verwendet werden, es muss also heißen ,er braucht morgen nicht zu kommen'.
Page 17 - Ein Phänomen der dritten Art ist die kausale Konsequenz einer Vielzahl individueller intentionaler Handlungen, die mindestens partiell ähnlichen Intentionen dienen.
Page 22 - Als sozialer Erfolg kann ua gelten: beliebt sein, als klug gelten, viel verkaufen, Chancen beim anderen Geschlecht haben, bewundert werden, viel verdienen, als mutig gelten, als gütig gelten, als vulgär gelten, als Macho gelten, Zuwendung erhalten etc. Unser Kommunizieren ist somit bei jedem Kommunikationsakt einer sozialen Selektion ausgesetzt, die wir durch geeignete Wahl unserer Kommunikationsmittel in unserem Sinne zu entscheiden trachten. Erfolg und Misserfolg verändern unsere Hypothese [darüber,...
Page 34 - Es scheint keinerlei auf Grund genereller Kriterien zu fassende Gründe dafür zu geben, weshalb bei den nativen starken Maskulina mit e/0-Pluralbildung und umlautbarem Vokal das Eintreten des Pluralumlauts normaler ist als ein Nichteintreten und der Pluralumlaut sich entsprechend ausbreitet, während bei den parallelen Neutra das Nichteintreten des Pluralumlauts normaler ist als sein Eintreten und der Pluralumlaut entsprechend zurückgeht (vgl.
Page 31 - Wenn die Asymmetrie zweier Kategorien hinsichtlich ihrer semantischen Markiertheit auf eine Asymmetrie der Symbolisierung abgebildet wird, dann liegt konstruktioneller Ikonismus (KI) vor: Was semantisch „mehr" ist, wird durch ein „Mehr" an formalen Mitteln symbolisiert.

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