Unterdrückung - Selbstinszenierung - Selbsttäuschung: Anton Reisers Identitätsverlust im Zwischenspiel von Elternhaus und quietistischem Umfeld

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GRIN Verlag, Jul 11, 2008 - Literary Criticism - 20 pages
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Die Mystik ist „ohne festen Grund“, weil sie „über einem Abgrunde schwebt und gaukelt [...], woran zu zarte Gemüter sich gern festhalten mögen, weil sie durch das gröbere Irdische sich durchzuarbeiten scheuen; weil sie von der Menschenmasse gedrückt werden, und nun auf einmal ganz isolirt, in einer schönen Einsamkeit sich wieder finden.“ Karl Philipp Moritz (Gnothi Sauton)Bei der Lektüre von Karl Philipp Moritz’ psychologischem Roman ‚Anton Reiser’ scheinen die Erfahrungen, die die Hauptfigur Anton in seiner Kindheits- und Jugendphase macht, als Hauptursache für seine spätere Entwicklung und Lebenshaltung. Mit Moritz’ Worten: „[...] die Erinnerungen aus Anton Reisers frühesten Kinderjahren waren es vorzüglich, die seinen Charakter und zum Theil auch seine nachherigen Schicksale bestimmt haben.“ Die empirischen Bedingungen in Anton Reisers Milieu und seine Erziehung werden als Folge für die Herausbildung seiner Individualität dargestellt. Die innere Geschichte Antons, wird demnach als Produkt der Umstände geschildert, die seine Persönlichkeit im Laufe seines Lebens prägen und konstituieren. Zu diesen „Erinnerungen aus Anton Reisers frühesten Kinderjahren“ ist beispielsweise die unglückliche, von häufigen Auseinandersetzungen geprägte, Beziehung von Antons Eltern zu nennen. Da das Ehepaar Reiser zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, kann es ihrem gemeinsamen Kind, die nötige Liebe nicht geben, was wiederum dazu führt, dass Anton sich vernachlässigt und unterdrückt fühlt. Den Ursprung der Streitigkeiten zwischen Antons Eltern bildet der quietistische Zirkel um einen Herrn von F., zu dessen Anhängern auch Antons Vater gehört. Die Quietisten werden im ‚Anton Reiser’ als Sekte dargestellt, die seelisch schwache Menschen anzieht und sie wie Marionetten beherrscht. Sie zieht aber nicht nur ‚seelenkranke’ Menschen an, sondern bringt auch solche hervor, wie es weiter unten am Beispiel Anton Reisers ersichtlich werden wird. Meiner Ansicht nach, sind die bereits aufgeführten Komponenten (Antons Elternhaus und der Quietistenzirkel in Pyrmont) die Wesentlichsten für Antons Persönlichkeitsentwicklung, denn am Ende des Textes erscheint Anton als ‚verlorene Seele’, die vergebens ihren Weg sucht, überall aneckt und Enttäuschungen erleidet.
 

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