Untersuchung zur "filmischen Schreibweise" in Bezug auf Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz"

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GRIN Verlag, 2007 - 28 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: noch sehr gut, Philipps-Universitat Marburg (Institut fur Neuere deutsche Literatur), Veranstaltung: HS Literatur in der Weimarer Republik, 22 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die verwirrend veranderte Wahrnehmung einer zunehmend technoindustrialisierten beschleunigten Umwelt pragen das Zeiterlebnis des modernen Gegenwartsmenschen und seines Gegenwartbewusstseins eines zeitgleichen Universalismus, den Technik uns vermittelt. In Bezug darauf verlangt Doblin daher nach einem Kinostil, der, wie festgestellt wurde, durchaus in einer gewissen filmischen Schreibweise prasent sein kann, allerdings nicht in Kaemmerlings Definition, deren grosstes Verdienst es ist, nebenbei auf die filmische Lesart hinzuweisen, die fur die Lekture von BA angebracht ist. Weitaus treffender ist der Begriff ultra-kinematografisch, der die filmische Schreibweise einschliesst und ihre Moglichkeiten noch ubersteigt. Dieser funktioniert durch literarische Montage von Schriftstucken und Musikstucken sowie Assoziationen jeglicher Provenienz, einen bauend-dynamisierenden Simultanstil und polyperspektivische bis aufgeloste Erzahlsitutionen, was zusammengenommen einer Intermultimedialen Epik zugeordnet werden kann, in der ein mythisches Technobild produziert wird, das vom assoziativen Sprachstrom eines entselbsteten Autors gepragt ist."
 

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Page 5 - Alexanderplatz" •Was macht das epische Werk aus? Das Vermögen seines Herstellers, dicht an die Realität zu dringen und sie zu durchstoßen, um zu gelangen zu den einfachen großen elementaren Grundsituationen und Figuren des menschlichen Daseins. Hinzu kommt, um das lebende Wortkunstwerk zu machen, die springende Fabulierkunst des Autors. Und drittens ergießt sich alles im Strom der lebenden Sprache, der der Autor folgt;.
Page 6 - Die Darstellung erfordert bei der ungeheuren Menge des Geformten einen Kinostil. In höchster Gedrängtheit und Präzision hat «die Fülle der Gesichte
Page 8 - Snobismus einer analphabethischen Offizierskaste. Die Quittung für dieses deutsche Erzübel steckt draussen in den Trümmerhaufen. Wann werden unsere Dichter einsehen, dass das Wort von Döblin (1928) seine Gültigkeit behält: «<Literarisch> und <Realität> sind Widersprüche in sich.
Page 13 - Mauer und ging nicht. Der Aufseher am Tor spazierte einige Male an ihm vorbei, zeigte ihm seine Bahn, er ging nicht. Der schreckliche Augenblick war gekommen (schrecklich, Franze, warum schrecklich?), die vier Jahre waren um. Die schwarzen eisernen Torflügel, die er seit einem Jahre mit wachsendem Widerwillen betrachtet hatte (Widerwillen, warum Widerwillen?), waren hinter ihm geschlossen.
Page 5 - Wortfilm rollt. Der Kinematograph wird nie und nimmer Literatur vermitteln können, aber die Literatur muß von der Kinematographie lernen. Und sie hat schon von ihr gelernt. Es ist nun einmal keine Zeit für schleppende Handlungen, Postkutschenstil und psychologische Kleinarbeit. Das Leben ist kurz und ein Roman ist lang. Ich könnte den ganzen „grünen Heinrich" nicht ein zweites Mal lesen, und Raabe ist Lektüre für Altpensionäre.
Page 8 - ... Kino durch seine Schreibweise gebunden wird, wird diese Erzählung realistisch durch die Negation der eigenen literaturästhetischen Kategorien, weil es nicht mehr genügt, die Historisierung der ästhetischen Kategorien, wie sie bei Hegel angelegt ist, auf das jeweils eigene Medium zu beschränken: Die filmische Schreibweise erschafft das Lesen neu als filmisches Sehen in der Lektüre des geschriebenen Textes. Folglich wird die Erkenntnis im Lesen zu einer ästhetisch-technisch zweifach vermittelten...
Page 11 - M[ontage] sollte man das Verfahren nennen, fremde Textsegmente in einen eigenen Text aufzunehmen, sie mit eigenem zu verbinden bzw. zu konfrontieren.
Page 6 - Kinostil bedeutet: Reichtum an Bildern, gedrängter Ablauf, montierendes Hinstellen statt vermittelndem Erzählen, bloßes Zeigen statt Erklären und deuten, dies aber mit der nötigen...
Page 3 - Ekkehard Kaemmerling: Die filmische Schreibweise. In: Materialien zu Alfred Döblin „Berlin Alexanderplatz".
Page 15 - Alexanderplatz 1929) aus dieser Mischung aus filmnaher Zeichen-Repräsentation und dezidiert literarischer Schrift-Aufzeichnung ein literarischer Mehrwert entsteht, ist der Übergang zu ultrakinematographischen Schreibweisen vorgezeichnet."80 Vom Film kommende und in der Literatur weiterentwickelte Formen von Erzähl- und Gestaltungstechniken wie bei Döblin bezeichnet auch Hurst nach Bazin als ultrakinematografisch.S[ Hurst konstatiert „die Dynamisierung der Erzählsituation...

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